Über anonyme Tische und unser No-Limit-Bootcamp - Interview mit lnternet
PokerStrategy.com-Coach lnternet spricht im Interview über Lernmethoden, das Dezember-Bootcamp und das Spielen an anonymen Tischen.
"Beim Bootcamp zeigt die Lernkurve steiler nach oben"
PokerStrategy.com: Du bist im Dezember bei unserem No-Limit-Bootcamp dabei. Was denkst du über diese besondere Trainingseinheit?
lnternet: Für viele Spieler ist das Lernen des Pokerspiels ein einsames Bestreben. Man liest ein Buch oder schaut sich ein Video an, man ist in Foren unterwegs und postet dort. Natürlich gibt es einen Community-Gedanken, aber am Ende berichtet man keinem von seinem Lernprozess - niemand bewertet auch diesen Verlauf.
Oft wird man beim Lernen nicht an die Hand genommen: Jeder Spieler nimmt den Content einigermaßen willkürlich auf - hier ein Video, da ein Artikel und dort ein Buch, das jemand empfohlen hat.
Eine andere Lernmethode ist das Arbeiten im Team mit einem strikten Plan. Diese Teamkomponente erlaubt Feedback und das Überprüfen von Ergebnissen. Man lernt nicht mehr nur in Einsamkeit, sondern ist Teil einer Gruppe. Ein Plan, ausgearbeitete Themen, Ideen und Konzepte helfen beim Lernprozess. Man realisiert ein umfassenderes Bild und merkt, wie eine Idee auf die nächste Idee aufbaut.
Das Bootcamp und das Poker School 2.0-Projekt von PokerStrategy.com helfen dabei, ein Team zu bilden und die Pokerfähigkeiten zu verbessern. Dadurch ist es wahrscheinlicher, dass die Lernkurve steiler nach oben zeigt, als beim alleinigen Lernen.
PokerStrategy.com: Du hast gesagt, dass es schwieriger ist, alleine zu lernen. Dennoch: Was ist der beste Weg, um sich selbst zu verbessern?
lnternet: Es ist wichtig, die getroffenen Entscheidungen zu überprüfen. Man sollte über die letzte Hand nachdenken oder die Session, die gerade zuende ist. Und über den Monat, dessen Verlauf man mit einem Screenshot für den Graphen festgehalten hat. Dieser Überprüfungsprozess sollte regelmäßig kontrolliert und erneuert werden - durch externe Quellen wie zum Beispiel Coaches oder auch durch Videos.
Es ist eine Investition, einen Coach zu buchen. Im schlimmsten Fall verliert man dadurch ein oder zwei Buy-Ins und im besten Fall hebt man seine Entscheidungsfähigkeit und den Überprüfungsprozess auf ein neues Level.
PokerStrategy.com: Kannst du dich an die wichtigsten Lektionen erinnern, die du als Pokerspieler gelernt hast? Die Lektionen, die dein Spiel am meisten beeinflusst haben?
lnternet: Es gibt leider nicht diese Tipps, um schnell reich zu werden, die ich in zwei Sätzen verraten könnte. Es dauert eine lange Zeit und man muss viel investieren, um Erfolg zu haben. Den jüngsten Aha-Moment hatte ich, als ich das neueste Buch von Philip Newall las, indem er wortgewandt ein interessantes Konzept erläuterte. Dadurch konnte ich etliche Gedanken in meinem Kopf in eine prägnante Idee umwandeln.
PokerStrategy.com: In welchen Bereichen haben unsere Bootcamp-Spieler die größten Probleme?
lnternet: Auch hier kann ich keine kurze Antwort liefern, damit man künftig besser spielt. Ein Faktor, der möglicherweise manchen Spielern helfen könnte: Man sollte sich nicht die ganze Zeit auf die großen Pötte konzentrieren. Ein Großteil des Geldes gewinnt oder verliert man bei preflop-Situationen und mit fehlerhaftem Betsizing in Conti-Bet-Situationen. Die meisten Fragen und Threads drehen sich um diese Situationen, langfristig gesehen ist es für die Winrate nicht zu wichtig, ob man mit Q-Q (200 BB deep) 4-betten sollte oder nicht, oder mal einen Hero-Call am River macht.
"Durch anonyme Tische kehrt man zu den Grundlagen zurück"
| Über das Bootcamp |
Diesen Sonntag startet unser Dezember-Bootcamp.
Während der zweiwöchigen Trainingsphase werden wir mindestens sieben neue Platin-Videos veröffentlichen. Zudem wird es einige Coachingsessions von unseren besten Coaches geben - freut euch auf Experten wie Unser ganz spezielles Bootcamp-Unterforum wird allen PokerStrategen ab dem Platin-Status zur Verfügung stehen. Unser Coachingteam wird euch in den beiden Trainingswochen mit Rat und Tat zur Seite stehen. |
PokerStrategy.com: Du hast vor Kurzem ein Video an den anonymen Tischen aufgenommen. Was denkst du über dieses Format?
lnternet: Die anonymen Tische sind ein nützliches Format für mich, um anderen Spielern Poker beizubringen. Stats und Reads stehen einem oft im Wege, um solides Grundlagenpoker zu spielen. Ich möchte damit nicht sagen, dass Stats und Reads nutzlos sind, eher das Gegenteil - sie gehören ganz wesentlich zum Pokerspiel dazu.
Aber oft werden diese Faktoren als die Hauptquellen bei einer Entscheidung herangezogen. Ein kleines Beispiel: Wenn jemand sagt, dass er in einem Spot c-bettet, weil sein Kontrahent in 50 Prozent der Fälle bei C-Bets foldet, dann ist das keine ergiebige Argumentation.
Es gibt Gründe, die für und gegen eine Bet sprechen. Deshalb genieße ich es auch, an den anonymen Tischen zu spielen - man muss sich statt auf Reads auf die Basics verlassen können. Aber selbstverständlich kann man auch bei diesen Games den einen oder anderen Read aufnehmen.
PokerStrategy.com: Welche Spielertypen sind normalerweise an diesen Tischen zu finden - eher Regulars oder eher Freizeitspieler?
lnternet: Ein ordentlicher Anteil an Freizeitspielern möchte einfach nur an bestehenden Games teilnehmen und Spaß haben. Sie interessiert es nicht, gegen wen sie antreten oder welches Format sie spielen - für sie ist es einfach wichtig, dass es Spaß macht.
Dann gibt es andere Spieler, die regelmäßiger spielen, die dadurch auch Präferenzen entwickeln. Ich denke nicht, dass ich in der Lage bin, zu entscheiden, welche Präferenzen das sind. In jedem Fall gibt es Hobbyspieler an den anonymen Tischen, wie es sie auch an den normalen Tischen gibt.
Vermutlich beträgt das Verhältnis zwischen Regulars und Freizeitspielern 5:1, obwohl sich diese Quote etwas langsamer stabilisiert.
PokerStrategy.com: Denkst du, dass Regulars, die keine Action machen, den nicht-anonymen Tischen schaden?
lnternet: Ich denke, dass deutlich mehr Tische laufen würden, wenn diese Regulars dabei wären. Freizeitspieler tendieren eher dazu, sich an einen volleren Tisch zu setzen, als an einem leeren Tisch Platz zu nehmen. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass diese generelle Sit-Out-Mentalität der gesamten Ökonomie schadet. Aber wie es eben häufig der Fall ist, kann dieses Problem nicht durch einzelne Personen behoben werden - es ist ein Problem des Systems und kann nur auf Systemebene gelöst werden.
PokerStrategy.com: Vielen Dank für das Interview und wir freuen uns bereits jetzt darauf, dich im Dezember bei unserem NL-Bootcamp zu sehen!
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Diesen Sonntag startet unser