Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Die beste Strategie für Mystery Bountys

Bei Mystery Bountys können Kopfgelder winzig oder schwindelerregend ausfallen. Doch wie passt man sein Spiel einem Format an, bei dem erst im Nachgang klar ist, wie hoch das Kopfgeld war?





gg
Mystery Bounty bei GGPoker

Mystery-Bounty-Turniere haben beim Live-Poker schon seit geraumer Zeit Hochkonjunktur. Inzwischen etabliert sich das einzigartige Turnierformat auch immer mehr beim Online-Poker und wird bereits von einigen Plattformen regelmäßig angeboten

Mystery Bountys verlaufen zunächst wie ein reguläres Freezeout-Turnier, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die mysteriösen "Umschläge" ins Spiel kommen. Das geschieht beim Erreichen eines bestimmten Blindlevels oder am zweiten Turniertag. Jeder verbliebene Spieler erhält nun einen Umschlag mit einem unbekannten Kopfgeld. Die meisten Umschläge enthalten vergleichsweise geringe Preise, während einige wenige jedoch einen so hohen Wert besitzen, der sogar das Preisgeld für den Turniersieg übersteigen kann.

Hier ein Beispiel: Am zweiten Turniertag eines Mystery-Bounty-Turniers mit 70 verbleibenden Spielern könnten sich 45 Kopfgelder im Wert von $500, 15 Kopfgelder im Wert von $1.000, fünf Kopfgelder im Wert von $2.000, drei Kopfgelder im Wert von $5.000 und zwei Kopfgelder im Wert von $20.000 in den Umschlägen verbergen 

Während des Turniers ist keinem Spieler bewusst, wie viel das Kopfgeld eines anderen Spielers wert ist. Erst wenn ein Spieler eliminiert wird, kann der Gewinner des Pots den Umschlag öffnen. Bei Live-Turnieren hingegen öffnen die Spieler die gesammelten Umschläge erst nach ihrem eigenen Ausscheiden.

Die strategische Betrachtungsweise von Mystery-Bounty-Turnieren sieht vor, jedem Kopfgeld den durchschnittlichen Wert der noch verbleibenden Kopfgelder zuzuweisen. In dem obigen Beispiel beträgt das durchschnittliche Kopfgeld $1.464. Solange die größten Kopfgelder noch im Spiel sind, verbleibt der durchschnittliche Preis in dieser Größenordnung. 

Die Chip-Konversionsmethode

pko
Mystery-Bounty-Turniere erfreuen sich beim Live-Poker größter Beliebtheit

In unserem Buch PKO Poker Strategy habe ich zusammen mit Dara O'Kearney eine Formel entwickelt, um die benötigten Odds in Abhängigkeit von der Höhe des Kopfgeldes zu errechnen. Wir haben uns dabei gegen die sogenannte 'Chip-Konversionsmethode' entschieden, da variable Kopfgelder bei PKOs damit nicht hinreichend genau berücksichtigt werden. Allerdings liefert diese Methode bei Mystery Bountys deutlich bessere Ergebnisse.

Bei der Chip-Konversionsmethode wird der Wert des Kopfgelds so betrachtet, als wären zusätzliche Chips im Pot. Entspricht das anfängliche Kopfgeld einem Drittel des Buy-ins und somit auch einem Drittel des Startstacks, verhalten wir uns so, als lägen diese Chips als Dead Money im Pot. 

Angenommen, in unserem oben genannten Beispiel beträgt das Buy-in $3.000, wofür man einen Startstack von 10.000 Chips erhält. Das durchschnittliche Kopfgeld beträgt derzeit $1.464, was 48,8% des Buy-ins entspricht. Somit hat ein Kopfgeld einen Wert von 4.880 Chips. Sobald ein Kopfgeld auf dem Spiel steht, fügt man bei der Handanalyse nun diese 4.880 Chips dem Pot hinzu. Diese toten Chips verändern die Odds auf ganz ähnliche Weise wie Antes.

Sobald das größte Kopfgeld in Höhe von $20.000 gewonnen wurde und noch 69 Spieler übrig sind, verringert sich das durchschnittliche Kopfgeld auf $1.195, was 3.980 Chips entspricht. 

Je weiter das Turnier fortschreitet, desto geringer wird der Einfluss der Kopfgelder. Dies geschieht sowohl, weil diese zusätzlichen Chips einen geringeren Prozentsatz des Gesamtpots ausmachen, als auch weil die Auszahlungsstruktur des Turniers an Bedeutung gewinnt. 

Die Strategie am ersten Tag

gg
Spielt sich der erste Tag wie ein gewöhnliches MTT?

Am ersten Turniertag sind noch keine Kopfgelder im Umlauf, denn die frühzeitig eliminierten Spieler ermöglichen erst, dass im späteren Spielverlauf einige enorme Kopfgelder ausgezahlt werden können. Bei eintägigen Turnieren könnten die Umschläge beispielsweise erst nach der späten Registrierung oder nach einem bestimmten Blindlevel eingeführt werden.

Spielt sich der erste Tag also wie ein gewöhnliches Freezeout? Nicht ganz. 

Es ist äußerst vorteilhaft, den ersten Tag mit einem überdurchschnittlichen Stack zu beenden, um nach Einführung der Umschläge möglichste viele Gegner zu covern. Mein Co-Autor Dara brachte es in einem PokerStars-Blog treffend auf den Punkt:

"Gegen Ende des ersten Turniertags tritt ein ICM-Effekt ähnlich wie bei Satellites auf. Es wäre verheerend, in dieser Phase einen großen Stack aufs Spiel zu setzen und somit das Potenzial auf Kopfgelder am zweiten Tag zu verlieren. Zu Beginn des ersten Turniertags bietet es sich an, etwas aggressiver zu spielen, um am Ende des Tages möglichst viele Chips einzutüten. Der erste Tag kann als erste Phase eines Turniers betrachtet werden, das am zweiten Tag als KO-Turnier fortgesetzt wird.

Falls der eigene Chipstack am ersten Tag schrumpft, könnte es sich lohnen, gegen Ende des Tages das Glück etwas herauszufordern."

Der wohl größte Fehler, den ein Spieler in einem Mystery Bounty-Turnier machen könnte, besteht darin, den Wert der Kopfgelder zu überschätzen, insbesondere wenn noch viele Spieler im Rennen sind und die wertvollsten Umschläge noch im Spiel sind. Aus diesem Grund ist dieses Turnierformat wahrscheinlich auch so rentabel, da Spieler in der frühen Phasen oft viel zu viel riskieren, in der Hoffnung, eine lebensverändernde Summe zu gewinnen. 

Was haltet ihr von Mystery Bountys? Wir freuen uns über eure Kommentare!