Wann sollte man einen Final-Table-Deal eingehen?
Bei einem Deal am Final Table wollen sich viele Spieler keine Blöße geben. Tatsächlich gibt es aber viele gute Gründe, sich vorab ein hohes, wenn auch nicht maximales Preisgeld zu sichern.

Obwohl die meisten Pokerturniere mit einem Deal besiegelt werden, herrscht in der Pokerwelt seit jeher eine gewisse Herabwürdigung gegenüber Final-Table-Deals.
Zurzeit arbeite ich an meinem fünften Pokerbuch (dem dritten in Zusammenarbeit mit Dara O'Kearney), bei dem wir uns unter anderem ausführlich dem Thema Final-Table-Deals widmen. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass man in den meisten Fällen gut beraten ist, einen Deal am Final Table zu akzeptieren. Dabei spielt auch das Verhandlungsgeschick eine ganz wesentliche Rolle.
In welchen Situationen sollte man sich also auf einen Deal am Final Table einlassen?
Den Erwartungswert steigern oder die Varianz verringern

Einen Deal am Final Table zu akzeptieren macht besonders dann Sinn, wenn dieser einen Mehrwert bietet. So ist ein ICM-Deal (bei dem man basierend auf dem Geldwert seiner Chips bezahlt wird) in der Regel vorteilhaft, es sei denn, man verfügt über einen bedeutenden spielerischen Vorteil am Tisch. Falls es einem gelingt, einen Deal auszuhandeln, bei dem man aufgrund seiner spielerischen Fähigkeiten etwas mehr als den ICM-Wert erhält, sollte man die Gelegenheit auch unbedingt ergreifen.
Ein weiterer Grund, der für einen Deal spricht, besteht darin, die Varianz zu reduzieren. Sollten die Pokergötter es besonders gut mit einem meinen und man erreicht in einem ungewohnt großen Turnier den Finaltisch, bietet ein Deal die ideale Möglichkeit, seine Equity zu realisieren und seinen Anteil am Gewinn zu sichern.
Manche höchst lukrative Turniersituationen treten zu selten auf, um langfristig orientierte Entscheidungen zu treffen. Im Gegensatz dazu sollte ein professioneller Spieler der 180-Mann-SNGs wohl nie einen Deal annehmen, denn gerade am Finaltisch wird ein Spieler mit seiner Expertise den höchsten Gewinn herausspielen. Doch wenn sich ein normalsterblicher Spieler über ein Satellite für das Main Event qualifiziert und mit einem gottgleichen Lauf gesegnet wird, spielt er höchstwahrscheinlich um schwindelerregende Summen, die er unbedingt durch einen Deal sichern sollte.
Der subjektive Wert des Geldes

Eine Geldsumme kann für verschiedene Menschen ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Sollte ein gewisser Betrag signifikante Auswirkungen auf das persönliche Leben oder die Pokerkarriere haben, wird der Nutzen eines Deals abermals deutlich. Wenn die Gewinnsumme eines Deals ausreicht, einem Staker sein Investment zurückzuzahlen oder einem ermöglicht, den ausgedehnten Downswing zu den Akten zu legen, sollte man nicht lange zögern.
Tatsächlich kann auch ein leicht nachteiliger Deal von Vorteil sein, etwa dann, wenn der gewonnene Betrag ausreicht, um zukünftig bedenkenlos ein höheres Limit spielen zu können. Angenommen bei einem Final Table eines Turniers erhält der Sieger $20.000, der Spieler, der als Nächstes ausscheidet, erhält jedoch nur $4.000, so könnten $10.000, die man sich mit einem Deal sichern kann, langfristig höhere Gewinne mit sich bringen. Wenn diese Summe einem erlaubt, von $50 MTTs auf $100 MTTs aufzusteigen, kann der Erwartungswert auch bei einem leicht nachteiligen Deal auf lange Sicht positiv sein.
Auch der subjektive Nutzen des Geldes für das Privatleben kann ein Anreiz sein, einen Deal anzunehmen, insbesondere wenn man dadurch einen Traum wie den Kauf eines Autos oder einen Urlaub verwirklichen kann.
Zu guter Letzt erwähnte mein Co-Autor Dara, dass er bei Low-Stakes-Turnieren oft leicht nachteilige Deals akzeptiert, die er bei höheren Turnieren ablehnen würde. Dabei spielt der Zeitfaktor eine wichtige Rolle. Wenn das vorzeitige Beenden des Turniers ihm etwa eine erholsame Nacht Schlaf ermöglicht, würde er seinen Mitspielern bei Deals entgegenkommen, um sein Umfeld am nächsten Tag nicht mit schlechter Laune zu belasten.
Gründe, einen Deal abzulehnen

Ist man mit einem Deal zufrieden, sollte man ihn annehmen, auch wenn dieser auf dem Papier leicht nachteilig ist. Allerdings sollte sozialer Druck nie ein Grund sein, einen Deal anzunehmen. Dieses Phänomen tritt häufig bei lokalen Turnieren auf, bei denen sich die Spieler untereinander gut kennen. Manchmal fühlen sich Spieler hierbei genötigt, einem Deal zuzustimmen, um schlechte Stimmung zu vermeiden.
Um Dara zu zitieren: "Bist du hier um Geld zu gewinnen oder vor Fremden gut dazustehen?" Falls man nicht befürchten muss, dass die Mitspieler einem vor der Casinotür auflauern, sollte man nie einen nachteiligen Deal akzeptieren, nur um für gute Stimmung zu sorgen. Wenn man allerdings vorhat, regelmäßig gegen dieselben Spieler anzutreten, könnte es sich lohnen, ihnen bei Deals entgegenzukommen, damit auch sie sich zukünftig erkenntlich zeigen.
Um unangenehme Situationen zu vermieden, könnte man auch behaupten, dass einem im Rahmen eines Stakings untersagt ist, Deals abzuschließen, auch wenn es nicht ganz der Wahrheit entspricht. Auf diese Weise lässt sich unkompliziert weiterspielen, ohne dass man die ganze Meute gegen sich aufbringt.
Es ist keine Schande, einen Deal anzunehmen, selbst wenn dieser leicht nachteilig für einen ist. Die Möglichkeit, eine bedeutsame Summe zu sichern, kann einen enormen Mehrwert bieten. Wichtig dabei ist allerdings ein gutes Rüstzeug, um den Wert seiner Chips präzise ermitteln zu können (der kostenlose Simulator ICMIZER hilft ganz ausgezeichnet dabei). Letztendlich ist der einzig schlechte Deal derjenige, den man selbst nicht eingehen möchte.
Was war euer erfolgreichster Deal an einem Final Table? Wir freuen uns auf eure Kommentare!