Review: Was bietet das neue Pairrd ICM?
Unser Redakteur Barry Carter behauptet, er sei mittlerweile ein Experte in Sachen ICM. Folglich hat er sich auch das neue ICM-Tool von Raise Your Edge genauer angesehen...
Im vergangenen Jahr habe ich bereits Pairrd von Raise Your Edge reviewt – ein interaktives Lerntool von bencb und seinem Team, mit dem man unzählige Spots üben kann, die einem in einem Turnier begegnen können.
In diesem Monat stand nun der Soft-Launch von Pairrd ICM an, dem ich schon eine ganze Weile entgegengefiebert hatte. Wie manch einer weiß, habe ich im vergangenen Jahr erst ein Buch zum Thema ICM veröffentlicht und auch in den zwei vorherigen Büchern zu Satellites und PKO-Turnieren stand das Independent Chip Model deutlich im Fokus.
Seit mehr als drei Jahren habe ich mich also intensiv mit dem Modell befasst, sodass jedes Produkt, das die Bedeutung des ICM in den Vordergrund rückt, natürlich automatisch bei mir auf positiven Anklang trifft, weil ich selbst vom hohen Stellenwert des Modells für ambitionierte Spieler überzeugt bin. Dennoch werde ich natürlich unvoreingenommen einen Blick auf das Tool werfen und meine Expertise einfließen lassen.
All das klargestellt, was also halte ich persönlich von Pairrd ICM?
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Die Evolution von Pairrd

Das Format bleibt dasselbe wie beim ursprünglichen Pairrd. Es handelt sich um ein Übungstool mit einer Datenbank an Quizfragen und Ranges, die es zu verinnerlichen gilt, nachdem sie einem immer wieder an den Tischen begegnen. So kann man auch das motorische Gedächtnis trainieren, ohne dass man tatsächlich Geld an den Tischen einsetzt.
Der Unterschied ist jedoch, dass in diesem Fall ICM-Ranges gefragt sind, deren Relevanz in Turnieren deutlich früher zutage tritt, als viele Spieler tatsächlich ahnen. In jedem Spot, der bei Pairrd ICM präsentiert wird, kann man eben jene ICM-Range mit der ChipEV-Range vergleichen, sodass man sich die strategischen Unterschiede unmittelbar bewusst machen und sich ein generelles Verständnis für den Einfluss von ICM in Turnieren aneignen kann.
Darüber hinaus gibt es auch eine private Discord-Gruppe, der man sich bei Pairrd ICM anschließen kann, was ich als großer Fan von aktiver Lernarbeit nur mit einem großen Pluspunkt versehen kann. Das Tool befindet sich aktuell aber noch in der Beta und lediglich 100 Teilnehmer sind für den Test vorgesehen, unter Umständen kann man also noch nicht unmittelbar von Pairrd ICM und der Lerngruppe profitieren. Dennoch nimmt sich bencb aktuell tagtäglich die Zeit, um jede Frage in der Discord-Gruppe zu beantworten, was wohl allein schon die Kosten für das Tool aufwiegt.
Da es sich um eine Beta handelt, waren die ersten Tage von etwas schwieriger Navigation innerhalb des Tools geprägt, die Entwicklung scheint jedoch rasant voranzuschreiten, nachdem ein paar Bugfixes die Probleme schon nach einer Woche beseitig hatten. Ich zweifle nicht daran, dass die Nutzererfahrung komplett reibungslos verlaufen wird, sobald Pairrd ICM für den breiten Markt veröffentlicht wurde.
Ein Problem, das ich persönlich aber feststellen konnte, ist das die Antwort auf einige der Quizfragen manchmal sehr offensichtlich ist. Die meisten Spieler wissen, dass man 72o gegen einen Shove an der Bubble folden sollte, entsprechend hoffe ich, dass die in Frage stehenden Spots bei der tatsächlichen Veröffentlichung auf wirklich knappe Händen im Grenzbereich beschränkt werden, anstatt dass auch völlig eindeutige Calls und Folds abgefragt werden.
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Das ICM nimmt zu jeder Zeit in einem Turnier Einfluss auf das Geschehen

Die wesentliche Lektion von Pairrd ICM ist, dass das Modell schon aber der ersten Entscheidung in einem Turnier seinen Einfluss auf die eigene Range hat. Wer zu Beginn von Turnieren einfach nur stur seiner ChipEV-Range folgt, könnte bei entsprechend knappen Spots bereits herbe Fehler begehen.
Keiner der abgefragten Spots bei Pairrd ICM beinhaltet aktuell Situationen am Final Table, tatsächlich werden die meisten eher in deutlich früheren Turnierphasen abgefragt. Viele der Quizfragen drehen sich um Situationen an der Bubble und einige auch um die sehr frühe Turnierphase, bei der noch die Hälfte des Teilnehmerfelds im Turnier verbleibt.
Ich kann verstehen, warum man diese Ausrichtung gewählt hat, vermute allerdings auch, dass der eine oder andere Nutzer erwartet, dass bei Pairrd ICM auch Final-Table-Spots trainiert werden können. Es gibt jedoch bereits eine recht große Auswahl an Tools und Ressourcen zum Trainieren von Finaltischen und bisher kaum etwas, was das ICM in früheren Turnierphasen abdeckt. In diesem Sinne schließt Pairrd ICM also Lücke im Markt und da die meisten Spieler gerade auch in der frühen Phase ICM-Fehler begehen, ist die Idee hinter dem Übungstool und der damit möglichen Edge sehr klar.
Unerschlossene Bereiche beim Turnierpoker
Wer bisher noch keinerlei Erfahrungen mit dem ICM hat, dem empfehle ich zuvor eher die Arbeit mit den etablierten Pokertools und Strategiehilfen, was das Spiel in Turnieren betrifft. Meiner Meinung nach ist ein Basiswissen in dieser Form notwendig, bevor man wirklich den Mehrwert von Pairrd ICM erkennt und auch nutzen kann.
Der Vergleich von ChipEV-Ranges mit ICM-Ranges ist jedoch eine sehr hilfreiche Methodik, um ein erstklassiges Verständnis für den Einfluss des ICM in Turnieren zu entwickeln, entsprechend haben wir derartige Vergleiche auch in den letzten drei Büchern immer wieder aufs Neue vorgenommen. Es geht nicht nur darum, dass die eigene Range aufgrund des ICM tighter wird. Stattdessen verändert sich auch die Art der Hände, mit denen man im Vergleich zu ChipEV-Spots agiert.
Pairrd ICM deckt aktuell derweil nicht den Einfluss des ICM in Postflop-Spots ab, was nach wie vor ein unerschlossener Bereich beim Turnierpoker ist. Im Buch Endgame Poker Strategy haben wir das Thema angeschnitten und auch beim PIOSolver liegt mittlerweile ein gewisses ICM-Bewusstsein vor, wer jedoch spezifisch auf der Suche nach Postflop-ICM in Turnieren ist, der muss sich auch mit Pairrd ICM weiter gedulden.
Ich bin voreingenommen, aber die meisten Spieler, selbst sehr gute, sind sich nach wie vor nicht bewusst, wie viel Bedeutung das ICM eigentlich in jeder Turnierphase hat. Pairrd ICM deckt einen wesentlichen Bereich beim Turnierpoker ab, der bisher noch unerschlossen war. Wer mit ICM noch gar nichts anfangen kann, sollte vorab in den Einfluss des Modells an Finaltischen abtauchen, wo das ICM am deutlichsten auf den theoretischen Profit einwirkt. Ist das jedoch abgedeckt und man weiß die finale Turnierphase zu navigieren, dann bietet Pairrd ICM für erfahrene Spieler eine neue Option, um sich weitere Edge an den Turniertischen zu verschaffen.