Warum kleine Turniere besser für die Winrate sind
Dara O'Kearney vergleicht das Sunday Million mit dem SuperNova und zeigt auf, wie problematisch es sein kann, nur Turniere mit großen Teilnehmerzahlen zu spielen.

In meinem Buch "Endgame Poker Strategy: The ICM Book" rate ich den meisten Spielern, insbesondere denjenigen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, Turniere mit 100-200 Teilnehmern zu spielen anstelle von tausender Spieler. Das liegt vor allem daran, dass in kleineren Feldern die einzelnen Phasen des Turniers häufiger geübt werden können, besonders die kniffligen ICM-Spots. Kleinere Teilnehmerfelder reduzieren darüber hinaus signifikant die Varianz.
Sollte man unbegrenzt Zeit und Geduld haben, könnte man argumentieren, dass nur Turniere mit 10.000 Teilnehmern gespielt werden sollten, da hier die größte theoretische Gewinnerwartung liegt. Die besten Spieler der Welt haben wahrscheinlich einen ROI (Return on Investment) von etwa 400% im WSOP Main Event. In einem eher soften Live-Turnier mit 100 Teilnehmern würde der ROI ungefähr bei 100% liegen, in einem Feld mit 45 Spielern "nur noch" 40% und in einem SNG sogar nur bei 20%. Varianz und ROI stehen in einem proportionalen Verhältnis zueinander: Je größer das Feld, desto größer der ROI, aber auch die Varianz.
Je größer das Teilnehmerfeld des Turniers ist, desto häufiger muss das Turnier gespielt werden, damit der ROI realisiert werden kann. In meiner eigenen 14-jährigen Karriere hatte ich nie einen Downswing von mehr als 20.000 US-Dollar, aber für Pokerspieler, die sehr oft Turniere mit tausenden von Teilnehmern spielen, ist es normal, dass sie Jahre mit Verlusten haben. Bei Feldern von 100-300 Spielern benötigt man keine große Samplesize, um den ROI zu realisieren. Dies ist einer der Gründe, warum auch Super High Roller, bei denen in der Regel 30-50 Spieler teilnehmen, schlagbar sind, obwohl dort die besten Spieler der Welt teilnehmen. Hier wird nur eine Samplesize von knapp 500 MTTs benötigt, um den Return on Investment zu realisieren.
Ein Blick auf die Zahlen bestätigt die Theorie:
Die $109 Sunday Million von PokerStars ist zweifelsfrei eines der prestigeträchtigsten Online-Turniere. Nehmen wir an, dass jeden Sonntag 7.000 Teilnehmer mitspielen und man einen ROI von 25% in dem Turnier hat. Mit dem Turnier-Varianzrechner auf www.primedope.com kann man deutlich sehen, was passiert, wenn man die Sunday Million 10 Jahre lang jeden Sonntag spielen würde (520 Teilnahmen):

Das obige Diagramm zeigt 20 Beispiele aus 1.000 simulierten Teilnahmen. Es wird deutlich, dass es einen massiven Ausreißer gibt, bei dem fast $500.000 Gewinn erzielt werden – meistens steht aber ein Verlust zu Buche. Der Erwartungswert beträgt nur $14.170 mit einer Standardabweichung von $83.632. Bei einer Bankroll von $10.000 (100 Buy-ins) liegt das Risiko des Ruins bei 86,5% und die Verlustwahrscheinlichkeit bei 56,9%.
Im Vergleich dazu das €109 SuperNova. Bei diesem Turnier von Unibet nehmen an Sonntagen etwa 300 Spieler teil:

Es ist deutlich zu sehen, dass die 20 Stichproben allesamt näher beieinander liegen, aber mit einer deutlich niedrigeren Gewinnmöglichkeit. Der EV liegt bei $14.170 und die Standardabweichung bei $15.115. Das Risiko des Ruins liegt jetzt 15,10% und die Verlustwahrscheinlichkeit beträgt nur 17,3%.
Besser für die mentale Verfassung

Ein maximaler Gewinn bei der Sunday Million ist offensichtlich viel höher, aber in 56,9% der Zeit würde man über einen Zeitraum von zehn Jahren dabei Geld verlieren. Beim SuperNova-Turnier passiert das nur zu 15,10% der Zeit. Um einen ROI in einem massiven Turnier wie der Sunday Million oder dem WSOP Main Event zu realisieren, müsste man eine Samplesize im Bereich von zehntausenden, wenn nicht hunderttausenden von Turnieren spielen. Fürht man jedoch eine Simulation für 10.000 Turniere durch, würde das Risiko des Bankrotts auf 30% sinken und die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes geht auf 0 zurück. Das wird aber niemals passieren, denn man hat nicht ausreichend Zeit, um den ROI in einem solchen Turnier zu realisieren. Bei einem Turnier mit einem Teilnehmerfeld von 300, wie dem SuperNova, ist es jedoch leicht den Erwartungswert zu realisieren.
Spieler, die sich ausschließlich auf große Teilnehmerfelder konzentrieren, gehen oft bankrott und müssen deshalb häufig gestaket werden, um weiterspielen zu können. Dabei befinden sie sich oft über einen längeren Zeitraum im sogenannten "Makeup", bei dem sie ihre Verluste ausgleichen müssen. Alternativ benötigen sie eine sehr große Bankroll, um die Schwankungen abzufedern. Ich persönlich habe nie Staking benötigt, um spielen zu können, abgesehen vom Verkauf von Anteilen, da ich mich immer auf Formate mit geringerer Varianz konzentriert habe.
Turniere mit wenigen Teilnehmern sind sehr gut für die mentale Verfassung. Ich kenne sehr gute MTT-Grinder, die meistens Turniere mit großen Feldern spielen, die schlechte Jahre hatten, was für einen talentierten Spieler eine Qual sein muss. Bei Turnieren mit kleineren Teilnehmerfeldern ist es wahrscheinlicher, dass jedes Jahr Gewinne erzielt werden können, dass man nicht bankrott geht und keine externe finanzielle Unterstützung benötigt – definitiv Zutaten für einen gesegneten Schlaf.
Es ist durchaus sinnvoll, gelegentlich auch an Turnieren mit sehr großen Feldern teilzunehmen, denn das sogenannte "Shot Taking" ist eine legitime Bankroll-Strategie. Der Gewinn eines großen Turniers kann ein Sprungbrett sein, um in den Stakes aufzusteigen, denn es ist schwierig, sich nur durch kontinuierliches Grinden bis zu den High Rollern hochzuspielen. Ich nehme jetzt an MTTs mit tausenden Spielern teil, weil ich mich in einer Phase meiner Karriere befinde, in der ich über andere Einkommensquellen verfüge, wenn ich einen Downswing durchlebe. Für aufstrebende Spieler und solche, die lange im Spiel bleiben wollen, hält aber der Fokus auf kleinere Felder die Varianz in Schach und sorgt für ein motiviertes Gemüt!
Endgame Poker Strategy: The ICM Book von Dara O'Kearney