Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Crashkurse für den Final Table

Dara O'Kearney gewährt exklusive Einblicke in seine Last-Minute-Coachings, die Spitzenspielern dabei helfen, sich optimal auf die wichtigsten Final Tables ihrer Karriere vorzubereiten.





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Dara O'Kearney

Zu den häufigsten Anfragen, die mich erreichen, gehört ein ICM-Crashkurs für Final Tables. 

Viele Spitzenspieler bitten mich, im wahrsten Sinne des Wortes, erst auf den letzten Drücker darum.

Oft ist es so: Ein Spieler erreicht den Final Table eines großen Events – sei es bei der WSOP, WPT oder WCOOP – und merkt plötzlich, dass er auf die ICM-Dynamiken eines solchen Finaltisches nicht ausreichend vorbereitet ist. In den 12 Stunden zwischen dem Erreichen des Final Tables und dem Start werde ich dann ins Boot geholt, um in einer einzigen Stunde die wichtigsten Lektionen zu vermitteln.

Die meisten Spieler, die mich in solchen Situationen kontaktieren, haben zwar ein solides Grundverständnis von ICM (ohne würden sie kaum so weit kommen), doch ihnen fehlen die spezifischen Strategien, die in ihrer aktuellen Lage entscheidend sind.

Manche sitzen auf einem riesigen Stack und wissen nicht, wie aggressiv sie spielen können, ohne über die Stränge zu schlagen. Andere haben nur einen kleinen Stack und sind unsicher, wie sie sich zurück ins Spiel kämpfen können.

In den meisten Fällen stehen die Spieler jedoch mit einem mittleren Stack vor der Herausforderung, die Balance zwischen dem Laddern und dem Spiel auf Sieg abzuwägen.

Letztlich suchen sie nach einer präzisen Einschätzung ihrer individuellen Risikoprämie.

Die Riskoprämie

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Risikoprämien und Bubble-Faktoren

Die Risikoprämie beschreibt in diesem Zusammenhang den ICM-Druck. Moderne Solver verfügen in der Regel über die Möglichkeit, diese unverzichtbare Kenngröße miteinzubeziehen.

Im Kern beschreibt die Risikoprämie, wie viel zusätzliche Equity benötigt wird, um ein All-In in einer ICM-Situation zu callen. Während in einem reinen ChipEV-Szenario beispielsweise 50% Equity genügen, erhöht sich dieser Wert bei einer Risikoprämie von 7% auf 57%. 

Nachdem ich mich über Jahre mit ICM-Szenarien befasst habe, ist mir eines klar geworden: Die Risikoprämie ist der Dreh- und Angelpunkt jeder Finaltisch-Strategie. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Chipstacks, die Auszahlungsstruktur oder die Turnierphase die Entscheidungen bestimmen – doch sobald man das Konzept der Risikoprämie verinnerlicht hat, versteht man erst, wie man wirklich spielen sollte.

Der Einfluss der Risikoprämie auf Postflop-ICM-Szenarien:

  • Haben beide Spieler eine hohe Risikoprämie, wird das Spiel vorsichtig und zurückhaltend.
  • Haben beide Spieler eine niedrige Risikoprämie, nähert sich die Strategie dem klassischen ChipEV-Ansatz an.
  • Ist die Risikoprämie bei einem Spieler hoch und beim anderen niedrig, kann der Spieler mit niedriger Risikoprämie aggressiv attackieren, während dem anderen Spieler die Hände gebunden sind.

Wer sich ernsthaft mit ICM auseinandersetzen möchte, sollte sich intensiv mit dem Konzept der Risikoprämie befassen. Es lohnt sich, die zugrunde liegenden Einflussfaktoren wie Stackgrößen und Auszahlungsstrukturen zu variieren, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie sich die Risikoprämie in verschiedenen Situationen verändert.

Würden mehr Spieler diesen entscheidenden Faktor verstehen, stünden bei mir vermutlich deutlich seltener nächtliche ICM-Crashkurse um 3 Uhr morgens auf dem Programm.

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