Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Welche Hände sollte man am River check/raisen?

Wenn es klappt, fühlt man sich wie Einstein, wenn nicht, wie der letzte Depp. Dara O'Kearney beseitigt das Fancy-Play-Syndrom aus euren Check/Raises am River.

Dara O Kearney
Dara O'Kearney 

Ein Check/Raise am River ist eins der kniffligeren Plays beim Poker. Das Nervenkostüm muss aus Stahl sein, wenn man das Check/Raise als Bluff setzt. Und wenn man für Value check/raisen will, der Gegner allerdings zurückcheckt, schaut man meist bedröppelt aus der Wäsche.

Dank des Aufstiegs von GTO-Solvern kennen wir mittlerweile aber die besten Hände, um am River zu check/raisen, egal ob nun als Bluff oder für Value.

Geht es um den letzteren Fall mit einer starken Hand, will man vor allem keine Blocker mit Blick auf die Betting-Range des Gegners halten. Will man mit dem Check/Raise bluffen, sollte man hingegen Hände halten, die am Showdown gewinnen würde, falls man ein Checkback kassiert, mit denen man jedoch bluffen kann, wenn es nicht dazukommt.

Betrachten wir dazu ein Beispiel:

Wir sind in einer Hand am River angekommen und das Board zeigt A A K 3 Q. Nachfolgend sehen wir eine Range, die uns out of position in diesem Spot verbleibt, mit der wir hin und wieder check/raisen. Sämtliche anderen Hände unserer Range sind entweder direkte Bets, Check/Calls oder Check/Folds.

Dara O Kearney

Die gelben Linien stehen für gelegentliche Check/Raises. Zugegen schwierig zu sehen, aber jede Hand mit einer Zahl höher als 0.0000 darunter ist ebenfalls ein Check/Raise. Darunter befinden sich zum Beispiel auch JJ/TT/QJs/Q8s/Q7s, die mit lediglich 0,36% jedoch einen sehr geringen Anteil unserer Range ausmachen. Value-Hände wären hingegen gute Ax-Kombos und JT für eine Straight.

Das Fancy-Play-Syndrom beheben

Dara O Kearney

JJ/QJs/Q8s/Q7s und TT sind Bluffs, da damit AQ und JT geblockt werden. Fast ebenso wichtig ist aber, dass wir mit diesen Händen wahrscheinlich vorne liegen, wenn der Gegner nicht setzt. Grundsätzlich ist es sehr schwierig, passende Hände für einen Bluff via Check/Raise zu finden, im Optimalfall nimmt man jedoch welche, die akzeptablen Showdown-Value haben, falls der Gegner nicht setzt, die aber auch über einen Blocker verfügen. Sodass TT zum Beispiel manchmal vorn liegen wird, wenn der Gegner behindcheckt, im Falle einer Bet des Gegners jedoch sehr viel Wert verliert. TT blockt jedoch AT und JT beim Gegner, wodurch es zu einem besseren Bluff als 99 wird, womit man praktisch keine sinnvolle gegnerisch Hand blockt.

Welche Value-Hände man mit in die Check/Raise-Range nehmen sollte, ist ebenfalls eine trickreiche Frage. JT wird im konkreten Fall ein Teil davon, weil damit Ax-Hände nicht geblockt werden, sodass eine Bet des Gegners in der Folge wahrscheinlicher wird. Ax-Hände auf unserer Seite eignen sich derweil weniger für ein Check/Raise für Value, da damit Ax beim Gegner geblockt wird. Entsprechend macht es mehr Sinn mit diesen Händen sofort zu betten, damit der Gegner nicht mit einer Hand zurückchecken kann, mit der er auch callen würde. Check/Raise-Valuehände sollten also grundsätzlich keine Valuehände beim Gegner blocken, ein paar Ax-Kombos sind jedoch dennoch Teil unserer Check/Raise-Valuerange, damit wir gebalancet und nicht exploitbar bleiben.

Ein Check/Raise am River wird häufig als reines Syndrom der Fancy-Play-Tendenz gesehen und man kann sicherlich grobe Fehler damit fabrizieren, wenn man zu häufig damit agiert. Es ist kein Play, das mit einer hohen Frequenz gespielt werden sollte, es sei denn man hat wirklich belastbare und aussagekräftige Reads auf den Gegner. In Partien mit niedrigeren Einsätzen ist die sofortige Bet auch häufig automatisch das bessere Play, weil der Gegner gezwungen wird zu callen, um weiterzuspielen. Im Zweifel ist der nicht exploitbare Ansatz bei Check/Raises am River simpel und leicht anzuwenden, egal ob man nun GTO-Poker oder mit Fokus auf Exploits spiel.t

Weitere strategische Einblicke von Dara O'Kearney findet ihr jederzeit auch in seinem neuesten Buch Endgame Poker Strategy: The ICM Book.