Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

"Bei Super High Rollern entscheidet fast nur das Glück"

Im Gespräch mit 888poker-Profi Dominik Nitsche erfahren wir mehr über das Spiel in Super High Rollern und was ihn an erster Stelle motiviert, Höchstleistungen an den Tischen zu bringen.





dominik wsope

Du hast bereits Turniere mit sehr großen Teilnehmerfeldern als auch toughe Super High Roller mit einer sehr kleinen Anzahl an Spielern gewonnen. Bei ersteren muss man sich gegen deutlich mehr Spieler durchsetzen, bei letzteren fällt die Konkurrenz viel stärker aus. In welchem Fall ist ein Sieg insgesamt schwieriger?

Dominik 'Ace0nTheRiver' Nitsche: Es ist auf jeden Fall schwieriger die Turniere mit 400 oder mehr Spielern zu gewinnen. Das ist die Natur des Spiels. Super High Roller sind im Grunde SNGs. Natürlich sind die Gegner deutlich stärker, aber selbst ein Losingplayer kann bei einem guten Lauf mal eben in fünf von ihnen sehr gut abschneiden. Ich denke nicht, dass Resultate bei einer solch kleinen Samplesize sonderlich beeindruckend sind. Es kommt fast nur aufs Glück an.

Muss man im Vergleich zu Super High Rollern auf ein fundamental anderes Skillset bei Turnieren mit großen Feldern zurückgreifen? Oder sollte ein talentierter Spieler in der Lage sein in beiden gut zu performen?

Dominik 'Ace0nTheRiver' Nitsche: Ein anderes Skillset ist nicht wirklich erforderlich. Das ist eine große Fehleinschätzung, die viele Leute haben. Die Spieler, die in den Super High Rollern unterwegs sind, sind meistens auch die besten Spieler in einem Main-Event-Feld. Sie haben ein äußerst umfangreiches Verständnis der Spieltheorie und können daher selbst gute Regulars deutlich besser exploiten.

Ist der Druck bei Super High Rollern vielleicht sogar geringer, da ein Großteil der Action jedes Spielers geswappt oder verkauft ist und der ROI in den großen Turnieren deutlich höher ausfallen kann?

Dominik 'Ace0nTheRiver' Nitsche: Das ist eine interessante Frage. Für die meisten Spieler steht bei einem Final Table der EPT auf jeden Fall mehr Geld auf dem Spiel als bei einem Super High Roller mit nur 25 Teilnehmern. Natürlich hat man automatisch weniger Stress, wenn man um weniger Geld spielt. Ich glaube aber trotzdem, dass es nichts Vergleichbares zum Druck an einem Final Table gibt, an dem man fast ausschließlich gegen die besten Spieler der Welt antreten muss, während jeder genau darauf achtet, wie du spielst.

"Man sollte den Zeitraum für Rebuys einschränken anstatt die Anzahl"

Dominik Nitsche 888
"Ich liebe die Shotclock"

Was hältst du von Shotclocks bei Super High Rollern als auch bei regulären Turnieren?

Dominik 'Ace0nTheRiver' Nitsche: Ich liebe sie und finde sie sollten bei jedem Turnier mit dabei sein.

Und was hältst du von Starttagen, die online gespielt werden, wie zum Beispiel beim WPT500?

Dominik 'Ace0nTheRiver' Nitsche: Auch diese Idee ist großartig. Ich finde mehr Anbieter sollten nach kreativen Lösungen suchen, um Spielern zu erlauben, den Aufwand für den eher langweiligen Teil von Turnieren gering zu halten. Online-Starttage ermöglichen genau das und sind daher etwas Tolles sowohl für Profispieler als auch für Hobbyspieler.

Wie fallen deine Gedanken zu Re-Entrys aus? Viele Freizeitspieler scheint das Konzept mittlerweile zu stören...

Dominik 'Ace0nTheRiver' Nitsche: Re-Entrys an sich geben niemandem eine zusätzliche Edge und daher wüsste ich nicht, warum man sie einschränken sollte. Viele Hobbyspieler finden es ja gerade gut, am Anfang etwas zu gamblen, um so schnell wie möglich einen großen Stack aufzubauen. Ich würde ihnen das nicht wegnehmen wollen. Es ist für jeden sehr profitabel und für sie unterhaltsam. Ich denke, dass es wichtiger wäre den Zeitraum für zusätzliche Buy-ins einzuschränken anstatt die Anzahl. Ich kann es deutlich mehr nachvollziehen, wenn die Leute ein Problem damit haben, dass sich Spieler mit 20 oder weniger BB anmelden können.

"Dein Job als Profi ist es, dich hinzusetzen und deine Karten gut zu spielen"

Dominik Nitsche 888
"Wäre ich ein schlechterer Spieler, wenn ich keine Bracelets gewonnen hätte?"

Glaubst du, dass der Verkauf und das Swappen von Action in Super High Rollern den Events schaden könnte? Zum Beispiel indem die Felder dadurch mit Profis übersättigt werden und die Turniere für reiche Hobbyspieler wie eine Falle wirken oder indem dadurch ein paranoides Umfeld entsteht, bei dem niemand mehr weiß, wer jetzt eigentlich wen im Turnier staket?

Dominik 'Ace0nTheRiver' Nitsche: Ich habe mittlerweile so viele von diesen Events gespielt, dass ich ohne Zweifel sagen, dass der Konkurrenzkampf zwischen den Beteiligten (selbst zwischen mir und meinen Freunden, mit denen ich Action swappe) extrem groß ist. Softe Plays gibt es nicht und wenn es sie geben würde, würden die Fälle sehr schnell öffentlich werden. Meines Wissens gab es noch nie irgendwelche Vorwürfe wegen Collusion gegenüber den deutschen Spielern, die auf diesem Niveau unterwegs sind.

Du hast nach deinem WSOPE-Triumph einmal gesagt, dass dein Spiel an sich für mehr Zufriedenheit bei dir gesorgt hat als das eigentliche Resultat. Wie hast du es geschafft dir ein Mindset anzueignen, bei dem die Performance wichtiger wird als das eigentliche Ergebnis?

Dominik 'Ace0nTheRiver' Nitsche: Ich spiele seit mittlerweile elf Jahren Poker. Das ist eine sehr lange Zeit. Irgendwann realisiert man, dass die kurzfristigen Ergebnisse fast nur vom Glück abhängen. Dein einziger Job als professioneller Pokerspieler ist es, dich hinzusetzen und deine Karten gut zu spielen. Am Ende kommen die Ergebnisse von alleine.

Mit insgesamt vier Bracelets und jeder Menge weiterer Titel dürften Prämien und Auszeichnungen ja trotzdem auch bei dir für Motivation sorgen? Kommt auch bei dir hin und wieder der innere Phil Hellmuth durch, sodass du die Aussicht darauf als Antrieb für gute Leistung nutzen kannst? Oder ist es aus deiner Sicht besser, einfach stoisch zu bleiben und konzentriert die beste Performance abzuliefern?

Dominik 'Ace0nTheRiver' Nitsche: Ich hatte im Laufe meiner Karriere sehr viel Glück bei den WSOP-Events und bin dafür sehr dankbar. Bei all diesen Siegen kam es am Ende aber nur auf das nötige Glück an. Wäre ich ein schlechterer Spieler, wenn ich bisher keine Bracelets gewonnen hätte? Ich mag den Ansatz nicht, dass ein paar glückliche oder unglückliche Momente eine gesamte Karriere definieren. Für mich geht es einzig und allein darum, gut zu spielen und mich mit den Besten zu messen.

Bedeutet der Gewinn eines Bracelets, dass ich gut gespielt habe? Natürlich nicht. Aber wie sieht es aus, wenn ich überzeugt sagen kann, dass ich bei einem sehr toughen Final Table keinerlei Fehler gemacht habe? Für mich ist genau das motivierend. Ich kann mit Vertrauen sagen, dass ich an fast jedem Tisch, an dem ich Platz nehme, eine Edge haben werde. Und es geht dabei nicht nur darum, dass ich weiß, dass ich eine Edge habe, sondern vor allem, dass ich weiß warum. Zu wissen, warum man gewinnen sollte, sorgt bei mir für deutlich mehr Motivation als jeder erdenkliche Titel.

Vielen Dank für das Gespräch, Dominik, und auch in Zukunft viel Glück... sorry, eine gute Performance!