Wie kann der Main-Event-Rekord gebrochen werden?
Auch in diesem Jahr hat es nicht ganz geklappt, aber Barry Carter hat ein paar Ideen auf Lager, wie bereits 2023 der Main-Event-Rekord endlich geknackt werden kann...

Das diesjährige WSOP Main Event ist das zweitgrößte der Geschichte und lediglich 110 Spieler haben gefehlt, um endlich den Teilnehmerrekord aus dem Jahr 2006 zu übertreffen. Darüber kann man sich nicht beschweren, auch ohne neuen Rekord befindet sich Poker offensichtlich auf dem Weg nach oben.
Dennoch war der eine oder andere überrascht, dass es nicht ganz geklappt hat, weil die Voraussetzungen denkbar gut waren, dass es in diesem Jahr zum größten Main Event aller Zeiten kommen kann. So drehten sich vor rund zwei Wochen die Diskussionen auch nur noch eher darum, ob wir mehr oder weniger als 10.000 Teilnehmer sehen würden.
Am Ende waren es aber "nur" 8663 Spieler und die aktuell unruhigen Zeiten mit Rekordinflation, Energiekrise, dem Krieg in der Ukraine und COVID dürften ihren Einfluss gehabt haben. Wäre auch nur einer dieser Faktoren ausgeblieben, hätten wir meiner Meinung nach sicher auch die letzten 110 Spieler geschafft und einen neuen Rekord erlebt. Die WSOP hatte über diese Faktoren natürlich aber keinerlei Kontrolle, was könnte der Veranstalter also tun, dass es beim nächsten Mal klappt?
Überschneidungen vermeiden

Es gab einige Beschwerden über die Länge der Warteschlangen bei der Turnieranmeldung in diesem Jahr. Ich glaube zwar nicht, dass das viele Spieler von der Teilnahme am Main Event abgehalten hat, aber dennoch sollte man als Veranstalter allzu lange Wartezeiten unbedingt vermeiden. Wer $10.000 hat, um ein Pokerturnier zu spielen, wird zwar ein bisschen Anstehen verkraften, trotzdem muss die WSOP gewährleisten, dass sich so wenig logistische Probleme wie möglich ergeben, um das Erlebnis für alle so positiv wie möglich zu gestalten und potenzielle Teilnehmerzahlen voll ausschöpfen zu können.
Ich habe aber den Verdacht, dass die parallele Ausrichtung des $1.000 Mystery Bounty, während das WSOP Main Event gestartet wurde, einen negativen Einfluss auf die Spielerzahlen hatte. Für viele war das Mystery Bounty mit der Aussicht auf das Kopfgeld von $1 Million eins der attraktivsten Turniere der diesjährigen WSOP und so kamen dort auch 14.000 Entrys zusammen, während zeitgleich auch das Main Event eingeläutet wurde.
Ich kann mir vorstellen, dass viele Hobbyspieler ihren WSOP-Durst mit dem Mystery Bounty gestillt und das Main Event in der Folge ausgelassen haben. Anstatt es mit erschwinglicheren Satellites zu versuchen, um das Main Event zu erreichen, haben sie das niedrige Buy-in für das Mystery Bounty genutzt, um direkt auf ihre Kosten zu kommen, was einen möglichen Millionengewinn bei der WSOP betrifft.
2018 kam es bei PokerStars zu einem erheblichen Overlay bei einer Jubiläumsausgabe der Sunday Million, was man in der Nachanalyse der parallelen Ausrichtung eines $11 Sunday Storm mit Millionengarantie zuschrieb. Das Turnier mit niedrigem Buy-in hat vielen Lowstakes-Spielern an besagtem Tag genügt, sodass sie gar nicht erst versucht haben, sich per Satellite in die Sunday Million zu spielen.
Mehr Fokus auf die Satellites

Das führt mich zu meinem finalen Vorschlag, dass man die Präsenz von Satellites für das Main Event erhöhen sollte, sowohl online als auch live. Schon ein paar Mega-Satellites anstelle des Mystery Bounty hätten dazu geführt, dass deutlich mehr Spieler ihren Weg in das Main Event gefunden hätten. Man kann das Mystery Bounty immer noch mit Nähe zum Main Event ausrichten, allerdings zumindest ein paar Tage vorher, dass sich keine erhebliche Überschneidung ergibt.
Dass man das gesamte letzte Jahrzehnt über durchweg nur auf einen einzigen Online-Partner für die Satellite-Qualifikation gesetzt hat, wird der WSOP Main Event in Sachen Teilnehmerzahlen ebenfalls nicht geholfen haben. Es wäre an der Zeit, dass die WSOP wieder einen Dialog öffnet mit einer bunten Mischung an Anbietern, sodass die Qualifikation auch bei PokerStars, partypoker, Winamax etc. möglich ist. Je mehr Satellite-Qualifikanten im Main Event Platz nehmen, umso größer fällt auch die Chance aus, dass wir abermals eine Moneymaker-Story erleben und auch die WSOP von derartigem Marketing erheblich profitieren könnte.
Davon abgesehen hat man es auch verpasst, zumindest ein paar der Preise beim Mystery Bounty in Main-Event-Seats zu verwandeln. Dadurch wären zwar nur einige mehr Spieler im größten Turnier des Jahres gelandet, aber in Sachen Marketing hätte auch diese Handhabe einen positiven Effekt erzielt.
Muss der Rekord zwangsläufig gebrochen werden? Natürlich nicht. Vielleicht ist es für die WSOP sogar insgesamt besser, wenn man den Fokus auf erschwinglichere Turniere wie eben das Mystery Bounty setzt. Wenn das Ziel aber ist, dass größte Main Event aller Zeiten auf die Beine zu stellen, dann gilt es klar, dass unnötige Überschneidungen vermieden und das Angebot von Satellites verbessert wird.