Aktualisiert am 21 Aug. 26 von
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Poker Expert

Barrys Strategie-Ecke: Die beiden Arten von Varianz in Turnieren

Poker und Varianz im Turnierpoker

Varianz im Poker ist schon eine merkwürdige Sache. Im Turnierpoker ist sie aber komplett verrückt.

Ich habe gerade eine sehr interessante Woche an den Tischen hinter mir, die meiner Meinung nach ziemlich gut zeigt, was Turnierpoker so besonders macht. Über vier Sessions hinweg hatte ich vermutlich meine schlechteste Woche aller Zeiten mit Pocket Aces. Ich glaube, ich bekam sie 15-mal und verlor zehn dieser Hände. Ja, es lief tatsächlich so schlecht, dass ich irgendwann angefangen habe mitzuzählen.

Bevor das jetzt allerdings völlig erschreckend klingt, gibt es eine wichtige Einschränkung. In Turnieren, besonders wenn die Stacks langsam shorter werden, calle ich mit Assen häufig nur ein Open Raise. Das ist bewusst so gedacht, um möglichst noch einen dritten Stack in den Pot zu bekommen, idealerweise durch einen Squeeze.

Von den zehn verlorenen Händen waren daher vermutlich die meisten Multiway-Pötte. Trotzdem ist es natürlich ein gewaltiger und äußerst unwahrscheinlicher Cooler, so häufig zu verlieren, auch wenn Asse gegen drei oder mehr Gegner selbstverständlich deutlich weniger Favorit ist.

Gegen Ende der Woche passierte dann allerdings etwas Interessantes. Ich wurde Zweiter in einem für mein übliches Buy-in-Level ziemlich großen Turnier und machte damit den gesamten Downswing der Woche mehr als wett.

Eine der entscheidenden Hände in diesem Turnier war kurz vor der Bubble ein Pot zwischen den beiden Chipleadern. Ich hielt QQ und mein Gegner hatte ... Asse. Eine Dame kam am Flop und hielt bis zum Ende. Dadurch hatte ich plötzlich einen Monsterstack, den ich komfortabel bis zum zweiten Platz bringen konnte.

Die große Frage lautet also: Waren Asse in der vergangenen Woche meine Glücks- oder meine Pechhand?

Distribution Variance vs. Timing Variance

Pocket Aces und Varianz im Turnierpoker
War es eine gute oder schlechte Woche mit Assen?

Am Ende läuft es auf zwei unterschiedliche Arten von Varianz hinaus, mit denen Spieler in Turnieren konfrontiert werden. Einerseits gibt es die Varianz bei der Frage: „Wurde die beste Hand ausgeteilt?“ Andererseits geht es darum: „Wurde die beste Hand innerhalb eines einzelnen Turniers oft genug ausgeteilt?“

Distribution Variance

In der vergangenen Woche hatte ich großes Pech, wenn man betrachtet, welche Hände mir insgesamt ausgeteilt wurden. Das werde ich als Distribution Variance bezeichnen.

Timing Variance

Gleichzeitig hatte ich enormes Glück beim Timing der wenigen Hände, die zu meinen Gunsten liefen. Das nenne ich Timing Variance.

Ich hatte schon viele Sessions, in denen es sich so anfühlte, als würde es unglaublich gut laufen, nur um anschließend auf die Ergebnisse zu schauen und festzustellen, dass die Session trotzdem katastrophal war. Das Problem bestand darin, dass sich die gesamte positive Varianz auf viele verschiedene Turniere verteilte, anstatt sich in einem einzigen Turnier zu konzentrieren.

In der vergangenen Woche war es genau umgekehrt. Wären mir dieselben Hände in einem Cash Game ausgeteilt worden, wäre es eine furchtbare Woche gewesen. Weil das Kartenglück aber in einem einzigen Turnier genau zum richtigen Zeitpunkt kam, war ich am Ende überglücklich.

Während viele wahrscheinlich sagen würden, dass ich in der vergangenen Woche großes Pech hatte, insbesondere mit Pocket Aces, sehe ich es genau andersherum: Für mich läuft es aktuell unglaublich gut.

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