Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Das Spiel in PKOs bei einem Jackpot-Kopfgeld

Wie sollte die eigene Strategie aussehen, wenn der Gewinn eines einzelnen Kopfgelds höher ausfällt als jedes andere erreichbare Preisgeld. Dara O'Kearney weiß Rat...

Dara O Kearney
Dara O'Kearney 

Vor einer Weile hat PokerStars ein $55-Turnier ausgerichtet, bei dem zehn mitspielende PokerStars-Pros mit einem Kopfgeld von je $20.000 versehen wurden.

$20.000 sind mehr als der Hauptpreis in den meisten Turnieren mit derartigem Buy-in, entsprechend spannend dürfte es werden, wenn ein Spieler plötzlich mit einem derartigen Kopfgeld am eigenen Tisch auftaucht.

Und auch wenn es ein besonderer Anlass war und wir womöglich nie wieder ein solches Kopfgeld direkt zum Start eines Turniers erleben werden, gibt es immer wieder Turniere, bei denen Kopfgelder auf Gastspieler ausgesetzt werden, die genauso hoch, wenn nicht sogar höher ausfallen als der Hauptpreis.

Der eine oder andere wissbegierige Spieler hatte sich im Vorfeld des Turniers von PokerStars bei mir gemeldet und nachgefragt, da ich unter anderem auch ein Buch über die Strategie in PKO-Turnieren geschrieben habe. Wie sollte man seine Spielweise also anpassen, wenn man die Chance auf ein derart hohes Kopfgeld hat?

Als erstes sollte man sich bewusst machen, dass man sich immer in einem Spot wiederfinden wird, in dem man mit allem callt, wenn sich denn tatsächlich eine Gelegenheit ergibt, das Kopfgeld abzuräumen. Selbst wenn bereits drei Spieler ein All-in vom Spieler mit dem Mega-Kopfgeld gecallt haben, sollte man noch glücklich sein, dass man mit 72 offsuit ebenfalls mitmischen kann. Egal wie hart man dominiert wird, man wird immer genug Equity haben, sobald es möglich ist, in nur einer Hand das eigene Buy-in zu verzehnfachen, zu verhundertfachen oder gar zu vertausendfachen.

Fokus auf einen größeren Stack

Man sollte in jeden Pot einsteigen, bei dem der Bountyspieler mitmischt und erst folden, wenn er es selbst getan hat. Jede Hand, die man spielt, wird tausend Mal profitabler, sobald ein derartiges Mega-Kopfgeld Teil der Rechnung wird.

Davon abgesehen sollte man seinen Fokus darauf richten, dass man den entsprechenden Spieler stets in Chips gecovert hat, da man ihn nur so an die Rails verfrachten und das Kopfgeld einsacken kann. Wenn das Bountyziel aktuell nicht in eine Hand involviert ist, sollte man konsequent Spots mit hoher Varianz meiden, bei denen die Gefahr besteht, dass man zum Shortstack wird. Es wird viele Spots geben, die im Normalfall profitabel wären, die man aufgrund der außergewöhnlichen Chance jedoch meiden sollte, damit man einen Stack erhalten kann, der größer ausfällt als der Stack des Bountyspielers. Vergleichbar mit dem Außerachtlassen von profitablen Spots direkt an der Bubble.

Hat man aktuell weniger Chips als der Bountyspieler, sollte man mehr Risiko gehen und versuchen den eigenen Stack zu erhöhen. Der Spieler mit dem Mega-Kopfgeld wird nicht lange am Tisch bleiben, wenn alle anderen Gegner ebenfalls richtig agieren und hyperaggressiv gegen ihn spielen. Entsprechend hat man gar keine Zeit auf einen günstigen Spot zu warten oder langsam einen höheren Stack aufzubauen. Darüber hinaus bietet sich aber die Möglichkeit, eine Art Pseudobubble zu spielen, sobald der Bountyspieler seine Hand abgelegt hat und die anderen Gegner am Tisch ebenfalls alles daransetzen, einen höheren Stack zu erhalten.

Neben dem Covern des Bountyspielers wird es zudem sehr wichtig, darauf zu achten, dass man keine anderen Spieler am Tisch aus dem Turnier wirft. Die Chips dürften recht chaotisch durch die Gegend fliegen, das Problem ist jedoch, dass bereits zwei oder drei ausgeschiedene Spieler bedeuten, dass ein Tisch aufgelöst wird und der Spieler mit Mega-Bounty an einem anderen Tisch als dem eigenen Platz nehmen wird.

Am wichtigsten ist unterm Strich, dass man sich mental voll und ganz bewusst macht, dass man sich in einem völlig anderen Spiel befindet, sobald sich eine Chance auf ein derartiges Kopfgeld am Tisch bietet. Nichts dreht sich mehr um einen möglichen Final Table, sondern stattdessen alles um das mögliche Kopfgeld. Wenn man den Hut nehmen muss, weil man bei einem All-in von sechs Spielern mit 65o eingestiegen ist, nachdem der Bountyspieler ebenfalls alles auf eine Karte gesetzt hat, dann hat man seine Hand perfekt gespielt und kann zufrieden mit sich sein.

Weitere strategische Einblicke von Dara O'Kearney findet ihr jederzeit auch in seinem neuesten Buch Endgame Poker Strategy: The ICM Book.