Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Erklärt: Was ist ein Markup beim Poker?

Manche Konzepte können für neue Spieler sehr verwirrend sein. Im Fokus daher heute die Kontroverse um Phil Hellmuth, der für Anteile an seinen WSOP-Events ein sehr hohes Markup gefordert hat.





Jeden Tag treffen viele neue Spieler bei PokerStrategy.com ein, daher müssen wir berücksichtigen, dass manch eine Diskussion von erfahrenen Spielern wie Kauderwelsch auf Neulinge wirken kann. Wenn also eine Story in der Pokerszene Schlagzeilen macht, die nur für fachkundige Spieler Sinn ergibt, versuchen wir das Ganze ab jetzt in einem Artikel für Neulinge verständlicher zu erklären.

Anlass dazu hat in diesem Fall die Kontroverse um Phil Hellmuth und seine Vorstellung eines für ihn angemessenen Markups gegeben. Ein Großteil der Pokercommunity hat den Bracelet-Rekordträger dafür kritisiert, ein Markup von 1,8 für Anteile an seinen möglichen Gewinnen im $10.000 Turbo Bounty zu Beginn der WSOP zu fordern. Auch im Anschluss setzte sich die Debatte fort, als er ein ähnlich hohes Markup für sein Abschneiden bei der $50.000 Players Championship forderte.

Was genau ist also ein Markup und warum genau sorgt Phil Hellmuths Vorstellung davon für so viel Unmut in der Pokercommunity?

Ein Aufpreis für besonderen Skill

Justin Bonomo
Bonomo hat ein Markup von 1,1 beim Super High Roller Bowl im vergangenen Jahr gefordert

Zunächst einmal sei gesagt, dass das Thema Markup Relevanz im Bereich des Stakings hat, das heißt also, wenn ein Spieler Anteile an möglichen Gewinnen in einem Pokerturnier verkauft, um das Buy-in nicht alleine stemmen zu müssen. Dabei kann er einen Aufpreis setzen, der zum prozentualen Anteil am Buy-in hinzuaddiert wird. Wenn jemand also denkt, dass sich eine Investition in die eigene Leistung bei einem Turnier besonders lohnt, kann er zum Beispiel einen Aufpreis von 30% fordern. Verkauft er nun Anteile von 10% bei einem Event mit einem Buy-in von $10.000, würde man als Käufer $1.300 anstatt lediglich $1.000 für 10% der möglichen Gewinne zahlen.

Das Markup im obigen Beispiel wäre 1,3. Im Falle von Phil Hellmuth und dem $10.000 Turbo Bounty lag es bei 1,8. Als Käufer hätte man also $1.800 (18% des Buy-ins von $10.000) für einen Anteil von lediglich 10% am möglichen Gewinn von Hellmuth gezahlt. Das Wichtige hierbei ist zu verstehen, dass ein Markup ein Aufpreis ist, den der Verkäufer der Anteile mit seinem Skill und bisherigen Resultaten begründet. Als Backer (Käufer von Anteilen) muss man also entscheiden, ob der Spieler und seine mögliche Leistung den zusätzlichen Aufpreis tatsächlich wert sind. Dabei sollte man natürlich darauf achten, dass das Markup deutlich geringer ausfällt als der vermutliche ROI (Return of Investment) des Spielers im Turnier.

Ein Markup sollte nicht nur auf Basis der eigenen Fähigkeiten festgelegt werden, sondern auch die Stärke der Konkurrenz und Profitabilität eines Events berücksichtigen. Wenn das Turnier soft ausfällt, wird das Markup für gewöhnlich auch höher ausfallen, da der Spieler einen größeren Vorteil gegenüber seinen Gegnern haben wir. Ebenso kann man ein höheres Markup erwarten, wenn die Struktur varianzarm ausfällt. Geht man hingegen von einem hohen Varianzeinfluss oder starker Konkurrenz aus, würde man hingegen ein niedrigeres Markup setzen.

Das wäre zum Beispiel der Fall in Turnieren wie dem Super High Roller Bowl, wo sich zwar nur 40 Spieler miteinander messen, sie allesamt jedoch zur absoluten Weltspitze gehören und niemand einen großen Vorteil haben wird. Der diesjähriges Champion Justin Bonomo hatte für das Event beispielsweise ein Markup von lediglich 1,1 gefordert. Kauft man jedoch Anteile eines Top-Spielers im WSOP Main Event oder WSOP Monster Stack, kann man ein höheres Markup erwarten, da dort unzählige Amateure unterwegs sind und ein Profispieler einen riesigen Vorteil haben wird.

Warum also die Kontroverse um Phil Hellmuths Markup, dem erfolgreichsten Spieler in der WSOP-Geschichte mit 14 Turniersiegen?

Der Markt steht im Widerspruch

Phil Hellmuth
Ist Phil ein Markup von 1,8 bei der WSOP wert?

Der Unmut kam auf, weil die Markup-Forderung von Phil Hellmuth deutlich höher ausfiel als der aktuelle Durchschnitt bei den talentiertesten Spielern der Szene. Es ist äußerst selten, dass selbst die besten Spieler mehr als 1,3 als Markup fordern, und alles über 1,2 muss für gewöhnlich mit einer herausragenden Erfolgsbilanz begründet werden. 1,8 ist für egal welche Form von Turnier abnormal hoch und dasselbe gilt für die geforderten 1,5 bei der $50.000 Players Championship, wenn man bedenkt, dass man es dort mit zahlreichen der besten Spieler aufnimmt.

Wenn man dem Twitter-Account von PokerShares folgt, hat man als Käufer von Anteilen eine gute Quelle für verlässliche Einschätzungen zu angemessenen Markups für Spieler in den von ihnen gespielten Events. Äußerst selten findet man dort jemanden mit mehr als 1,3 und Phil Hellmuth wird kurioserweise häufig sogar mit unter 1,0 bewertet, das heißt, man geht davon aus, dass er im jeweiligen Turnier unprofitabel unterwegs sein wird.

Ein weiterer Grund, warum das Markup von 1,8 so umstritten ist, begründet sich in der Struktur des $10.000 Turbo Knockout bei der WSOP. Turbo-Events sind deutlich varianzlastiger, da man im Schnitt weniger Hände in ihnen spielt. Selbst wenn Phil also so gut wäre, wie er selbst denkt, würde Glück in solch einem Event einen größeren Einfluss auf das Resultat haben als sein eigentlicher Skill. Hinzu kommt, dass es sich um ein Bounty-Event handelt und Phil mittlerweile berüchtigt für späte Turniereinstiege ist. Wenn man bei einem Turnier mit Kopfgeldern nicht direkt zu Beginn einsteigt, lässt man sich zahlreiche Chancen entgehen, andere Spieler zu busten und das entsprechende Bounty einzusacken. Steigt ein Phil Hellmuth erst in das Event ein, wenn bereits 30% des Teilnehmerfeldes eliminiert wurden, ist ein hoher Anteil des Preispools futsch, auf den er nie eine Chance hatte. Für Käufer seiner Anteile wäre das Ganze allein schon aus diesem Grund ein äußerst schlechtes Investment.

Es ist jedoch ein freier Markt und Spieler können als Aufpreis natürlich fordern, was auch immer sie wollen. Als Käufer sollte man jedoch stets bedenken, dass jedes Markup bedeutet, dass sich der entsprechende Spieler im jeweiligen Turnier einen Vorteil gibt. Es liegt stets in der Verantwortung der Käufer zu überprüfen, ob ein Spieler tatsächlich das Markup wert ist, das er für seine Künste fordert. Der einfachste Weg ist dabei der Vergleich mit dem aktuellen Markt und den Forderungen anderer Spieler.

Gibt es andere Pokerthemen, auf die ihr immer wieder trefft, die ihr jedoch überhaupt nicht versteht? Wir freuen uns auf eure Kommentare!