Das Heads-up in Turnieren wird unterschätzt
Nur weil man bei Turnieren selten ins Heads-up kommt, heißt das nicht, dass man nicht über fundierte Kenntnisse darüber verfügen sollte, so Dara O'Kearney.

Das Heads-up ist die Phase in Turnieren, die man am seltensten erlebt. Manchmal ist der Zeitraum zwischen zwei Heads-up-Duellen so lange, dass man vergisst, wie man überhaupt dort agieren sollte.
Infolgedessen vernachlässigen viele Spieler diesen Bereich und reden sich fast ein, dass sie ja auch schon mit Platz 2 zufrieden sind und alles, was darüber hinausgeht, schlichtweg ein Bonus ist.
Das ist aber die falsche Einstellung. Heads-up-Skills sind enorm wichtig, weil viel Geld auf dem Spiel steht. Man kann im finalen Duell durchaus um 40, 200 oder gar 500 Buy-ins spielen. Alle Schwächen, die man beim Heads-up hat, wiegen damit unverhältnismäßig schwerer als in jedem anderen Bereich.
Wenn man 5% mehr gewinnen kann, macht das einen größeren Unterschied aus, als wenn man die Anzahl der Cashes oder gar das Erreichen des Final Table um 5% erhöhen kann. Vielleicht genauso wichtig ist es, dass es deutlich einfacher ist, den ROI im Heads-up um 5% zu steigern, weil man wahrscheinlich einige massive Leaks finden und umgehend beseitigen kann, wenn man sich nicht damit beschäftigt.
Außerdem trifft man oft auf noch weniger erfahrene Spieler, so dass man hier noch mehr Vorteile aus der Situation ziehen kann.
Die Profispieler wissen, wie wichtig das Heads-up ist

Das ist etwas, was professionelle Spieler schon lange wissen. Ich erinnere mich, dass ich einmal Bryan Paris auf Twitch dabei beobachtet habe, wie er in zwei Turnieren jeweils das Heads-up anging. Er war mit seinem Spiel in keinem der finalen Duelle zufrieden, also nahm er sich den Rest der Woche frei, um sich dem eigenen Heads-up-Spiel zu widmen und sein Können weiterzuentwickeln.
Deshalb sollte man immer etwas Zeit in das Studium von Heads-up-Poker investieren. Wenn man das noch nie getan hat, dann am besten alles stehen und liegen lassen und direkt damit anfangen! Ein guter Start ist es, sich einfach die GTO-Ranges für verschiedene Stacksizes im GTO Wizard anzusehen, denn die meisten Spieler haben keine Ahnung, wie weit diese ausfallen sollten. Häufig ist es so, dass beide Spieler fast jede Hand spielen sollten.
Da in dieser Phase häufig knapp 40 Big Blinds noch im Spiel sind, ist es enorm wichtig, die Range für 20 effektive Big Blinds zu kennen.
Wie oft man sich mit Heads-up-Poker beschäftigen sollte, ist schwer zu beantworten, aber vollständig ignorieren kann man diese Turnierphase keinesfalls, auch wenn sie nur einen kleinen Teil des gesamten Turnierverlaufs ausmacht. Da die Zeit zwischen den Heads-up-Duellen für Turnierspieler sehr lang sein kann, kann es ein großer Vorteil sein, die eigene Heads-up-Strategie immer wieder aufzufrischen, damit man sie parat hat, sobald das nächste finale Duell um einen erheblichen Teil des Preispools ansteht.
Weitere hilfreiche Einblicke dieser Art findet ihr auch zuhauf in Dara O'Kearneys Buch GTO Poker Simplified.