Die Adelstein-Story erreicht die Mainstream-Medien
In einem Jahr, in dem Betrugsvorwürfe gegen einige der besten Highstakes-Pros aufkamen, wird die größte Story des Jahres vermutlich eine schlecht gespielte Hand einer Frau.

Der bizarre Call von Robbi Jade Lew, der Garrett Adelstein im Live-Stream des Hustler Casinos zur Salzsäule erstarren ließ, hat die Pokerwelt die letzten Tage dominiert und mittlerweile auch die Mainstream-Medien erreicht.
So landete die Story gestern Morgen auf der Startseite der BBC News und verbreitete sich rasant auch in den sozialen Medien abseits von Pokerfans und -spielern.
Mittlerweile gibt es so viel zu berichten über den Vorfall, dass man es kaum in einem einzelnen News-Artikel verpacken kann. Daher wollen wir einen kurzen Überblick zu den weiteren Entwicklungen liefern, nachdem die Story derart hohe Wellen geschlagen hat.
Offizielle und inoffizielle Untersuchung
Joe Ingram hat das Wochenende einmal mehr mit unfassbar langen Live-Streams verbracht, in denen er die Story investigativ beleuchtete und mehrere Gäste aus der fraglichen Runde im Hustler Casino zu Wort kommen ließ. Doug Polk war ebenfalls nicht untätig und hat seine Videos zur Untersuchung des Vorfalls eingestreut, während das Team von Solve4Why mittlerweile eine Analyse der von Lew gespielten Hände im Stream gestartet hat, um mögliche Auffälligkeiten aufzudecken oder auszuschließen.
Die Verantwortlichen des Hustler Casino haben derweil bekannt gegeben, dass man eine Anwaltskanzlei als Drittpartei engagiert hat für eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe gegenüber Lew und der Sicherheitsvorkehrungen im Casino. Zudem soll sogar ein Lügendetektor bei der Befragung von Mitarbeitern und Spielern eingesetzt werden.
An update pic.twitter.com/uxLb6pbi7D
— Hustler Casino Live (@HCLPokerShow) October 2, 2022
Fast jeder hat in der Pokerszene mittlerweile seine Meinung zum Vorfall geäußert und man scheint tatsächlich gespalten, ob nun zur fraglichen Hand an sich oder wenn es um die Frage geht, ob Garrett Adelstein das eigentlich verlorene Geld, das er von Lew hinter den Kulissen nach dem Call zurückbekam, wiederum ihr zurückgeben sollte.
Adelstein hat sich nach seinem ursprünglichen Vorwurf größtenteils schmallippig gegeben, während Lew äußerst aktiv in den sozialen Medien und bei Joe Ingram Stellung zum Vorfall bezogen hat. Dabei sprang kurioserweise auch eine Herausforderung gegenüber Adelstein zu einem Heads-up heraus – offenbar das Mittel der Wahl, wenn sich zwei Pokerspieler an den Tischen in die Haare kriegen.
Aber jeglicher Spaß außen vor: Es gibt nach wie vor keinerlei belastbaren Beweise, ob und wie genau überhaupt Lew betrogen haben soll oder wer als eventueller Komplize in Frage käme. Stattdessen sprechen wir nach wie vor über eine einzelne Hand, bei der Lew das All-in von Adelstein als Underdog callte und mit Glück doch den Pot gewann. Davon abgesehen gab es zuvor keinerlei Hände von ihr, die in der Partie verdächtig erschienen, stattdessen war sie bei einigen Calls sogar mehrmals bereits drawing-dead.
Der Call mag uns alle erstaunen. Der Aufruhr um eine schlichtweg sehr schlecht gespielte Hand, die am Ende belohnt wurde, ist aber umso erstaunlicher.