Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Das Wichtigste zu PKO-Turnieren in 5 Minuten

PKO-Turniere haben einen rasanten Aufstieg hinter sich und dominieren mittlerweile das Geschehen. Mit ein paar simplen Tipps kann man als Einsteiger die eigenen Knockout-Künste schnell verbessern...

Dara O Kearney
Dara O'Kearney 

Im ersten Teil meines Buchs PKO Poker Strategy gibt es ein Kapitel genannt PKO-Turniere in 30 Minuten. Darin wird nicht viel Theorie präsentiert, sondern stattdessen eine Reihe von simplen Anpassungen, mit denen man sein Spiel in PKO-Turnieren direkt verbessern kann. Sinn und Zweck des Kapitels ist, dem Leser die Möglichkeit zu geben, erste Fortschritte an den Tischen zu erkennen, noch bevor das Buch überhaupt durchgelesen ist.

PKOs haben in den letzten zwei Jahren einen rasanten Aufstieg hinter sich und dominieren mittlerweile das Turnierangebot der Anbieter. So wird das bekannteste regelmäßige Online-Turnier, die Sunday Million von PokerStars mittlerweile permanent als PKO ausgetragen, während immer größere Turnierserie etabliert werden, die exklusiv im PKO-Format gespielt werden. Und weitere Anpassungen des Knockout-Formats wie Mystery-Bounty-Turniere sind in diesem Jahr auf dem Vormarsch.

Dennoch hält sich das Wissen rund um die besondere Turnierform nach wie vor in Grenzen, da sie strategisch teilweise erhebliche Anpassungen im Vergleich zu normalen Turnieren erfordern. Eben diesen Umstand sollte man als ambitionierter Spieler nicht als Problem, sondern vielmehr als Chance wahrnehmen. Entsprechend will ich den Leuten eine Auswahl an essenziellen Tipps mit auf den Weg geben, damit niemand völlig ahnungslos in Knockout-Turnieren an den Start geht.

Jagd auf Spieler mit kleineren Stacks

Dara O Kearney
Mehr Pötte spielen gegen Gegner, die weniger Chips haben

Wenn man einen anderen Spieler eliminieren und das Kopfgeld einsacken kann, dann sollte der Fokus darauf ausgerichtet werden, wie man den Gegner so lange wie möglich im Pot halten und die Chance erhöhen kann, dass er all seine Chips in die Mitte befördert.

Dazu gilt es grundsätzlich erst einmal, mehr Pötte gegen genau diese Gegner zu spielen. Das bedeutet, dass man häufiger seinen Big Blind defenden sollte, wenn sie vorab geraist haben, und dass man selbst häufiger raist, wenn sie noch nach einem an der Reihe sind. Wer es gar nicht erst versucht, wird auch nie in einen möglichen Spot kommen, um ein Kopfgeld eines gecoverten Spielers einzusacken.

Hat man dann die einen Gegner in einer Hand zu eliminieren und dabei auch noch eine gute Hand oder einen starken Draw getroffen, dann kommt es schon fast einer Todsünde gleich, wenn man in einem PKO nicht all seine Chips in die Situation wirft. Wer in solch einem Spot raffinierte Plays startet, um zum Beispiel mit kleinen Bets einen Reshove vom gecoverten Spieler zu provozieren, der verliert möglicherweise nicht nur eine Reihe von Chips, die er eigentlich hätte gewinnen können, sondern läuft auch Gefahr, das Kopfgeld zu verpassen, weil einfach nicht genug in die Mitte gewandert ist. Wer also eine Hand hält, die das Potenzial hat, ein Kopfgeld zu gewinnen, der sollte es wie Doyle Brunson halten und "den Gegner in eine Position bringen, in der all seine Chips auf dem Spiel stehen".

Foldequity ist nicht so wichtig

poker
Das Buch von Dara O'Kearney und Barry Carter zu PKO-Turnieren

Bluffen hat in PKO-Turnieren nicht sonderlich viel Relevanz. Ja, es gibt Situationen, in denen man gegen bestimmte Gegner einen Pot auch mit der schlechteren Hand gewinnen kann, aber generell gilt, dass man vielmehr stets davon ausgehen sollte, dass die anderen Spieler deutlich geneigter sind zu callen, insbesondere wenn sie die Möglichkeit haben, ein hohes Kopfgeld zu gewinnen. Fällt das eigene Bounty hoch genug aus, kann es manchmal sogar sein, dass das richtige Play für den Gegner ein Call mit 100% seiner Range wird. Man sollte sich also nicht wundern, wenn man einen Pot stealen will und man komplett gegen eine Wand fährt. Die Gegner haben in einem PKO einen deutlich höheren Anreiz als üblich zu callen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass man nun nur noch mit einer tighten Range shoven und raisen sollte, eher das Gegenteil. Der Umstand, dass die Gegner beim Callen mit einer größeren Range unterwegs sind, sorgt natürlich auch dafür, dass man selbst eine größere Range spielen kann, da genug schlechtere Hände callen könne, die im Normalfall abgelegt werden. Hin und wieder wird man zudem einen Pot auch tatsächlich kampflos einsacken.

Aus diesem Grund sollte man seine Shovingrange aber auch mehr in Richtung Hände gewichten, die sich bei einem Showdown gut schlagen würden, zum Beispiel Kombinationen, die sich gegen eine weite Callingrange nicht noch groß verbessern müssen. Kleine Paare performen in PKOs zum Beispiel recht schlecht, da sie häufig von eine größeren Range gecallt werden, mit der man letztlich einen Flip gegen ein kleineres Paar hat. Hohe Broadway-Karten schlagen sich hingegen besser in PKOs als in normalen Turniere, nicht etwa weil sie Blocker beinhalten, sondern vielmehr weil sie häufiger einen Call von Händen bekommen, die dominiert werden. In diesem Sinne ist es in einem PKO-Turnier auch nichts Außergewöhnliches, wenn man nach einem Shove im Cutoff mit K3s einen Call von JTo bekommt und sich durchsetzen kann, während man solch einen Showdown in einem normalen Turnier wohl kaum zu Gesicht kriegen würde.

Die obigen Tipps kratzen nur an der Oberfläche, was die Komplexität von PKOs anbelangt, sie können aber dabei helfen, dass man unmittelbar die gröbsten Fehler vermeidet, die die meisten Spieler in der besonderen Turnierform machen. Wer das obige also beherzigt, hat gute Chancen bei den ersten Anläufen das eine oder andere Kopfgeld einzutüten. Viel Spaß bei der Jagd!

Einen vollständigen strategischen Einblick in PKO-Turniere findet ihr jederzeit im Buch PKO Poker Strategy von Dara O'Kearney und Barry Carter.