Beim ICM entscheiden die Chips, nicht die Karten
Wenn der ICM-Druck steigt, dreht sich alles um potenzielle Eliminierungen. Dara O'Kearney erklärt, warum die Stackverteilungen zunehmend das Spielgeschehen diktieren.
Hier seht ihr zwei vorgeschlagene Strategien für dasselbe Szenario in einem Turnier, jedoch mit einem kleinen Unterschied.
In beiden Fällen stehen sich UTG und BB in einem Single-Raised-Pot gegenüber, der Flop zeigt 942 Rainbow. Wir befinden uns an der Bubble, die effektiven Stacks betragen 40 BBs. Der einzige Unterschied: Auf der linken Seite hat der Big Blind 60 BBs, auf der rechten 120 BBs. Der Durchschnittsstack liegt bei 30 BBs.

942-Rainbow ist kein Flop, der dem Big Blind besonders entgegenkommt – UTG hat hier einen Equity-Vorteil von 58 %. Dennoch leadet der BB in diesem Spot in 41% der Fälle, oft mit einem vergleichsweise großen Betsizing.
Wie lässt sich diese Vorgehensweise erklären?
Chips zählen mehr als Karten

In der Regel wird die Strategie für einen Spot von folgenden Faktoren bestimmt, ohne besondere Rangfolge:
- Position: Wer agiert zuletzt und hat damit einen Informationsvorteil?
- Range: Wer hat die stärkere Preflop-Range und wessen Range trifft das Board besser?
- Stacksizes: Wie sieht die Stack-to-Pot-Ratio aus, und wie beeinflusst dieses Verhältnis die Strategie, um das maximale Value zu extrahieren?
Wenn der ICM-Druck extrem wird, verschieben sich diese Prioritäten jedoch, sodass folgender Parameter an Bedeutung gewinnt:
- Die Stackverteilung: Wer hat den größeren Stack und kann somit mehr ICM-Druck ausüben?
Meistens gibt der Chipleader den Ton an. Er kann aggressiver spielen, da er nicht das Risiko des Ausscheidens auf seinen Schultern trägt, während der Spieler mit kleinerem Stack oft gezwungen ist, passiver zu agieren – selbst mit starken Ranges.
Im oben beschriebenen Beispiel leadet der BB die Hand, weil er nicht befürchten muss, aus dem Turnier auszuscheiden, während er versucht, Value zu extrahieren. UTG sollte auf diesem Board häufig checken, um seinen Stack zu schützen.
Wenn du gerade erst damit begonnen hast, dich mit Pre- und Postflop-ICM-Solvern vertraut zu machen, solltest du zunächst mit den Stackgrößen experimentieren, bevor du Ranges und Auszahlungsstrukturen anpasst. Dabei wirst du schnell feststellen, dass es, sobald ICM eine Rolle spielt, vielmehr um die Chips als um die Karten geht.
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