Barrys Strategie Ecke: Kleine Edge, große Wirkung

Zuletzt habe ich darüber geschrieben, dass mit dem Aufstieg in höhere Stakes zwangsläufig auch mehr Varianz einhergeht.
Jetzt habe ich einige Simulationen durchgeführt, die eine deutlich optimistischere Seite zeigen: Schon kleine Verbesserungen der Winrate können negative Varianz erheblich reduzieren.
Inspiriert ist das von Sir Dave Brailsford, dem Performance Director von British Cycling. Er zerlegte jeden einzelnen Aspekt des Radfahrens und versuchte, ihn jeweils nur um 1% zu verbessern.
Seine Idee dahinter: Kleine Fortschritte summieren sich mit der Zeit. Und er sollte recht behalten. Es gibt nicht viele Sportarten, die Großbritannien dominiert, aber Radsport gehört definitiv dazu.
Dasselbe Prinzip lässt sich auf Poker übertragen. Eine Steigerung der Winrate um 1% verbessert nicht nur den Gewinn, sondern kann gleichzeitig die negative Varianz deutlich reduzieren.
Einfache Verbesserungen suchen
Unten ist das Median-Ergebnis aus 1.000 Simulationen zu sehen. Dabei werden jeweils 5.000 $20-Turniere mit einer durchschnittlichen Feldgröße von 200 Spielern simuliert.
In der ersten Simulation liegt der ROI bei 10%. Für viele Online-Grinder entsprechen 5.000 Turniere weniger als einem Jahr Spielvolumen.

Was bereits 1% mehr ROI verändert
Nun folgt der Vergleich mit einer identischen Simulation. Diesmal liegt der ROI bei 11% und damit lediglich einen Prozentpunkt höher.

Im zweiten Beispiel sorgt bereits die Verbesserung des ROI um einen Prozentpunkt für einen deutlich angenehmeren Verlauf des Samples.
Nun wird die Simulation erneut durchgeführt. Diesmal beträgt der ROI 15% und liegt damit fünf Prozentpunkte über dem Ausgangswert.

Mehr ROI = kürzere Downswings
Visuell sind vor allem die zusätzlichen weißen Lücken auf der unteren Achse entscheidend. Sie zeigen, dass ein Downswing schneller wieder beendet wurde.
Schon eine kleine Steigerung des ROI kann die negative Varianz deutlich reduzieren und gleichzeitig die positive Varianz erheblich erhöhen.
Die gespielten Stakes müssen dafür nicht komplett „zerstört“ werden. Im modernen Poker ist es möglicherweise sogar unrealistisch, den ROI auf den aktuellen Limits einfach zu verdoppeln.
Ein oder zwei Prozentpunkte mehr hier und da wirken dagegen durchaus erreichbar. Noch bevor schwieriges Pokerstudium ins Spiel kommt, gibt es zahlreiche einfache Möglichkeiten, das eigene Spiel zu verbessern.
Kleine Veränderungen können einen Unterschied machen
Schon kleinere Veränderungen bei den täglichen Gewohnheiten können möglicherweise einen spürbaren Effekt haben. Eine gesündere Ernährung und mehr Bewegung können beispielsweise die Konzentration verbessern.
Persönlich spiele ich besser, wenn ich aktiv war und mich gut ernährt habe. Auch besserer Schlaf kann ähnliche Vorteile bringen.
Weniger Ablenkung könnte ebenfalls bereits für eine Verbesserung des ROI sorgen. Liegt das Smartphone direkt daneben und gehen ständig Benachrichtigungen ein, kann es schon helfen, es während der Session ans andere Ende des Raums zu legen.
Theorie bleibt der wichtigste Hebel
Der mit Abstand wichtigste Weg, den ROI zu verbessern, bleibt jedoch intensiveres Studium. Gleichzeitig bietet dieser Bereich auch das größte langfristige Potenzial.
Wer sich zu sehr auf kleine Verbesserungen abseits der eigentlichen Pokerarbeit konzentriert, läuft dagegen Gefahr, in eine Art magisches Denken abzurutschen. Ein neuer Proteinshake allein wird schließlich kaum dabei helfen, das Sunday Million zu gewinnen.
Auf welchem Weg die Verbesserung auch erfolgt: Entscheidend ist, überhaupt besser zu werden. Je stärker das eigene Spiel wird, desto weniger heftig fallen langfristig die Downswings aus.