Den Checkraise callst du erst mal. Zum einen hast du einige Outs. Du hast nicht nur die Overcards, sondern auch noch einen backdoor Straight Draw und einen etwas schwächeren backdoor Flush Draw. Das summiert sich aber und da ein Gegner nicht alles blockieren kann, zählen die meisten deiner Outs. Ausserdem gibt es auf dem Board sehr viele Draws. Es ist gut möglich, dass der Gegner einen hat. Sowohl mit Flush Draw als auch Straight Draw wäre der Checkraise die Standardspielweise für den Gegner. Ich würde daher auf Blanks (kein Draw wird komplettiert) auch runtercallen.
Angenommen, der Gegner checkraist am Flop T, 9, 55, oesd, Gutshots, Flush Draws. Da der Gegner preflop nicht geraist hat, wird weiter angenommen, dass er preflop gute Asse und Kings geraist hätte. Er ist aber loose, könnte daher alle niedrigen Flush Draws und Straight Draws haben. Dann sieht es für dich am Flop etwa so aus:
Board: js5s9c
Dead:
..................Equity ........ Hand
Spieler 1: 44.644 % AcQs
Spieler 2: 55.356 % 55, As8s, As7s, As6s, As5s, As4s, As3s, As2s, KTs, Ks9s, Ks8s, Ks7s, Ks6s, Ks5s, Ks4s, Ks3s, Ks2s, QTs+, Qs9s, Qs8s, Qs7s, Qs6s, Qs5s, Qs4s, Qs3s, Qs2s, J2s+, T7s+, Ts6s, Ts5s, Ts4s, Ts3s, Ts2s, 92s+, 86s+, 8s5s, 8s4s, 8s3s, 8s2s, 76s, 7s5s, 7s4s, 7s3s, 7s2s, 6s5s, 6s4s, 6s3s, 6s2s, 5s4s, 5s3s, 5s2s, 4s3s, 4s2s, 3s2s, KTo, QTo+, J9o+, T7o+, 86o+, 76o
Das ist gar nicht so übel.
Du kannst dann am Turn auf alles ausser 8/7 weiterspielen, da die anderen Karten den Gegner nicht oft genug verbessern oder dir weitere Outs verschaffen. Am River kannst du dann auch noch mal callen, wenn keine 8 fällt und ansonsten nicht mehr als eine der übrigen Straightkarten gefallen ist (also aus K/T/7/6).
Das Spiel ab dem Turn ist allerdings schwierig für einen Anfänger einzuschätzen. Willst du dein Spiel risikoärmer gestalten, dann callst du auf dem Flop und spielst am Turn nur weiter, wenn sich deine Hand irgendwie verbessert (made Hand getroffen oder weitere Outs). Am River callst du dann ohne made Hand nur, wenn dort eine niedrige Karte fällt (6 oder weniger) da die dem Gegner selten weiterhilft.
Eine wichtige Regel, die man sich merken kann, ist: gibt es auf einem Board Flush und Straight Draws und kann der Gegner Draws aggressiv spielen, dann sind die Straightkarten für dich grundsätzlich viel gefährlicher als die Flushkarten (auch dann, wenn du keine Karten der Flushfarbe hast). Es gibt viel mehr Möglichkeiten, einen Straight Draw zu einer made Hand zu verbessern als einen Flush Draw. Das heisst, auf ein Straightkarte wirfst du schneller weg als auf eine Flushkarte.
Beispiel:
Auf dem Board liegt T92. Es gibt dann eine Menge open ended Straight Draws und noch mehr Gutshots. Nur die oesd sind QJ, J8, 87. Dem Gegner kann daher K/Q/J/8/7/6 zur made Hand verhelfen, das sind 24 gefährliche Karten (zwei davon hat er auf der Hand). Ein Flush Draw hat dagegen nur 9 Outs. Er hat darüber hinaus noch 6 Karten, die ihm ein Paar machen, aber die kennst du nicht. Ausserdem gibt es für den Gegner mehr Möglichkeiten, einen Straight Draw zu halten als einen Flush Draw. Im Beispiel T92 sind allein die oesds 48 verschiedene Kartenkombinationen. Nimmt man noch die Gutshots mit mindestens einer Overcard hinzu, dann landet man bei weiteren 64 Kartenkombinationen (KQ/KJ/Q8/J7). Einen Flush Draw kann man dagegen nur mit höchstens ca. 30 Kartenkombinationen haben, die durch die Range des Gegners auf Grund seiner preflop Aktion weiter eingeschränkt werden können. Der Gegner hält daher viel öfter einen Straight Draw als einen Flush Draw und eine Straightkarte verbessert ihn daher öfter als eine Flushkarte.
Wenn es nur einen Flush Draw gibt, dann ist eine weitere Flushkarte natürlich Grund genug, wegzuwerfen. Auch ist dann ein Calldown weit weniger attraktiv, weil du seltener gegen einen Draw stehst.