Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Basic Strategy Guide für PartyPokers Double Hold’em

Mit dem gestrigen Software-Update hat PartyPoker die Spielvariante Double Hold'em vorgestellt. Dabei erhaltet ihr statt der in Texas Hold'em üblichen zwei Holecards derer drei und müsst damit zwei Hände bilden, die ihr gleichzeitig spielt.

Selecting the point card
Graham 'ribbo' Ribchester

Unser Pokerexperte Graham 'ribbo' Ribchester hat sich eingehend mit dem Spiel beschäftigt und präsentiert euch mit dem heutigen Tage den ersten Basic Strategy Guide für PartyPokers neueste Poker-Variante Double Hold'em. 

Einführung

Werden wir Zeuge des nächsten großen Trends im Poker? Double Hold'em verfügt auf jeden Fall über das Potential, in den nächsten Monaten zu wachsen und erinnert vom Aufbau her an das von Paradise Poker vor einigen Jahren vorgestellte Spiel Pineapple. Damals gab es anfangs einen regelrechten Rush auf das Spiel, aufgrund der gesteigerten Schwierigkeit und dem Mangel an Lehrmaterialien gaben jedoch viele Pokerspieler diese Variante wieder auf und wandten sich wieder Hold'em zu.

Double Hold’em spielt sich in der Tat ähnlich wie Pineapple. Zumindest in den nächsten Monaten wird die Möglichkeit bestehen, damit solides Geld zu verdienen, da es als Cashgame-Variante ähnlich viel Action generiert wie Pot Limit Omaha.

Weitere Informationen über die Spielregeln von Double Hold'em erhaltet ihr in unserem News-Artikel zum Thema  oder in unserem Forum-Thread. Klickt dazu einfach auf einen der folgenden Links:

PartyPoker stellt Double Hold'em vor
 Diskussionsthema zu PartyPokers Double Hold'em im Forum

Wähle deine Point-Card sorgfältig aus

Das Allerwichtigste ist, stets aufmerksam zu sein! Bevor ihr euch zum Spielen an die Echtgeldtische wagt, solltet ihr mit dem Wählen der Point-Card am Flop vertraut sein. Daher haben wir eine Faustformel aufgestellt. Natürlich kann es auch gelegentliche Abweichungen davon geben, aber im Allgemeinen könnt ihr damit nichts verkehrt machen:

  • Wenn ihr ein Pocket Pair, wie zum Beispiel AA7, gedealt bekommt, solltet ihr eines der Asse als Point Card wählen. Auf diese Art haltet ihr AA und A7. Wenn ihr die 7 als Point Card wählt, haltet ihr hingegen zweimal A7, was euch nicht wirklich weiterbringt.
  • Wenn ihr ein Pocket Pair mit einer Beikarte eines der Suits des Pocket Pairs gedealt bekommt, dann wählt die Karte des Pocket Pairs als eure Point Card, die denselben Suit aufweist. Sprich, bei AhAs7h erhaltet ihr Ah7h und AhAs als eure beiden Hände. Wir wollen auf jeden Fall As7h als Hand vermeiden.
  • Ihr erhaltet 8h7s6c gedealt und auf dem Flop erscheinen Kh5s4h, dann sollte eine unserer Hände 7s6c sein, da sie 7 Outs auf die Nutstraight hat. Die andere Hand sollte 8h7s sein, da sie eventuell noch bessere Straßen bauen kann. Daher wählen wir die 7s als unsere Point-Card.
  • Bei Händen wie Ah4s6h auf Flops wie 4d4hJh, wollen wir unsere Vierer-Trips und den Flushdraw spielen. Daher wählen wir das Ah als unsere Point-Card, da es einen besseren Kicker für die Vierer-Trips darstellt und uns mit der 6h den Nutflushdraw gibt.

Wir werden diese Betrachtung in einem separaten Artikel in Zukunft noch detaillierter fortsetzen. Für den Moment, solltet ihr euer Hauptaugenmerk darauf legen, die Fehlerzahl bei der Auswahl der Point-Card so gering wie möglich zu halten.


Die Handstärke in Double Hold'em

Selecting the point card
Das Auswählen der Point Karte auf dem Flop

Die Stärke der Siegerhand im Double Hold'em wird im Durchschnitt viel höher liegen als im Texas Hold'em, aber nicht so stark sein wie in Omaha. Während "Top Pair, Top Kicker" im Texas Hold'em noch häufig als "quasi" Nuts angesehen werden konnte, so kann diese Hand im Double Hold'em meist nur noch als durchschnittlich starkes Blatt gewertet werden. Daher werden wir zunächst über die allgemeine Stärke der Hände in Double Hold'em reden und euch zeigen, wie ihr eure Callingrange dahingehend anpasst.

Auswahl der Starthände

Vom monetären Gesichtspunkt aus, heißt die bestmögliche Starthand AAx, wobei x für eine suited Broadway-Karte steht. Das starke Paar und die Flush-/Straightdrawmöglichkeiten bedeuten, dass eure Gegner mindestens Two Pair treffen müssen, um eure nicht verbesserten Starthände zu schlagen, während ihr noch durch eventuell ankommende Straight- oder Flushdraws die beste Hand bilden könnt.

Große Paare bilden immer noch starke Hände, seid aber vorsichtig, die Odds eures Gegners, ein Two Pair zu treffen, sind in diesem Spiel deutlich höher. Daher solltet ihr Overpairs eventuell etwas defensiver spielen als ihr es im Texas Hold'em tun würdet.

AA bis JJ zählen in die Gruppe dieser großen Paare, während TT und niedriger in der Regel darauf angewiesen sein dürften, ein Set zu treffen. Kleinere Paare als das Top Pair könnt ihr als wertlos ansehen. Zudem solltet ihr berücksichtigen, dass ihr mit eurer dritten Karte häufig noch etwas Backdoor-Equity haltet, da ihr damit regelmäßig noch wenige Outs auf die Straight oder den Flush haltet, was zur Steigerung eurer Winrate beitragen kann.

Double Hold'em vs. Omaha

Am Anfang wird an den Tischen vermutlich relativ loose agiert werden, so dass connected Hands wie QJTs oder 876s an Value gewinnen. Denkt immer daran, dass Broadway-Karten in Double Hold'em immer die Nuts treffen, sobald eine Straße ankommt. Das ist daher wichtig, da in loosen Spielen immer eine Menge Hände unterwegs sein werden. Dieser Fakt sollte euch bereits aus Omaha geläufig sein.

Ihr solltet schnell lernen, nicht auf Teufel komm raus auf eure Straight drawen zu wollen. Je mehr Gegner ihr habt, desto vorsichtiger müsst ihr ohne die Nuts sein.

Wie auch im Omaha, gibt es einige Hände, die gut aussehen es aber faktisch nicht sind, zum Beispiel suited Starthände wie KhJh4h. Die Chance, damit einen Flush zu treffen wird durch die dritte Startkarte bereits um 10% reduziert. Parallel dazu sinkt die Wahrscheinlichkeit, einen Payout von einem kleineren Flush eines Gegners zu erhalten, stark. Suited Starthände mit einem Ass sind akzeptabel, wenn ihr ohnehin in den Blinds sitzt. Andernfalls sinkt der Wert dieser Starthände massiv.

Der Flop

Am Flop ist wahrscheinlich der wichtigste Aspekt im Double Hold'em, wie eure 3 Karten miteinander interagieren. Insbesondere, auf wie viele Gegner ihr trefft, sollte berücksichtigt werden, wenn ihr entscheidet ob ihr weiter mit der Hand spielen wollt. Ein Top Pair mit einem starken Kicker ist dann stark, wenn zwei Spieler sich den Flop ansehen. Sollten jedoch vier Spieler involviert sein, so solltet ihr bis zum River mindestens zwei Paare oder eine Straight beziehungsweise einen Flush halten, um euch den Pot zu sichern.

In tighten Games, in denen ihr am Flop heads-up seid, wird das Stealen profitabel. Nachdem sie eine Weile gespielt haben, werden eure Gegner anfangen, am Flop nach dem Muster "Fit or Fold" zu agieren. Wenn ein Spieler jedoch am Flop eine spielbare Hand vorfindet, dann solltet ihr selten versuchen, ihn am Turn zu bluffen, ohne selbst etwas auf der Hand zu haben. Da im Double Hold'em nahezu jede Karte zur Scare-Card werden kann, ist die Position noch wichtiger als im Texas Hold'em. In Position habt ihr häufiger die Möglichkeit, euch am Turn Free-Cards zu genehmigen und dadurch eventuell Gegner auszunehmen, die eine starke, aber letztlich verwundbare Hand halten.

Maximale Anzahl an Outs

Es ist wichtig, die maximale Anzahl an Outs zu kennen, die ihr im Double Hold'em halten könnt und wie diese euer Spiel beeinflussen sollten.
Auf einem 9h8s4h Board, haltet ihr in tighten Games mit JhTh9d eher eine starke Starthand, als es mit QhJsTh der Fall wäre. Der Grund dafür liegt darin, dass ihr, wenn ihr die Straight und den Flush verfehlen solltet, mit eurer Top Pair-Hand immer noch Showdownpotential habt.

Dies ist die Art von Hand, mit der ihr in No-Limit zu 100% auf dem Flop broke gehen, beziehungsweise sie im Fixed Limit bis zur 4-Bet ausreizen würdet. Wir halten 14 saubere Outs (6 Karten für die Straight und 8 Karten auf den Flush), 1 dirty Out (Die 8h, die dem Gegner eventuell zum Full House verhilft) und 2 Showdown-Karten (9s und 9c), was uns eine zu starke Hand halten lässt, die wir nicht folden wollen. Damit sind wir letztlich mit unserer Hand sogar Favorit gegen große Paare. Diesen Fakt zu erkennen, ist wichtig, um im Double Hold'em zu bestehen.

Made Hands vs. Drawing Hands

Showing down your hand
Die beste 5-Karten-Kombination gewinnt

Typischerweise wird im Texas Hold'em eine made Hand als Favorite bezeichnet, während der Draw "der Underdog" ist. Ihr müsst dabei berücksichtigen, dass dies im Double Hold'em häufig nicht der Fall sein wird.

Kehren wir noch ein Mal zum vorherigen Beispiel zurück, in dem wir dieses Mal QhJsTh auf dem 9h8s4h Board halten. Wir haben die gleichen 8 sauberen Flushouts (und einen unsauberen Flushout), aber dieses mal 8 anstatt 6 Outs auf die Straight. Mit insgesamt 17 Outs haben wir eine genau 50%ige Chance, uns auf eine Straße oder einen Flush zu verbessern.

Daher sollten wir in tighten und in loosen Fixed Limit-Games gleichermaßen am Flop in den Pot investieren. Im Falle eines paired Boards am Turn lassen wir von dieser Strategie ab und schauen uns durch einen Check/Call den River an, um uns dort gegebenenfalls noch weiter zu verbessern.

In Situationen wie dieser, in denen ihr häufig in multiway Action verwickelt seid, solltet ihr erwägen mindestens einen der Gegner auf einen hohen Flushdraw oder gar ein Set zu setzen. Das zeigt die Wertigkeit von suited Aces/Kings in Double Hold'em, wohingegen niedrige Karten stark an Value verlieren.

Zusammenfassung

Loose Games:

  • Spielt High-Cards mit suited Aces/Kings, wie KsQd9s oder AsJd8s preflop passiv, um ihr enormes Potential am Flop zu nutzen. Große Paare wie AA bis JJ solltet ihr hingegen aggressiv spielen, besonders dann wenn es sich um QQ oder JJ mit einer suited und/oder connecteten Beikarte handelt.
  • Legt kleine Paare mit einer schlechten Beikarte ab, callt aber preflop, wenn die Beikarte sich mit eurem Paar zu einem Connector oder 1-Gapper ergänzt. (zum Beispiel 6h6d5h oder 8h8s6h) oder ein suited Ass/König ist. Achtet aber darauf, dass ihr oft darauf angewiesen sein werdet, ein Set zu treffen um einen großen Pot zu gewinnen.
  • Flushes werden dann zu großen Pötten, wenn ihr (annähernd) den Nutflush trefft. Andernfalls lauft ihr Gefahr, mit einem kleinen Flush viel Geld zu verlieren. Berücksichtigt immer die Möglichkeit eines besseren Flushs und agiert passiver, wenn ihr viel Gegenwehr erhaltet.

Tighte Games:

  • Spielt alle oben genannten Hände aggressiv preflop und fügt alle connected Cards (654) und alle suited Aces, selbst die mit schwachem Kicker (As9s3c) in später Position zur Range eurer Starthände hinzu.

Wir hoffen, euch eine Idee gegeben zu haben, wie ihr erfolgreich in Double Hold'em bestehen könnt. Abschließend möchten wir euch darauf hinweisen, dass ihr euch natürlich an die passive/aggressive Spielweise eurer Gegner anpassen müsst. Auch wie oft sie am Flop folden ist eine Statistik, die es zu berücksichtigen gilt. Typischerweise wird jemand, der den Flop callt auch zum Showdown gehen.