PokerStrategy – Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • „Live Cards“ sind Karten, die deine Hand noch verbessern können, wenn du zurückliegst – meist, indem sie ein Paar bilden und so den Pot gewinnen lassen.
  • Zwei Live Cards verschaffen dir deutlich mehr Equity als nur eine oder gar keine.
  • Das Konzept der Live Cards ist in Stud Poker besonders wichtig, weil dort offene Karten (Upcards) zu sehen sind.

Was ist eine Live Card im Poker?

Was bedeutet „Live Card“ im Poker? Eine Live Card ist eine Karte, für die noch Outs im Deck verbleiben und die deine Hand so verbessern kann, dass sie zur Gewinnerhand wird.

Live Cards spielen in Texas Hold’em häufig eine Rolle, wenn ein Spieler All-in ist und beide Starthände aufgedeckt wurden (du weißt dann, dass du hinten liegst und ob deine Karten live sind oder nicht). Ebenso taucht der Begriff bei TV-Übertragungen auf, wenn die Hole Cards dem Publikum angezeigt werden.

Beispiel: zwei Live Cards

  • Spieler A: J♣ 9♣
  • Spieler B: A K

Spieler A schiebt vom Button All-in, Spieler B wacht im Big Blind mit Ass-König auf und callt. Spieler A liegt zwar hinten, hat aber zwei Live Cards: Kommt ein Bube oder eine Neun hat Spieler A ein Paar und würde damit den Pot gewinnen. Beide Karten sind also live.

Beispiel: eine Live Card

  • Spieler A: K♠ Q
  • Spieler B: A Q♠

Spieler A ist aus dem Cutoff All-in, Spieler B callt am Button. Spieler A ist dominiert und hat deshalb nur eine Live Card. Trifft die Dame, bleibt Spieler B dank höherem Kicker vorne. Die einzige Live Card von Spieler A ist der König, der ein Paar bilden kann.

Beispiel: keine Live Card

  • Spieler A: A♣ K♣
  • Spieler B: A A♠

In einer Cashgame Hand auf den besten Online Pokerseiten raist Spieler A aus der Middle Position, Spieler B 3-bettet vom Button, Spieler A geht All-in. Spieler B callt und zeigt Asse. Spieler A hat keine Live Cards: Ein Paar Könige reicht nicht zum Sieg, ein Ass auf dem Board gäbe Spieler B ein Set. Hoffnung besteht nur über einen Drilling oder Vierling Könige oder sehr unwahrscheinliche Straight-, Flush- oder Straight Flush-Runouts.

Live Card versus Dead Card

Die obigen Beispiele zeigen den Unterschied zwischen Live Cards und „Dead Cards“. Eine Live Card ist eine Karte in deiner Hand, die Outs hat und dir eine realistische Gewinnchance gibt:

  • Live Cards können deine Hand so verbessern, dass du den Pot gewinnst, etwa durch ein Paar oder das Komplettieren eines Draws.
  • Live Cards sind sonst nirgends zu sehen – weder in gegnerischen Händen noch auf dem Board. Deine Outs sind noch im Deck.
  • Mit Live Cards hast du zumindest eine geringe Equity im Pot. Zwei Live Cards sind besser als eine und deutlich besser als keine.

"Dead Cards" dagegen können deine Hand nicht sinnvoll verbessern. In Texas Hold’em liegt das häufig daran, dass diese Karten vom Gegner domniert werden: Es wird eine Karte "geteilt", aber der Gegner hält den höheren Kicker. Dead Cards reduzieren deine Outs und damit deine Gewinnwahrscheinlichkeit.

Live Cards in der Praxis

In der Praxis weißt du selten sicher, ob deine Karten live sind, außer die Hände werden aufgedeckt, zum Beispiel nach einem Preflop-All-in. Erst dann kann der zurückliegende Spieler genau sehen, wie viele Live Cards er hat.

Das Nachdenken über Live Cards hilft dir in Situationen in denen du hinten liegst: Wie oft bist du dominiert und wie viele Outs helfen dir wirklich.

Equity und Live Cards

Grundsätzlich gilt: Je mehr Live Cards, desto höher deine Equity im Pot.

Zur Veranschaulichung einige typische Equities:

Beispiel: Zwei Live Cards gegen Pocket Pair – etwa 45 Prozent

  • Spieler A: A J♠
  • Spieler B: 9♣ 9

Einer der ausgeglichensten Spots: Zwei Overcards gegen ein kleines Paar. Spieler A hat ungefähr 45 Prozent Equity – nahezu ein Coinflip.

Beispiel: Zwei Live Cards gegen Ass-König – etwa 40 Prozent

  • Spieler A: 8 7
  • Spieler B: A♣ K

Spieler A liegt zurück und muss meist ein Paar treffen. Er hat jedoch zwei Live Cards sowie potenzielle Flush Draws und Straightdraws, die ebenfalls live sein können. Das ergibt rund 40 Prozent Equity.

Beispiel: Eine Live Card, eine Dead Card – etwa 25 Prozent

  • Spieler A: K J♠
  • Spieler B: K♠ Q

Eine wirklich schlechte Lage für Spieler A: Der König ist dominiert (Dead Card). Der Bube ist seine einzige Live Card im Deck und muss zum Paar werden. Die Equity liegt nur bei etwa 25 bis 30 Prozent.

Beispiel: Keine Live Cards, zwei Dead Cards – etwa 9 Prozent

  • Spieler A: K♠ T
  • Spieler B: K♣ K

Spieler A läuft in Könige und hat keine Overcard. Seine "kleinen" Karten sind de facto tot: Ein Paar Zehnen genügt nicht und ein König gäbe dem Gegner ein Set. Die Equity beträgt nur etwa 9 Prozent.

Live Cards im Stud Poker

Im Stud werden Live Cards noch bedeutsamer, weil du einen Teil der gegnerischen Hand siehst: offene Karten (Upcards). So kannst du mitverfolgen, welche Karten bereits ausgeteilt wurden und ob wichtige Outs schon tot sind. Deine Hand kann teilweise blockiert oder sogar vollständig „tot“ sein.

Beispiel:

Spieler A hält 9♣ 8♣ und verdeckt 7♠. Es gibt einen Straightdraw, ideal wären 6 oder 10. Ein Gegner zeigt jedoch die T offen, ein weiterer die T♠. Außerdem hat ein dritter Spieler T und 6 offen gefoldet.

Damit sind bereits vier der vorhandenen Outs verschwunden – darunter drei der benötigten Zehnen. Deine Karten sind deutlich weniger live; die Hand kann sogar faktisch tot sein.

Strategietipps zum Spiel mit Live Cards

Da du nicht immer genau weißt, ob deine Karten live sind, orientiere dich an der vermuteten Range deines Gegners: Wie oft liegst du vorne, wie häufig bist du dominiert und in wie vielen Fällen hast du zwei Live Cards? Diese Hinweise helfen:

  • Preflop Fold: Wenn du wahrscheinlich dominiert bist, lohnt sich ein Call selbst bei ordentlichen Pot Odds meist nicht. Mit nur einer oder gar keiner Live Card solltest du eher folden.
  • All-ins: Das Wissen, wie oft beide Karten gegen die gegnerische Range live sind, unterstützt knappe Push- oder Call-Entscheidungen.
  • Suited Connectors: Diese Hände performen gegen tighte Raise-, Shove- oder Calling-Ranges ordentlich, weil du häufig zwei Live Cards plus die Chance auf Flush oder Straight hast.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Live Card besser als eine Dead Card?

Ja. Eine Live Card bedeutet, dass du Outs und damit zumindest etwas Equity im Pot hast. Dead Cards können deine Hand nicht sinnvoll verbessern.

Woran erkenne ich, ob meine Karte live ist?

Das lässt sich nicht immer sicher sagen, weil du die gegnerischen Karten nicht kennst. Werden beide Hände nach einem All-in aufgedeckt, siehst du sofort, ob deine Karten live sind.

Wie spielt man mit Live Cards?

Bist du im Rückstand, sind zwei Live Cards klar besser, weil sie dir eine realistische Chance zum Aufholen geben. Meide Spots, in denen du leicht dominiert bist und nur eine oder gar keine Live Card hast.

Sind Live Cards immer besser als ein kleines Paar?

Live Cards müssen sich erst verbessern, während ein kleines Paar manchmal bereits zum Showdown reicht. Kleine Paare sind jedoch leicht geschlagen und können in manchen Pötten nahezu keine Equity haben.

Können Live Cards ohne Verbesserung gewinnen?

Der Begriff impliziert, dass Live Cards nur durch Verbesserung gewinnen: Der Gegner ist bereits vorn. Triffst du kein Paar oder besser, verlierst du den Pot.