"Der neue Glücksspielstaatsvertrag ist nicht rechtmäßig"
Wir haben uns erneut mit dem Steuerexperten und ehemaligen Pokerspieler Fabian Graske getroffen und im Interview die wichtigsten Fragen zur aktuellen Lage in Deutschland geklärt.

Dabei überzeugt Rechtsanwalt und Black Member f4bianG, der im echten Leben Fabian Graske heißt, erneut mit zahlreichen hilfreichen Tipps, welche gerade aktuell von besonderer Bedeutung für viele PokerStrategen sein dürften.
Hallo Fabian! Dein letztes Interview bei uns ist noch gar nicht so lange her. Die meisten werden über deinen Blog in unserem Forum mitbekommen haben, dass du als ehemaliger Pokerspieler mittlerweile als Anwalt tätig bist und dich unter anderem auf die Belange von Pokerspielern spezialisiert hast. Beschreibe unseren Lesern doch trotzdem noch einmal kurz, wie dein jetziges Tätigkeitsfeld aussieht.
f4bianG: Meine Rechtsanwaltskanzlei hat sich relativ früh auf die rechtlichen Themen fokussiert, die Unternehmer betreffen. Da ich schon lange der Meinung bin, dass du nur wirklich erfolgreich wirst, wenn du Spaß bei der "Arbeit" hast, wollte ich mich rechtlich auf Inhalte stürzen, die mich interessieren. Ich liebe es, eigene Unternehmen zu entwickeln und dabei zu helfen, andere Unternehmer in guten wie in schlechten Zeiten zu unterstützen. Konkret geht es dabei vermehrt um steuerrechtliche, gesellschaftsrechtliche, arbeitsrechtliche und in Teilen erbrechtliche Fragestellungen. Durch meine Pokervergangenheit und mein Faible für das Steuerrecht, kam dann irgendwie eins zum anderen. Mittlerweile berate ich ca. 100 Pokerspieler in steuerlichen Angelegenheiten. Da erfolgreiche Pokerspieler meiner Erfahrung nach früher oder später weitere Unternehmungen starten, hat mittlerweile ein erheblicher Anteil meiner Mandanten einen ähnlichen Werdegang wie ich mit vergleichbarem Mindset und Fokus.
Die Pokerregulierung in Deutschland ging nun doch schneller, als die meisten gedacht hätten. Obwohl noch niemand weiß, ob der Glücksspielstaatsvertrag nächsten Sommer tatsächlich so kommen wird, haben wir jetzt eine Übergangszeit, in der Pokeranbieter bereits Auflagen erfüllen, die die deutsche Regierung empfiehlt, wenn man im nächsten Sommer eine Lizenz erhalten möchte. Dazu gehören Maßnahmen wie ein Einzahlungslimit von €1.000 pro Monat oder die Begrenzung auf maximal vier gleichzeitig spielbare Tische. Wie sehr haben dich persönlich die Ereignisse der letzten Wochen überrascht?
Artikel: Details zu den Auflagen im neuen Staatsvertrag
f4bianG: Ehrlich gesagt habe ich diese Entwicklung bis vor Kurzem nur nebenher beobachtet, da der Glücksspielstaatsvertrag aus Spielersicht in der Vergangenheit nicht wirklich relevant war. Relevant waren diese Verträge vor allem für Glücksspielbetreiber. Die Änderungen, die seit dem 15.10.2020 vorübergehend in Kraft getreten sind, führten nun dazu, dass Spieler eingeschränkt werden. Überrascht bin ich von der Entwicklung in der Nachschau nicht, gehe jedoch nach wie vor schwer davon aus, dass die Einschränkungen keinesfalls dazu führen werden, dass der Pokermarkt in Deutschland ausstirbt. Wie etliche andere Juristen bin auch ich der Meinung, dass der neue Glücksspielstaatsvertrag in der Form nicht rechtmäßig ist und früher oder später aufgehoben bzw. abgemildert wird. Zudem hat die Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass der Alleingang der deutschen Gesetzgebung, insbesondere in einem digitalen Markt, nicht funktionieren wird. Bereits aus praktischen Gesichtspunkten werden Pokeranbieter Lösungen finden, um den Glücksspielstaatsvertrag rechtmäßig zu umgehen.
Werft einen Blick auf den YouTube-Kanal von Fabian
"Pass dich an und suche deine Edge"
Du hast zu dem Thema auch ein Video mit bencb aufgenommen. Welche Fragen beschäftigen deiner Meinung nach die deutsche Community aktuel am meisten?

In meiner Beratungstätigkeit konnte ich feststellen, dass die meisten Spieler Interesse an den nachfolgenden drei Themen haben:
- Welche steuerlichen Pflichten habe ich als Pokerspieler, wie sichere ich mich ab und gibt es Möglichkeiten weniger oder keine Steuern zu zahlen?
- Wie stelle ich sicher, dass meine Pokergewinne der letzten Jahre in andere Bereiche reinvestiert werden können, ohne dass ich von staatlicher Stelle mit Sanktionen rechnen muss? Vereinfacht ausgedrückt: Handelt es sich bei Pokergewinnen um "Schwarzgeld"?
- Wie umgehe ich den neuen Glücksspielstaatsvertrag als Spieler?
Zu 1: Auf meiner Homepage finden Pokerspieler sehr viel kostenlosen Content zu steuerlichen Fragen. Der Content wird von uns kontinuierlich aktualisiert und erweitert. Wer darüber hinaus Fragen hat und sich absichern möchte, den berate ich gern.
Hier geht es zur Website von Fabian
Zu 2: Hast du dir als Pokerspieler finanzielle Rücklagen gebildet und möchtest dieses Geld in andere Bereiche reinvestieren (z. B. Immobilienkauf), besteht u. a. die Gefahr, dass im Falle des Bekanntwerdens, dem Spieler ein Geldwäschevorwurf im Sinne des Strafgesetzbuches gemacht wird. Besonders problematisch ist das für diejenigen Spieler, die insbesondere in Deutschland Geld mit Poker verdienen, jedoch diese Gewinne niemals angezeigt oder sich anderweitig abgesichert haben. Probleme in dem Bereich sind lösbar, sollten aber rechtzeitig angegangen werden. Regelmäßig treten erstmals Probleme in dem Zusammenhang auf, wenn Immobilien von den Pokererträgen gekauft werden und größere Transaktionen zwischen Banken notwendig werden. Solange Spieler auf offiziellen Seiten (PokerStars, partypoker etc.) spielen, sehe ich keine Probleme, die nicht lösbar sind. Problematisch wird es bei Spielern, die z. B. auf chinesischen bzw. südamerikanischen Seiten spielen und die Gelder über Vermittler transferieren. Die gesonderte Problematik besteht darin, dass im Zweifel nicht nachgewiesen werden kann, woher die Gewinne stammen. Ich erkläre meinen Mandanten das immer so: Wenn du nicht zu 100 % nachweisen kannst, ob es sich um Pokergewinne oder um Geld aus z. B. Drogengeschäften handelt, haben wir ein Problem.
Zu 3: Hinsichtlich des neuen Glücksspielstaatsvertrages, der bis Juli 2021 ratifiziert werden soll, empfehle ich Abwarten und Tee trinken. Der einzelne Spieler kann aktuell nur zwei Dinge machen: Pass dich den Regelungen an und suche deine Edge. Oder zieh ins Ausland.

Sich ununterbrochen darüber den Kopf zu zerbrechen führt zu gar nichts. Auf Juristen und eine Änderung der Rechtslage zu hoffen mag mittelfristig funktionieren, kurzfristig ist es aber vertane Zeit. Da ich zu vielen Spielern in Kontakt stehe, weiß ich, dass profitables Poker auch aus Deutschland nach wie vor möglich ist. Möglicherweise wird sich auch auf PokerStrategy.com der Content insoweit ändern, dass Spieler lernen, auf unterschiedlichen Seiten zu spielen. Was früher Tableselection war, kann heute das Spielen über mehrere Anbieter sein. Ich musste in meiner Zeit als Pokerspieler ebenfalls mehrere Tiefschläge hinnehmen, an denen ich per se nichts ändern konnte. Zunächst war es bei PokerStars nicht mehr möglich die "Short Stack Strategy" zu spielen, später war es nicht mehr profitabel die "Mid Stack Strategy" zu spielen. Wer als Pokerspieler ernsthaft daran arbeitet eine Edge zu haben, wird diese auch finden.
Wie bereits im Podcast mit bencb besprochen, sollten Spieler vorsichtig sein, auf ausländischen Seiten von Deutschland aus zu spielen. Hier sehe ich keine strafrechtlichen Probleme, sondern es droht Ärger mit dem Pokeranbieter, da man möglicherweise gegen die AGB verstößt. Somit droht die Sperrung des Accounts. Im schlimmsten Fall wird sogar die Bankroll einbehalten. Deswegen ist der sogenannte Zweitwohnsitz als "Fake" eher keine ratsame Lösung.
Das war es mit dem ersten Teil unseres Interviews mit Fabian. Beim nächsten Mal geht es mit dieser interessanten Frage weiter:
Du sagst selbst, dass Deutschland nicht der beste Ort für Pokerspieler ist, die damit ihr Haupteinkommen bestreiten oder zumindest einen signifikanten Betrag erwirtschaften. Ist Auswandern die einzige Möglichkeit oder reicht ein Zweitwohnsitz in einem regulierten Land?