Auszug aus "Reading Poker Tells" von Zach Elwood
Auch heute kommt ihr in den Genuss einer kostenlosen Bücherlektion - Zach Elwood berichtet über körperliche Tells am Pokertisch.
Das vorsichtige Greifen nach den Chips
Ein Spieler, der anzeigt, dass er eine Bet callen würde, ist möglicherweise weak.
Du spielst Limit Hold'em und befindest dich in einer Heads-Up-Situation am River gegen einen mittelmäßigen Spieler. Du hältst A-8 in Karo und das Board zeigt . Du hast bereits auf Flop und Turn gesetzt und gehst aufgrund der gespielten Hand davon aus, dass es egal ist, ob dein Kontrahent eine Zehn oder ein besseres Ass hält.
Du erwägst eine Value Bet und deshalb spielst du mit deinen Chips. Plötzlich bemerkst du, dass dein Gegenspieler seine Chips bereits in die Hand nimmt, um anzudeuten, eine Bet zu callen. Das ist ein wichtiger Hinweis - du weißt, dass dieser Kontrahent, genauso wie andere Spieler auch, diese Geste meistens nur macht, wenn er ziemlich weak ist.
Denke nun über diese Situation nach: Warum würde dir ein Spieler mit einer starken Hand den Hinweis geben, dass er callen würde, wenn du setzen würdest? Eine solche Aktion ist oft ein Täuschungsmanöver, um dich zu entmutigen, eine Bet zu bringen.
Der linke Spieler denkt über eine Bet nach. Sein Kontrahent zeigt bereits an, dass er die Bet zügig callen würde - normalerweise zeugt das von Schwäche. Der Spieler wird möglicherweise callen, doch die Chance, dass er plötzlich ein Raise auspackt, ist in den meisten Fällen eher gering.
Die meisten Amateurspieler zeigen auf sehr offensichtliche Art und Weise, was sie mit ihren Chips machen wollen. Sie geben Hinweise darauf, dass sie bereit sind, deine Bet zu callen. Bei erfahrenen Spielern ist dieser Tell deutlich subtiler. Die subtileren Varianten des Tells sind keine schauspielerischen Leistungen - sie sind eine instinktive körperliche Reaktion auf die Tatsache, dass man sich bedroht fühlt. Normalerweise siehst du einen Spieler, der seine Chips geistesabwesend zählt, oder seine Hand über seine Chips bewegt, um anzudeuten, dass er sie aufnehmen möchte. Dieser Tell kann also eine ganze Bandbreite an dezenten Hand- und Armbewegungen sein. Sobald du dich besser an die Erkennung des Tells gewöhnt hast, kannst du auch versuchen, deine Kontrahenten zu dieser Aktion zu verleiten: Greife feinsinnig nach deinen Chips und warte auf eine Reaktion deiner Kontrahenten. Möglicherweise werden sie ihre Hände in Richtung ihrer Chips bewegen oder vielleicht auch nach einzelnen Chips in ihrem Stack greifen.
Manchmal werden Spieler, die so agieren und damit verhindern wollen, dass du setzt, bei einer Bet trotzdem folden. Manchmal werden sie deine Bet callen. Du solltest versuchen, bei dieser Situation genau zur Kenntnis zu nehmen, wann ein Spieler diesen Tell zur Schau stellt. Zeigt er diesen Tell, wenn er dazu tendiert, zu folden? Oder reagiert er auf diese Art und Weise, wenn er callt? In dieser Hinsicht haben Spieler normalerweise spezielle Neigungen. Besonders Limit-Spieler sind anfälliger für solche Tells und normalerweise folgt nach einer solchen Aktion auch ein Call. No-Limit-Spieler sind sich für gewöhnlich der Gefahr des Tells bewusst und agieren deshalb anders: Wenn sie anzeigen, dass sie deine Bet schnell callen würden, folden sie normalerweise bei einer Bet.
Erneut sehen wir die beiden Spieler, doch dieses Mal ist der Tell deutlich subtiler. Anstatt auf sehr offensichtliche Art und Weise nach den Chips zu greifen, berührt der rechte Spieler nur seine Chips. Diese Tells können oft sogar noch dezenter sein, als auf dem Bild.
Eine Sache ist bei diesem Tell gewiss und das ist auch der wichtigste Punkt: Egal, ob ein Spieler plant, deine Bet zu callen oder daraufhin zu folden - wenn jemand diesen Tell von sich gibt, wird er so gut wie nie raisen. Dadurch profitierst du und kannst seine Hand-Range deutlich eingrenzen. Außerdem spielt sich eine Value Bet viel angenehmer, wenn du keine Angst haben musst, dass dein Kontrahent erhöht.
Dies ist ein Auszug aus Reading Poker Tells von Zach Ellwood. Weitere Pokerbücher von bekannten Autoren und PokerStrategy.com-Coaches findet ihr auf der Pokerbücherseite.

