Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Interview der Woche: Shagg

Es gibt den Tag, den Lag und den Shagg, wie einmal ein User im Forum schrieb. Was unseren Coach Shagg so besonders macht, erfahrt ihr im aktuellen Interview der Woche.

PokerStrategy: Hallo Shagg, stell dich doch bitte einmal kurz vor.

Shagg: Hallo. Mein richtiger Name ist Martin Spillmann. Ich bin 25 Jahre alt und studiere Mathematik und Englisch auf Lehramt für Gymnasien hier in Paderborn.

PokerStrategy: Wie lange bist du schon ein Mitglied von Pokerstrategy und wie bist du dazu gekommen?

Shagg: Ich bin seit Juni 2006 Mitglied bei Pokerstrategy. Ich habe damals bereits zwei- oder dreimal mit meinen Freunden kleine Pokerturniere veranstaltet, jeweils 5€ Einsatz und dann halt just for fun da so ein bisschen rumgezockt. Etwa zur gleichen Zeit habe ich mit den gleichen Leuten im Internet auf Europoker um Spielgeld gespielt. In den meisten Fällen haben wir uns zu dritt bei einem Turnier angemeldet und dann uns immer über Teamspeak die Karten angesagt und zusammen überlegt, wie man denn wohl am besten spielen könnte.

Heute weiß ich dass das als Collusion (Betrug) zählt, aber damals war ich noch jung und unerfahren. Außerdem ging es ja auch nur um Spielgeld.
Irgendwann hat ein Freund mich gefragt: „Hey, würdest du wohl auch mal um richtiges Geld online Poker spielen?“ - „Joa, hab mir auch schon mal überlegt so 10€ einzuzahlen und die zu verzocken.“ - „Nein, es geht darum richtig pokern zu lernen und du kriegst 150$ geschenkt!“ Das lies ich mir natürlich nicht zweimal sagen. So bin ich dann bei PokerStrategy gelandet.

PokerStrategy: Wie verlief dein Karrierestart? Hattest du am Anfang Probleme oder ging es schnell aufwärts?

Shagg: Ich habe damals mit FL angefangen. Mein größter Durchhänger war als ich von 60$ auf 35$ gefallen war. Ansonsten ging es bis FL0.50$/1$ und sogar 1$/ 2$ an den Beginner Tables von PartyPoker stetig bergauf.


PokerStrategy: Welche Limits spielst du derzeit und was sind deine Ziele in naher Zukunft?

Shagg: Derzeit spiele ich NL600 und NL1000 auf PartyPoker. Nebenbei baue ich mir auch auf TitanPoker und auf PokerStars eine eigene, unabhängige Bankroll auf. Ich gehe lieber auf Nummer sicher und setze voraus, dass die Gegner auf den verschiedenen Seiten unterschiedlich spielen. Nicht unbedingt besser oder schlechter – einfach anders. Ich will halt nicht größere Teile meiner Bankroll auf anderen Seiten verzocken, nur weil ich die Gegner dort nicht kenne.

Wirklich große Ziele habe ich nicht. Bisher wollte ich einfach immer nur bis NL1000 kommen. Und da bin ich jetzt. Was mich noch reizen würde, wären ein paar hübsche Live-Turniere. Einmal an einem TV-Tisch sitzen, das wäre schon was.

PokerStrategy: Was waren die schönsten aber auch schlimmsten Momente in deiner Pokerkarriere?

Shagg: Die schönste Zeit war eigentlich meine Zeit auf NL100 und NL200 Full Ring. Dort habe ich ein paar Wochen am Stück einfach immer gewonnen. Immer, jeden Tag. Mal mehr, mal weniger, aber nie habe ich eine Session mit Minus abgeschlossen. Ein schönes Gefühl ein Limit einfach zu schlagen.

Mein schlimmster Moment war wohl, wie bei so vielen ein Downswing. Ich hatte da meinen ersten Shot auf NL400 SH gewagt und bin dabei an einem Tag 8 Stacks down. Das war mein größter Down bisher. Da musste ich schon schlucken. 2400$ an einem Tag verlieren war ich nicht gewohnt.


PokerStrategy: Was war der für dich persönlich härteste BadBeat bisher?

Shagg: Tja, ich kriege so viele harte Beats, irgendwann merkt man sich so etwas gar nicht mehr. Hatte bestimmt schon einige 1-2 Outer von Turn auf River.

PokerStrategy: Was war der lustigste Moment deiner Pokerkarriere?

Shagg: Pokern ist nicht lustig!

PokerStrategy: Was war dein größter Turniererfolg?

Shagg: Mein dickster Turniergewinn sind die 20.700$, die ich für den dritten Platz beim Sonntagsturnier auf Party bekommen habe – und ich gehe erstmal nicht von größeren in nächster Zeit aus. Wobei ich vielleicht noch erwähnen könnte, dass es auch gut mehr hätte werden können. Als wir noch zu dritt waren, hat sich der Shortstack mit A7 gegen A9 wieder hochgeluckt. Wäre der raus gewesen, hätte ich gegen den sehr loosen anderen bestimmt eine Edge im HU gehabt.

So war ich aber unter Zugzwang, hab dann schließlich nach langem Überlegen ein All-In von dem loosen Spieler mit 77 gecallt.
Flop: 667 - Top Full House für mich.
Turn eine Blank
River: Q
Gegner zeigt QQ.

Wenigstens bin ich grandios ausgeschieden – eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Aber eigentlich ist es schon lustig, dass ich so weit gekommen bin. Ich bin schließlich kein Turnier-Spieler, sondern spiele fast nur Cashgames. Und dann bei dem fünften großen Turnier, das ich spiele, werde ich glatt Dritter.

PokerStrategy: Spielst du auch außerhalb des Internets Poker, ob in Kasinos oder mit Freunden?

Shagg: Ich spiele fast kaum live. Hab bisher einmal im Kasino ein Turnier mitgespielt, aber nichts gerissen. Obwohl die schon recht schlecht waren. Bin rausgeflogen, weil einer mit K2 Limp/All-In-Call von mir gespielt hat. Ich hatte übrigens AQ.

PokerStrategy: Hast du vielleicht sogar neue Freunde durch das Pokern kennen gelernt?

Shagg: Naja, immerhin einen kenne ich mittlerweile etwas besser. Aber ich denke, es ist auch schwer, richtige Freundschaften mit Leuten zu knüpfen, die über ganz Deutschland verteilt wohnen.

PokerStrategy: Inwiefern hat Pokern dein Leben verändert?

Shagg: Wirklich grundlegend hat mich das Pokern nicht verändert. Ich gönne mir inzwischen halt ab und zu mal Kleinigkeiten wie einen neuen Monitor oder ein vernünftiges Handy. Aber im Prinzip lebe ich mein Leben weiter wie bisher. Okay, und inzwischen erspare ich mir Ferienjobs für 8€ die Stunde.

PokerStrategy: Welche Tugend ist deiner Meinung nach die wichtigste beim Pokern und warum?

Shagg: Vermutlich würden die meisten hier sagen: Wichtig ist, ruhig zu bleiben, nicht zu tilten. Das stimmt natürlich, aber ich halte es fast noch für wichtiger, dass man sich wirklich in Sachen reinbeißen kann. Man wird nicht von ganz alleine gut beim Pokern, sondern man muss sich viel eigenständig erarbeiten, sehr viel Zeit investieren – das ist die Grundvoraussetzung.

PokerStrategy: Ein Freund von dir fängt ganz neu mit dem Pokern an. Welchen Rat gibst du ihm?

Shagg: Lies dir den Content durch und halt dich auf jeden Fall immer, immer ans Bankrollmanagement!

PokerStrategy: Seit wann bist du schon Coach und wie bist du dazu gekommen? Was macht dir am Coachen den meisten Spaß?

Shagg: Coach bin ich seit November 2006. Das war zu der Zeit, als ich meine sagenhafte Win-Serie auf NL100 und NL200 Full Ring hatte. Da dachte ich mir: So schlecht kann das gar nicht sein, was du hier spielst, und vor allen Dingen ist es so einfach. Das könnte ich doch auch gut anderen beibringen. Und da ich auch gerne Sachen erkläre, passte das. Ich hab dann Sammy kontaktiert und nach einem Testcoaching war ich dann frisch gebackener Coach.

Das Beste an meinen Coachings ist natürlich, wenn ich dann zum dritten Mal während eines Coachings erkläre, was denn der „call 15“ Eintrag im SHC bedeutet. Nein, Spaß. Ich denke am amüsantesten ist es, wenn irgendwelche NL200-Spieler meinen, ich würde „zu tight“ spielen. Weil so könne man auf den höheren Limits ja keinen Gewinn mehr machen.

PokerStrategy: Nun aber mal weg vom Pokern. Was machst du in deiner Freizeit am liebsten?

Shagg: Hmm? Ich dachte „weg vom Pokern“? Aber neben dem Pokern spiele ich auch Tischtennis, was sehr interessant ist, denn da kann man auch Begriffe wie Checkraise oder 2nd Barrel einbauen. Außerdem gebe ich noch Tanzkurse in Standard und Latein.

PokerStrategy: Wenn du mal gar keine Lust mehr hast zu pokern, wie motivierst du dich oder machst du einfach mal eine längere Pause?

Shagg: Ich muss sagen, bisher hatte ich noch nie keine Lust zum Pokern. Was aber vorkommt, ist, dass ich nach 4 Wochen Dauerzocken für irgendeine Promo erstmal ein paar Turniertage einlege.

PokerStrategy: Wie viel Zeit verbringst du pro Woche etwa noch mit Handanalysen und dem Verbessern deiner Theoriekenntnisse? Wie viel Zeit hast du noch zu Beginn deiner Karriere damit zugebracht?

Shagg: In letzter Zeit mache ich wirklich kaum noch Handanalysen – auch wenn ich das vielleicht machen sollte. Es gab aber Phasen, in denen ich sehr viel theoretisch überdacht habe - welche Line mit welcher Hand gegen welche Gegner sinnvoll ist etc.


PokerStrategy: Was denkst du warum eines unserer Mitglieder gerade dein Coaching besuchen sollte? Was zeichnet es besonders aus?

Shagg: Ich würde mal sagen, mein Spielstil ist ziemlich einzigartig. Auf Full Ringe spiele ich 11/8 und auf SH auch nur 13/10. Hände, die mich postflop in unangenehme Situationen bringen könnten, folde ich einfach direkt preflop. Das macht das Spiel insgesamt vielleicht langweiliger, aber dafür auch solider und ist auch einfacher zu erlernen.

PokerStrategy: Vielen Dank für das Interview Shagg.