Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Weniger Tische oder niedrigere Stakes im Downswing?

Einmal mehr überprüfen wir konventionelle Annahmen zu Downswings und überprüfen, ob man weniger Tische oder geringere Einsätze spielen sollte, wenn es nicht gut läuft...





Vor wenigen Wochen gab es bereits einen Artikel von mir zur Reduzierung von Varianz, in dem ich festhielt, dass es besser sei, am eigenen Spiel zu feilen, anstatt das Volumen zu erhöhen, um einen Downswing zu vermeiden. Für diesen Artikel wurde der kostenlose, aber hervorragende Varianzrechner von Prime Dope verwendet.

Es ist ein sehr nützliches Instrument, um konventionellen Weisheiten über die Varianz beim Poker zu hinterfragen. Diese Woche liegt der Fokus auf zwei Ratschlägen, die man sehr häufig hört, um die Varianz zu verringern. Diese besagen, dass man in schlechten Zeiten, entweder die Einsätze oder die Anzahl der Tische reduzieren sollte.

Auf den ersten Blick ergibt beides Sinn. Eine Verringerung der Einsätze hält zum einen weitere Verluste in Grenzen, zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen größer. Dieser Ansatz ähnelt dem Ratschlag aus dem vorherigen Artikel, dass man an seinem Spiel arbeiten und sich verbessern sollte. Ebenso bedeutet eine Reduzierung der Tische, dass man mehr Zeit hat, sich über Entscheidungen Gedanken zu machen – was ebenfalls die Winrate erhöht.

Nehmen wir als Beispiel einen NL100-Grinder, der an vier Tischen gleichzeitig spielt und eine Winrate von 3BB auf 100 Hände an jedem Tisch hat. Es werden 200 Hände pro Stunde (50 an jedem Tisch), drei Stunden pro Session und fünf Tage die Woche gespielt.

In der Grafik werden 20 mögliche Szenarien eines Jahres dargestellt:

Poker
Zum Vergrößern klicken

Im bestmöglichen Szenario endet das Jahr mit einem Gewinn von $17.861, im schlechtesten Fall mit einem Verlust von $9.756. Im Durchschnitt liegt der Profit bei $4.661, aber es besteht eine Wahrscheinlichkeit von 12%, dass das Jahr in den roten Zahlen endet. Um nicht broke zu gehen, wird eine Bankroll von $5.000 benötigt.

Weniger Tische spielen

Was passiert, wenn anstatt von vier Tischen nur drei gespielt werden? Das Volumen sinkt auf 150 Hände pro Stunde. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass dadurch die Winrate von 3BB auf 100 Hände pro Tisch auf 4,5BB ansteigt. Für jede Entscheidung steht mehr Zeit zur Verfügung, was die Qualität deutlich verbessert.

Poker
Zum Vergrößern klicken

Hier liegt der jährliche Gewinn im bestmöglichen Fall bei $15.366 und ist damit um mehr als $2.000 niedriger als im vorherigen Beispiel. Im "Worstcase-Szenario" steht allerdings auch nur ein Minus von $5.535 zu Buche, was signifikant weniger ist als im Modell mit vier Tischen. Der durchschnittliche Profit liegt bei $4.491und ist vergleichbar mit dem ersten Beispiel, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit auf 6% gesunken, ein Jahr mit Verlust zu haben. Um einen Totalverlust zu vermeiden, wird eine Bankroll von $3.400 benötigt.

In diesem Experiment scheint es die beste Option zu sein, die Anzahl der Tische zu reduzieren. Da pro Entscheidung mehr Zeit zur Verfügung steht, ist der durchschnittliche Gewinn ähnlich, allerdings ist das Risiko broke zu gehen, signifikant geringer.

Die Einsätze reduzieren

Was passiert, wenn anstatt der Anzahl der Tische die Einsätze reduziert werden? Es werden also immer noch vier Tische und 200 Hände pro Stunde gespielt, allerdings auf NL50 – die erwartete Winrate liegt hier bei 8BB auf 100 Händen.

Poker
Zum Vergrößern klicken

Im besten Fall liegt der Gewinn bei über 23.000 Big Blinds, was in etwa $11.891 entspricht. Bemerkenswert ist, dass der jährliche Verlust im schlechtesten Falle nur $184 beträgt. Der durchschnittliche Profit liegt bei $6.215 und ist damit höher als auf NL100. Auch die Wahrscheinlichkeit, ein negatives Jahr zu haben, sinkt auf 0,08%, was zur Folge hat, dass nur eine Bankroll in Höhe von $936 benötigt wird, um einen Totalverlust zu vermeiden.

Es ist ziemlich überraschend, aber es scheint, dass eine Reduzierung der Einsätze deutlich effektiver ist, als die Anzahl der Tische zu reduzieren. Die Wahrscheinlichkeit, broke zu gehen, ist gleich null und die Winrate ist im Vergleich zum nächsthöheren Limit deutlich besser. Es ergibt daher Sinn, sich Limits zu suchen, auf denen man deutlich gewinnt und dann so viel Zeit wie möglich zu investieren. Immer höhere Stakes nur zu spielen, weil die Bankroll es gestattet, kann der falsche Weg sein.

Das große "Aber" ist, dass einige spekulative Annahmen darüber getroffen wurden, wie sich die Winrate verändert, wenn die Einsätze gesenkt werden und/oder die Anzahl der Tische reduziert wird. Es könnte sein, dass eine Verringerung von NL5 auf NL2 keine große Veränderung in Bezug auf die Gewinnerwartung darstellt, aber ein Abstieg von NL200 auf NL100 ist erheblich. Es ist daher sinnvoll, mit PrimeDope zu experimentieren und Schlussfolgerungen für die eigene Situation zu ziehen.

Reduziert ihr die Tische oder die Einsätze während eines Downswings? Wir freuen uns auf eure Kommentare!