Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Barrys Strategie-Ecke: All-in oder Raise - das ist hier die Frage

Nach einigen Erfolgen bei Satellites teilt Barry Carter einige Überlegungen und untermauert diese mit Daten darüber, wie an der Bubble eines Satellites gespielt werden sollte.

Poker

In letzter Zeit konnte ich in Satellites einige Erfolge verbuchen. Um fair zu bleiben: Eigentlich lief es dort schon immer gut, doch zuletzt habe ich begonnen, darüber auch auf Instagram zu posten. 

Ein Grund dafür ist, dass zwischen Januar und April besonders viele Calling Stations in Satellites unterwegs sind – im Vorfeld großer Events wie der WSOP und der Irish Open. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass die Spieler in der entscheidenden Phase schlicht nicht aggressiv genug agieren. 

Aus GTO-Sicht ist es korrekt, in Satellites sehr nahe an der Bubble den Großteil der eigenen Range direkt All-in zu stellen. Das maximiert die Fold Equity und es ist nicht notwendig, einen großen Stack aufzubauen – entscheidend ist lediglich, diesen zu erhalten. Ein weiterer Grund: Wird stattdessen normal eröffnet und anschließend mit einem Re-Shove konfrontiert, müssen aufgrund des ICM-Drucks selbst starke Hände gefoldet werden. 

Wenn die Gegner jedoch nicht zurückfeuern, lässt sich die eigene Range durchaus per Min-Raise spielen. 

Poker
Meine jüngsten Instagram-Prahleien (zum Vergrößern anklicken)

Spiel gegen passive Satellite Grinder

Um zu verdeutlichen, was gemeint ist, folgt hier die GTO-Range für den Hijack an der Bubble, wenn alle Spieler 20 Big Blinds haben. Es ist nicht nötig, jede einzelne Hand zu erkennen – entscheidend sind die Frequenzen. 

Zu sehen ist, dass der Hijack mit 65,8% seiner Range direkt für 20 Big Blinds pusht – eine extrem weite Range, da theoretisch alle anderen den Großteil ihrer Hände folden sollten. Die einzigen Raises bestehen aus Assen sowie Q2 offsuit als Bluff. Praktisch bedeutet das: Die gesamte Range wird gepusht. 

Poker
Zum Vergrößern anklicken

Was passiert hingegen, wenn eröffnet wird? In diesem Szenario wurde die Range so konstruiert, dass der Hijack mit 88+, A9 suited+, ATo+ und KQs raist – eine durchaus solide Auswahl. Anschließend sind die Re-Shove-Ranges der nachfolgenden Spieler zu sehen.

Selbst der Cutoff pusht in 33,4% der Fälle, der Big Blind sogar in etwa zwei Dritteln der Spots. Alle Spieler nutzen damit den enormen ICM-Druck aus. In einer reinen GTO-Welt dürfte der Hijack auf ein Re-Shove ausschließlich mit Assen callen. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, warum überhaupt eröffnet werden sollte – genau aus diesem Grund ist der direkte Push die bevorzugte Option. 

Poker
Zum Vergrößern anklicken

Anschließend wurden die Ranges erneut angepasst, sodass die Spieler nach dem Hijack nur noch mit 99+ und ATo+ All-in gehen – ein realistisches Abbild von Akteuren, die in der Endphase kaum bluffen. Das Resultat: Die Min-Raise-Range verändert sich wie folgt:

Poker
Zum Vergrößern anklicken

Also: Shoven oder nicht shoven in Satellites? Die einfache Antwort lautet: Sind die Gegner kompetent genug zu erkennen, dass sie durch Re-Shoves massiven ICM-Druck ausüben können, oder tun sie dies ausschließlich mit Value-Händen? 

Gegen passive Spieler ist ein Min-Raise möglich, gegen starke Regulars sollte konsequent geshovt werden – und ihnen damit die schwierige Entscheidung überlassen bleiben.