Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Cowboy's up in Vegas

Als Konti mit seinem Kollegen DaSmee mittags aus dem Caesars Palace ging, erwachte er wie die Protagonisten in Hangover: Bescheiden drückt es noch freundlich aus. Warum er dennoch nur 30 Minuten später voller Vorfreude durch Vegas rannte, erfahrt ihr in seiner vierten Kolumne.

Caesars Lobby
Die Eingangshalle des Caesars Palace
war imposant - meine Session nicht!

Es war gerade einmal 12 Uhr mittags, da hatte ich bereits 475 Dollar beim Cashgame verloren. dasmee versagte parallel in einem Turnier wenige Tische von mir entfernt und nachdem er seine letzten Chips unter das amerikanische Volk gemischt hatte, schlenderten wir bedröppelt wie Schalkefans nach 4-minütiger Meisterschaft über den Las Vegas Boulevard.

Was fangen wir nur mit dem bisher eher semi-geilen Tag an? Wir könnten uns an die Straßenecken setzen und lustige Schilder ala "Why lie? need money for beer" malen wie sie zuhauf in Vegas zu sehen sind. Wir könnten auch zum Aria zurück gehen und hoffen, dass uns die Sonne am Pool den Rücken so sehr verbrennt, dass wir in den kommenden Tagen vor lauter Schmerzen an keinem Pokertisch mehr sitzen können würden. Oder... oder wir gehen einfach ins benachbarte mirage Casino und erleben mal eine so richtig verrückte Session an den NL $2/$5 Tischen. Okay, we got a plan!

Cowboy Tony in da house

Konti und Tony
Cowboy Tony (links) und ich während
der verrückten Session im mirage

Darf ich vorstellen? Zu meiner Linken sitzt Cowboy Tony aus Texas. Sein Geld verdient er mit einem Football-Team in der Heimat und trotz seiner zarten 82 Jahre hat er eine knackige "Freundin", die ich am Ende des Nachmittags kennenlernen durfte: eine 18-jährige aufgebrezelte Dame, an der nicht nur die Fingernägel aus Plastik waren, mit High Heels höher als der Stratosphere Tower und einem Outfit, bei dem man nicht zweimal überlegen musste, was sie wohl beruflich macht. Das alleine macht Cowboy Tony aber nicht so interessant. Folgende Ereignisse schon eher.

Es war wie im Paradies. DaSmee und ich erblickten den Pokerraum im mirage und sahen vor allem eines: gähnende Leere und ein paar uninteressante NL $1/$2 Tische mit jungen Kids, die wohl gerade ihre Studiengebühren hin- und herschoben. Wir wollten gerade vor lauter Entsetzen doch wieder auf den Schilder-Mal-Plan zurückgreifen, da erblickten wir in der hintersten Ecke des Raumes den Tisch des Jahres: ein NL $2/$5 Tisch mit sieben Leuten, keiner von ihnen unter 40 Jahre jung, zwei Kanadier in Rente, ein Asiate und der Rest gamblewillige US-Amerikaner. Zwei Seats open.

Wir saßen schneller am Tisch als verzogene Kinder, wenn die Super Nanny mal wieder mit der stillen Treppe droht. Was danach geschah, ist Vegas pur, zu übertrieben für jedes Drehbuch und einfach der Grund, warum jeder Live-Pokerspieler von einem Trip in diese Stadt träumt. Es waren keine fünf Minuten gespielt, da verabschiedeten sich zwei Amerikaner, da sie dachten, dass Middle Pairs direkt nach Royal Flushes im Kartenranking stünden. Ihre Plätze wurden umgehend von Tony und seinem Freund eingenommen, beide mit Cowboy-Hut, einer Menge Chips und ausgeprägter Gamble-Laune bewaffnet.

Cowboy's up - all-in

mirage
Das mirage - eines der ältesten
Casinos am Strip - von außen

Allererste Hand von Cowboy Tony: Nach einem Straddle auf $10 raist er blind auf $20 in zweiter Position. Ein paar Leute callen preflop und auf einem QT7-Flop verkündet Tony lautstark: "Cowboy's up, all-in", und schwups wanderten $500 in die Mitte, in der bisher jämmerliche $100 schlummerten. Es foldeten alle zum Bigblind, der ein wenig grübeln müsste, bevor er mit AJ callte. Tony drehte AA um. Nice Call, nice King am Turn für seine Straße, nice Pot.

Ohne mit der Wimper zu zucken griff Tony in seine Weste und holte die nächsten $500 raus. Natürlich übernahm er nun den Straddle und nachdem ein paar Leute die $10 zahlten, schallte es erneut durch den Raum: "Cowboy's up, all-in!". Dieses Mal foldeten alle.

Dritte Hand: Im Big Blind checkte Tony nach ein paar Limpern und verkündete auf einem 347-Flop erneut sein All-in. DaSmee entschloss, dass sein Toppair plus Gutshot mit 67 gut sein muss und callte. Tony zeigte 56 zur gefloppten Straight und hatte nun über $1.000 vor sich stehen.

Vierte Hand – ich betone an dieser Stelle nochmal, dass die Hände allesamt aufeinander folgten: Ich finde AQ und erhöhe auf $25, die von einem Spieler gecallt werden. Tony schaufelt noch die Chips von der Hand zuvor zusammen, als er kurz unter seine Karten blinzelt und... na klar: "Cowboy's up, all-in!". Ich konnte es fast erahnen, aber glauben wollte ich es nicht. Ich stellte meine $500 rein und sah wenige Sekunden später erneut zwei Asse bei Tony. Boom!

Caesars Pokerroom
Der Pokerraum im Caesars Palace:
leider zurzeit häufig so leer
wie auf dem Bild

In nur zwei Händen hatte sich der Cowboy $1.000 von DaSmee und mir geschnappt. Dummerweise hatte ich kaum noch Geld bei mir, da meine erste Session im Caesars Palace bekanntermaßen auch nicht gerade erfolgreich verlief. Mit DaSmees Hilfe konnte ich mir aber noch einen $500 Stack zusammenbasteln und nahm wieder am Tisch platz.

Als Belohnung erhielt ich KQs und openraiste erneut auf $25. Zu meinem Erstaunen callte Cowboy Tony nur, nachdem auch DaSmee den Einsatz zahlte. Zu dritt sahen wir den Flop: Q93, und ich feuerte weitere $60. DaSmee bezahlte die Bet so eben, da tönte es schon wieder von der anderen Seite des Tisches "Cowboy's up, all-in". Ich kam mir vor wie ein kleiner, naiver Welpen, der immer und immer wieder vergeblich nach dem Hundespielzeug schnappte, obwohl Herrchen Tony offensichtlich am längeren Ende der Leine zieht.

Trotzdem callte ich und als auch DaSmee bezahlte, blieb nur zu hoffen, dass wir gemeinsam gegen die Übermacht aus Texas ankommen würden. Der Board blankte mehr oder weniger, aber ich musste mich wieder geschlagen geben. Tony zeigte AQ und war damit ein Stück besser als ich. Immerhin hielt DaSmee Q9 und durfte sich über einen $2.000 großen Pot freuen, da er sich für $750 eingekauft hatte. Ich hingegen war broke. Für den Moment!

Cowboy Konti rennt durch Vegas

Aria Front
Fast am Ziel: Nach 10-minütigen
Dauerlauf war das Aria in Sicht

Mir war sofort klar, was ich nun machen müsste: Ich legte Jacke und Sonnenbrille auf meinem Platz ab und erklärte dem Dealer, dass ich kurz "hoch auf's Zimmer müsse, um Geld zu holen". Das war nicht gelogen. Was ich dabei nicht erwähnte, war der Fakt, dass ich im Aria wohnte, welches laut Google Maps 1,6 Meilen vom mirage entfernt liegt. Da lügt Google Maps auch nicht. Was es aber dabei nicht erwähnt, ist der Fakt, dass diese 1,6 Meilen in der Mittagshitze von Las Vegas gerne mal zu 16 Meilen mutieren. Wie ein Bescheuerter rannte ich durch die Stadt und fing mir Sprüche von Bettlern wie: "Oh my gosh, are the cops coming? Let's run for our lives!"

Als ich 30 Minuten später klatschnass wieder im mirage ankam, brannte den Leuten am Tisch nur eine Frage auf der Stirn: Liegt mein Zimmer mitten im Pool des Casinos? Fand ich nicht so witzig. Witziger fande ich es, dass nun neben Tony ein Platz frei war.

Leider konnte ich Cowboy Tony in den Folgestunden nicht mehr viele Chips abringen. DaSmee machte das irgendwie besser und hatte gegen 17 Uhr über $3.000 in Chips vor sich stehen. Mit geballter Kraft und zwei Schubkarren konnten wir diese Chips später zum Cashier befördern. Ich meinerseits landete auch noch im Plus. Ohne Tonys Hilfe, der gegen 15 Uhr mit $1.700 aufstand, konnte ich gegen die andere Spieler am Tisch viele Pötte mitnehmen und stand am Ende mit $1.990 auf, was exakt $240 Gewinn bzw. $1.000 Verlust-Minimierung entsprach. Dieser Jogghing-Lauf hatte sich gelohnt!

Poker Room-Review 5: Caesars Palace

Caesars Chip

Ambiente: 3 Sterne
Größe: 4 Sterne
Action: 1 Stern
Dealer: 4 Sterne
Service: 4 Sterne

Das Ambiente im Caesars Palace ist an sich sehr schön: Der Raum liegt separat vom Rest des Casinos, ist sehr groß und würde vielen Spielern Platz bieten. Leider ist die Action vor Ort aber so gut wie tot. Das Turnier wurde noch einigermaßen gut besucht, aber nebenbei lief im Cashgame gar nichts. Ich wartete 30 Minuten auf Gesellschaft und spielte weitere 20 Minuten 3-handed, bevor ansatzweise Action in die Partie kam. Die Dealer und der Service sind mir hingegen sehr ordentlich in Erinnerung geblieben.

Poker Room-Review 6: mirage

mirage Chip

Ambiente: 3 Sterne
Größe: 3 Sterne
Action: 2 Sterne
Dealer: 4 Sterne
Service: 4 Sterne

Das mirage hat ebenfalls keinen kleinen Pokerraum. Dieser ist zwar mittlerweile in die Jahre gekommen, aber macht insgesamt noch einen soliden Eindruck. Die Action war – natürlich abgesehen von unserem Traumtisch – eher mau. Da solch eine Tisch auch im mirage nicht täglich geöffnet wird, erhält das Casino diesbezüglich nur zwei Sterne. In Punkto Dealer und Service sind das mirage und Caesars Palace gleich auf und damit im oberen Vegas-Mittelfeld anzusiedeln.

Mehr Vegas auf PokerStrategy.com

 

von konti23