Aktualisiert am 04 Aug. 26 von

Barrys Strategie-Ecke: Ist die 4-2-Regel wirklich noch gültig?

Das ist das Erste, was man lernt, wenn man Poker ernst nimmt, aber hält diese Erkenntnis auch in der heutigen Zeit einer genauen Überprüfung stand?

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Unter den vielen Poker-Heuristiken gehört die „Rule of 4 & 2“ zu den ersten Konzepten, die die meisten Spieler lernen. Sie bietet eine einfache Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, mit einen Draw auf Turn oder River zu treffen.

Die Idee ist simpel: Auf dem Flop wird die Anzahl der Outs mit 4 multipliziert, um eine grobe Prozentzahl zu erhalten, wie oft sich die Hand bis zum River verbessert. Auf dem Turn wird stattdessen mit 2 multipliziert, um die Chance für die letzte Karte zu bestimmen.

Doch wie genau ist diese Faustregel eigentlich?

Die Rule of 4

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Nehmen wir als Beispiel den Flop 7 8 2. Es wird angenommen, dass der Gegner Top Pair oder besser hält.

Mit AK liegt kein klassischer Draw vor. Es gibt sechs Outs (drei Asse und drei Könige), um beispielsweise ein Paar Neunen zu schlagen. 6 Outs × 4 ergeben rund 24–25%.

Ein Blick in Equilab zeigt eine tatsächliche Equity von 23,94% – also sehr nah an der Näherung.

Mit 34 ergibt sich ein Flush Draw mit neun Outs. 9 × 4 = 36%. Equilab gibt hier 37,47 % aus – ebenfalls eine sehr präzise Annäherung.

Interessanter wird es mit AK: Zusätzlich zum Flush Draw kommen Overcard-Outs hinzu. Insgesamt ergeben sich 15 Outs, also etwa 60% nach der Regel. Tatsächlich liegt die Equity bei 54,14% – hier wird die Wahrscheinlichkeit bereits merklich überschätzt.

Noch deutlicher wird das bei einem starken Combo Draw wie JT. Flush Draw, Straight-Outs und Overcards ergeben insgesamt 18 Outs. Nach der Faustregel wären das 72%, während Equilab nur 55,51% anzeigt.

Das zeigt klar: Je mehr Outs vorhanden sind, desto ungenauer wird die Rule of 4. Für kleine und mittlere Draws liefert sie gute Näherungen, bei sehr starken Draws wird die tatsächliche Equity jedoch deutlich überschätzt.

Wichtig ist außerdem: Die Regel setzt voraus, dass beide verbleibenden Karten gesehen werden. Steht eine All-in-Entscheidung auf dem Flop an, passt das gut. Besteht jedoch die Gefahr, am Turn aus der Hand gedrängt zu werden, sollte eher mit der Rule of 2 gerechnet werden.

Die Rule of 2

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Betrachten wir nun die Genauigkeit der Rule of 2 am Turn.

Angenommen, der Turn bringt die Q und der Gegner hält weiterhin ein Paar wie 99. Das Board lautet nun 2 7 8 Q.

AK hat weiterhin sechs Outs. 6 × 2 = 12%, während Equilab 13,64% ausweist.

Mit 34 bleiben neun Outs – also etwa 18%. Tatsächlich liegt die Equity bei 19,32%.

AK mit 15 Outs ergibt nach der Regel 30%, während Equilab 32,95% anzeigt.

Beim starken Draw mit JT und 18 Outs ergibt sich eine Näherung von 36%, was nahezu exakt dem tatsächlichen Wert von 36,6% entspricht.

Das Fazit ist eindeutig: Auf dem Turn ist die Rule of 2 sehr zuverlässig. Die größten Ungenauigkeiten entstehen auf dem Flop bei vielen Outs, während die Berechnung auf dem Turn erstaunlich präzise bleibt.