@chemnsteffen:
Zwei Dinge möchte ich ansprechen:
Zum Einen geht es um die Motivationsstrategien, die ein Mensch hat: Da gibt es Die, die schon im Vorfeld vorbereitet sind und Ihre "Hausaufgaben gemacht“ haben und gut präpariert und gut gelaunt zur Prüfung kommen.
Und dann gibt es Die, die in letzter Minute vor dem Gong auftauchen, hechelnd, Ringe unter den Augen und mit wirrem Haar… das letzte Lernen fand gerade im Bus statt.
Beide Gruppen haben unterschiedliche "Antreiber“ Bei ersterer Gruppe gibt es eine "positive Vision“. Diese Leute wissen: Wenn ich das und das tue, wird das und das passieren und auf die Weise komme ich zu meinem Ziel. Sie haben also einen Plan, man könnte auch sagen, inneres Bild, und Plan oder das Bild werden schrittweise umgesetzt, Punkt für Punkt, weil eine Vorstellung vom Weg von A-Z, von vorne bis hinten, existiert. Dieser Konstruktionsplan ist immer präsent, dementsprechend leicht ist es, Ihm zu folgen.
Die zweite Gruppe ist die Gruppe der "Vermeider“. Bei Ihnen geht es vor allem darum, einer negativen Konsequenz oder einer negativen Situation aus dem Weg zu gehen, indem erst in letzter Minute gehandelt wird. Diese Personen haben meist keinen inneren Plan, lassen die Dinge laufen und handeln erst unter Druck, wenn es gar nicht anders geht, also z.B. nach der 3. Mahnung oder bei Drohung baldiger Entlassung oder whatsever. Du ahnst etwas…?
Spontan würden wahrscheinlich die meisten Menschen sagen, dass die Gruppe der "Visionäre" die bessere Strategie hat, zumal die "Vermeider“ häufig unter Stress handeln und dementsprechend oft gehetzt und unzufrieden sind. Tatsächlich können aber beide Strategien erfolgreich sein. Natürlich führen die braven Visionäre meist ein "ruhigeres“ Leben. Aber auch die Vermeider sind häufig anzutreffen, z.B. auch und gerade in kreativen Berufen: Mode, Design, Werbung, Branchen mit hohem Termindruck und "Just-in-Time“-Auftragslage…
Und oft ist es so, dass die Einen unmöglich so arbeiten können wie die Anderen und umgekehrt. Die Vermeider brauchen den Druck und die Visionäre Ihren Plan… Woher kommen diese Strategien? Ganz einfach. Sie wurden irgendwann einmal gelernt. Früh im Leben gelernt. Und erfolgreich eingesetzt. Und bis heute beibehalten. Wenn wir Sie jetzt ändern wollen, müssen wir Schritt für Schritt umlernen, was meist nicht nur eine singuläre Verhaltensänderung erfordert, sondern eine Selbstaktualisierung auf mehreren Ebenen. Ist aber mit einem gezielten Training möglich. Erfordert allerdings auch eine entsprechend hohe Motivation zur Selbstaktualisiserung.
Eine andere Strategie wäre das Abstimmen z.B. des beruflichen Weges passend zu den eigenen Strategien. Viele tun das schon unbewusst und haben Erfolg damit. Es ist gut möglich, als Vermeider im Leben zurechtzukommen, indem man akzeptiert, was man kann und was man nicht kann, und den eigenen Fähigkeiten entsprechend handelt. Das ganze Phänomen zeigt einfach auch mal wieder, wie viele unterschiedliche Wege es gibt, zurechtzukommen…
A propos Akzeptieren:
Das scheint ein Punkt zu sein, mit dem du dich sehr schwer tust. Sehr viele Leute bringen sich ständig in ein "Soll-Haben-Defizit“, indem Sie unheimlich hohe Anforderungen an sich selbst stellen. Es ist so, als ob Sie einen inneren "Controlletti“ (d.h. Antreiber) haben, der permanent unzufrieden ist und mehr fordert. In der Freudschen Terminologie würde man den Begriff des "Über-Ichs“ (d.h. vereinfacht ausgedruckt: das Gewissen) einbringen.
Gemeinhin kann man vom "Perfektionisten" sprechen. Der Perfektionist leistet schon viel, eben weil er sich permanent antreibt, aber er will noch mehr. Mehr, mehr, mehr. Mehr Erfolg, mehr Anerkennung, Geld, Ziele, usw. Das sind Leute, die oft bereits erfolgreich sind. Aber Sie verpassen den Stop-Zeitpunkt. Die ganze Sache entwickelt eine Eigendynamik, weil Sie Ihre Erfolge gar nicht mehr genießen können und direkt zur nächsten Herausforderung weitereilen. Oft haben diese Menschen auch hohe Ansprüche an Ihr Umfeld, was Sie zum Antreiber und Nörgler werden lässt. Aber die höchsten Ansprüche (das weiß das Umfeld nicht) sind oft immer noch an sich selbst.
Im besten Fall ist der Perfektionist jemand, der viel Erreichen kann, der sich einbringen kann auch und zum Wohl all derer, die nicht diese Kraft haben. Dann ist er ein Macher geworden, der etwas erreicht und schöpferisch tätig wird. Aber mitunter passiert es auch, dass der Perfektionist an seinen eigenen Idealvorstellungen zerbricht und zum ewig nörgelnden, ewig unzufriedenen Menschen wird, der permanent mit seinem Leben im Unreinen ist.
Was für den Perfektionisten wichtig ist: Mehr Lebensfreude, Leichtigkeit, Loslassen können, sehen, was bereits Gutes da ist, zurückblicken auf bereits Positives, bereits Geleistetes,…ein gewisses "Laisser-faire“, das Leben genießen!! Das hilft dem Perfektionisten, die Dinge in Zukunft nicht mehr ganz so verbissen anzugehen. Dann kann er auch seine vielen positiven Eigenschaften einbringen, ohne zum pedantischen Nörgler zu werden und kann auch seinen inneren Kritiker endlich zum Schweigen bringen. My thoughts dazu.