Bluffs und Value-Bets gehören untrennbar zusammen. Dara O’Kearney zeigt, wie sich aus der Stärke der eigenen Value-Range ableiten lässt, welche Hände sich besonders gut zum Bluffen eignen.
Das Akkordeon-Prinzip
Viele Spieler tun sich schwer damit, geeignete Hände für Bluffs zu finden – und machen dabei oft genau das Gegenteil von dem, was strategisch sinnvoll wäre.
Wenn die eigene Range sehr stark ist, sollten entsprechend nur wenige Bluffs enthalten sein, und es empfiehlt sich, eher kleine Bets zu wählen. Als Bluffs eignen sich starke Draws, die über hohe Equity verfügen, wie etwa ein Open-Ended Straight Draw.
Ist die eigene Range insgesamt schwächer, ist ein polarisierter Ansatz sinnvoll: Die Betsize sollte groß ausfallen, während die Range sowohl aus starken Händen als auch aus zahlreichen Bluffs besteht. Diese Bluffs wiederum sollten ein gewisses Maß an Equity mitbringen – etwa ein Gutshot oder ein Backdoor Draw.
Die Lücke zwischen Bluffs und Value-Händen
Dara O'Kearney
Dafür gibt es mehrere Gründe – die dahinterliegende Logik lässt sich jedoch recht einfach zusammenfassen: Bei kleinen Bets wird der Gegner seltener folden, daher sollten die Bluffs in solchen Spots ausreichend Potenzial haben, sich auf späteren Straßen zu verbessern. Zudem wird man häufiger gereraised und braucht daher Hände, mit denen man im Zweifel weiterspielen kann – etwa in Form eines starken Draws.
Große Bets hingegen erzielen deutlich mehr Folds, was für schwache Draws wie einen Gutshot ein wünschenswertes Ergebnis ist. Falls man auf Gegenwehr stößt, fällt es umso leichter, sich von den schwächeren Händen zu trennen.
Man kann sich das Zusammenspiel von Value-Händen und Bluffs wie ein Akkordeon vorstellen: Auf der einen Seite befinden sich die Value-Hände, auf der anderen die Bluffs.
Bei einer starken Range ist das Akkordeon geschlossen – Bluffs und Value-Hände verfügen über einen ähnlichen Erwartungswert. In Bezug auf die Equity sind starke Draws hier nicht weit von den schwächsten Value-Händen entfernt.
Bei einer schwächeren, polarisierten Range ist das Akkordeon weit geöffnet – zwischen den Bluffs und den Value-Händen klafft eine deutliche Lücke.
Diese bildhafte Analogie kann dabei helfen, den Unterschied zwischen kleinen Range-Bets und großen, polarisierten Bets strategisch besser einzuordnen.