Ganz recht, die Equity von Bottom Set ist natürlich besser als die von Top Two Pair. Es schlägt zwar nur ein paar Handkombinationen mehr, hat aber deutlich mehr Outs.
Aber du hast schon recht mit dem, was du sagen willst: Meine Bet/Calling-Range ist natürlich ziemlich klein im Verhältnis zu der Range, die ich am Turn bette, und wenn man das weiß, kann man mich mit Turn-Raises ziemlich einfach aus dem Pot drängen.
Nur muss der Gegner ja erstens diese Information gewinnen; das fällt ihm schließlich nicht vor die Füße. Ohne meine Karten zu kennen, muss er, wie du bereits erwähnt hast, meine Bet/Fold-Frequenz beobachten und feststellen, dass diese zu hoch ist. Das kann er nur, indem er mich häufig raist und auch bei den Pötten aufpasst, an denen er nicht beteiligt ist. Und wenn er diese Information gewonnen hat, muss er sie darüber hinaus noch umsetzen, indem er mich noch häufiger am Turn raist. Das ist unterm Strich schon eine ganze Menge, was wir unserem Midstakes-Regular da zutrauen. Aber gut, auf diesem Limit wird es wohl schon Spieler geben, die gut und aufmerksam genug sind, um sich solche Reads zu bilden, mutig genug, sie zu nutzen, und die häufig genug mit einem spielen, dass sich eine solche History auch entwickelt (das geht ja nicht in ein, zwei Sessions).
Nur stellt sich selbst dann, also nachdem wir all dies bejaht haben, die Frage, ob man dieses Problem versuchen sollte zu beheben, indem man "unexploitable Ranges" festlegt, also beispielsweise sagt: "Wenn ich hier den Turn mit soundsoviel Handkombinationen bette, kann ich es mir, um nicht profitabel gebluffraist zu werden, nur leisten, soundsoviel Prozent zu bet/folden, also muss ich die oberen xy% meiner Range bet/callen, um nicht exploitable zu sein." Oder ob es nicht besser ist, erst zu reagieren, wenn es so weit ist, dass man meint, von einem spezifischen Spieler, der die oben genannten Voraussetzungen erfüllt, exploitet zu werden. Denn genauso wie der Gegner meine hohe Bet/Fold-Frequenz am Turn feststellen und dies entsprechend exploiten kann, kann ich seine darauf folgend gesteigerte Bluffraising-Frequenz am Turn feststellen und mich entsprechend anpassen, indem ich Hände wie Top Two Pair in dem Spot eben nicht mehr bet/folde, sondern bet/calle.