Barrys Strategie Ecke: Mehr Varianz in PLO Turnieren?
Ist es angesichts der deutlich höheren Winrates ein Mythos, dass Turniere mit vier Karten schwingungsanfälliger sind?
Kürzlich habe ich an einem Nebenprojekt im Bereich PLO-Turniere gearbeitet, in dessen Zuge einem bekannten PLO-Spieler die Frage gestellt wurde: Gibt es in diesen Bereich mehr Varianz?
Die Ausgangsüberlegung war, dass die gängige Meinung möglicherweise falsch ist und PLO-Turniere tatsächlich eine deutlich geringere Varianz aufweisen als No Limit Holdem Turniere. Die bislang gespielten PLO-Turniere wirkten durchweg sehr tight, vergleichsweise soft und durch eher kleine Pötte geprägt.
Auch der PLO-Coach bestätigte diese Einschätzung: Einige Aspekte des Spiels seien zwar varianzreicher, andere hingegen deutlich weniger. Insgesamt sei die Varianz in PLO einfach anders gelagert.
Hoher ROI = geringere Downswings
Ein zentraler Grund für die Annahme geringerer Varianz liegt in den Winrates. Mithilfe von SharkScope habe ich einige aktuelle Leaderboard-Spieler mit Buy-ins bis $550 analysiert:
Zwar handelt es sich hierbei um absolute Topspieler, dennoch stellt sich die Frage: Sieht man im No Limit Bereich vergleichbare Winrates über große Samples? Ein Spieler erzielte über mehr als 5.000 MTTs hinweg einen ROI von über 50%.
Hier ist der Graph eines dieser Topspieler und die Schwankungen wirken vergleichsweise moderat:
Bei einem derart hohen ROI sind Downswings in PLO-Turnieren deutlich weniger dramatisch.
Hier wird wesentlich tighter gespielt. Häufig gibt es keine Antes, wodurch der Stack nicht so schnell durch die Blinds aufgezehrt wird. Zudem erschwert die Pot-Limit-Setzstruktur Situationen, in denen man zu einer All-in-Entscheidung um das Turnierleben gezwungen wird.
Ein Bereich mit erhöhter Varianz sind allerdings All-in-Situationen. Selbst starke Hände wie AAxx haben oft nur etwa 65% Equity gegen typische Ranges, sodass es kaum Situationen gibt, in denen man klarer Favorit ist.
Gleichzeitig verlaufen viele PLO-Turniere in einem eher varianzarmen Stil, geprägt von Limping und kleineren Betsizes. In Kombination mit der Tatsache, dass viele Spieler strategisch noch unsicher agieren, ergibt sich ein interessantes Bild: Für MTT-Spezialisten kann PLO, entgegen der Intuition, eine deutlich ruhigere und konstantere Variante darstellen.