Ich würde sagen, "Protection-Bet" hat sich als (meiner Meinung nach wenig passender) Begriff durchgesetzt und es gibt sie daher schon. Das Problem ist nur, dass die meisten Spieler darunter etwas Falsches verstehen und das Konzept nicht verstanden haben.
Viele Spieler sagen, dass sie "for Protection" betten, haben diesbezüglich aber eine falsche Vorstellung. Da Poker kein Kartenspiel ist, sondern nur ein Wettspiel, bei dem auf Karten gewettet wird, hat man keinen Einfluss auf die ausgespielten Karten. Alles, was man machen kann, ist den Einsatz so hoch zu schrauben, dass der Gegner nicht mehr bezahlen möchte, um die nächste Karte zu sehen. So gesehen hat man seine Hand dann vor einem Suckout geschützt, aber das ist offensichtlich nicht das Ziel beim Pokern. Das Ziel ist, Gewinn zu machen, und das ist nur möglich, indem man den Gegner dazu bringt, eine Wette einzugehen, die einem Gewinn bringt. Zwingt man ihn durch einen zu hohen Wetteinsatz zur Aufgabe, wird dieses Ziel nicht erreicht. Der Gegner begeht keinen Fehler.
Sinn und Zweck einer Bet ist immer, damit Profit zu erzielen. Dieser kommt aus dem direkten Gewinn des bereits bestehenden Pots und aus zusätzlich gewonnenem Geld aus dem Stack des Gegners. Letzteres kennen wir auch als den Value-Aspekt einer Bet, während der direkte Potgewinn in dieser komplizierteren Kategorisierung weiter unterteilt wird in "Bluff" und "Einsammeln des gegnerischen Equity-Shares" oder auch "Einsammeln von Dead Money".
Protection ist darauf bezogen nichts weiter als eine Bezeichnung für eine Bet, die aus mehreren dieser Gründe zugleich getätigt wird. Das ist aber nichts Besonderes, weil das im Grunde bei jeder Value-Bet der Fall ist. Der Wert des direkten Potgewinns steigt lediglich mit Zunahme der Equity der gegnerischen Range, was mit der Anzahl an möglichen Draws einhergeht. Eine Protection-Bet ist also nichts anderes als eine Value-Bet gegen eine Range, die eher mehr als weniger aus Draws besteht. Es lässt sich daher argumentieren, dass der Begriff "Protection-Bet" nicht nur unpassend, sondern auch überflüssig ist, aber er hat sich nun mal durchgesetzt und wird aus dem Pokersprachgebrauch wohl nicht mehr zu vertreiben sein, auch wenn er mittlerweile schon ein wenig verpönt ist. Das Wichtigste ist nur, dass man weiß, warum man bettet, und dies nicht aus den falschen Gründen tut, dann ist es auch nicht schlimm, wenn man seine Value-Bets auf drawy Boards als Protection-Bets bezeichnet.