Der richtige Umgang mit einem Upswing
Fast jeder kennt Tipps, wie man bei einem Downswing agieren sollte. Aber auch wenn an den Tischen alles gelingt, sollte man mit Bedacht auf das Hoch reagieren.

Die meisten Spieler, die mich nach Rat fragen, teilen praktisch durchweg Hände, die sich im Laufe eines Downswings ergeben haben. Es ist menschlich, dass man mehr Fragen zu Händen hat, die man verloren hat, als zu Händen, die man gewinnen konnte. Immerhin hat man ja das Ergebnis, das man wollte, also muss man ja richtig agiert haben.
Der Großteil meiner eigenen Laufbahn an den Tischen hat sich wie ein Upswing angefühlt, weil ich mich auf Satellites spezialisiert habe, die von Natur aus nur wenig Varianz haben.
Darüber hinaus habe ich mich auf Turniere mit kleineren Teilnehmerfeldern fokussiert, bei denen man ebenfalls mit weniger Varianz als bei großen Turnieren konfrontiert wird, was meiner Meinung nach eine große Hilfe sein kann, wenn es darum geht, einen Downswing an den Tischen zu verkraften und richtig damit umzugehen.
Weniger Varianz für weniger Swings
Wenn man Turniere mit 200 bis 300 Teilnehmern spielt, anstelle von Turnieren mit mehr als 1.000 Spielern, dann erreicht man auch deutlich häufiger den Final Table. Die Resultate werden gleichmäßiger ausfallen, man wird häufiger mit kniffligen Spots in der entscheidenden Turnierphase konfrontiert und man muss keine jahrelangen Downswings über sich ergehen lassen, wie es manche Spieler müssen, die lediglich die größten Turnier mit Unmengen an Teilnehmern spielen.
Mich erreichen allerlei Fragen von Spielern, die sich gerade in einem Downswing befinden, nur selten meldet sich jemand bei mir, der gerade einen Upswing an den Tischen erlebt. Jeder wird das Gefühl kennen, dass man weniger Drang empfindet, an seiner mentalen Einstellung zu arbeiten, wenn es gerade gut läuft, obwohl es in einem Hoch sehr schnell dazu kommen kann, dass man übermütig agiert, zu hohe Stakes spielt und sich ein gewisses Maß an Faulheit in die Arbeit am eigenen Spiel einschleicht.
Beste Zeit für die Weiterentwicklung

Der wichtigste Ratschlag, den ich Spielern in einem Upswing geben kann, ist, dass man sich daran erinnern sollte, dass ein solcher Lauf auch immer ein Ende finden wird. Wenn man zulässt, dass ein Upswing einem das Gefühl von Unverwundbarkeit gibt, dann wird sich der unvermeidbare Downswing, der irgendwann kommen wird, umso schrecklicher anfühlen. Natürlich sollte man ein Hoch an den Tischen auch genießen, aber dabei nie vergessen, dass auch wieder schwierigere Zeiten bevorstehen.
Als zweites würde ich jedem raten, dass man auch einen Upswing nutzen sollte, um intensiv am eigenen Spiel zu arbeiten, mental und was das Technische betrifft. Nur wenige haben den Drang sich weiterzuentwickeln, wenn es ohnehin gerade blendend läuft, entsprechend kann man sich so auch eine Edge gegenüber der Konkurrenz verschaffen.
Wenn man darüber nachdenkt, ist ein Upswing im Grunde die beste Phase, um am eigenen Spiel abseits der Tisch zu arbeiten. Die eigene Stimmung ist deutlich positiver, man verspürt reichlich Motivation und man ist empfänglich für neue Informationen. Befindet man sich im Downswing, stellt man im Grunde jeden einzelnen Spot in Frage und fokussiert sich auf all die Hände, die in der vorherigen Nacht schiefliefen. Befindet man sich hingegen im Upswing, kann man deutlich besser an der Gesamtheit des eigenen Spiels arbeiten, mit allem was dazugehört.
Viele Spieler nutzen die wachsende Bankroll in einem Upswing, um Shots auf höhere Limits zu wagen. Ich empfehle das auf jeden Fall, allerdings nur wenn man dabei auch strategisch agiert mit klaren Verlustgrenzen. Ist man in der Lage, einen Shot rechtzeitig abzubrechen, dann ist es eine legitime Strategie zum Aufbau der eigenen Bankroll und die beste Option, um einen möglichen Aufstieg in den Limits zu stemmen.
Ich würde allerdings auch raten, einen Teil der gestiegenen Bankroll im Upswing zu nutzen, um gezielt in das eigene Spiel zu investieren. Das eine oder andere Buy-in sollte gerade in guten Zeiten in ein neues Buch, einen neuen Kurs, einen neuen Solver oder ein Coaching von einem Profi fließen, damit der Upswing auch einen langfristigen Nutzen hat. So profitiert man von Lernbemühungen deutlich mehr, wenn man sich gerade in einer Zeit befindet, in der man die Kosten dafür mit mehr Leichtigkeit rechtfertigen kann.
Weitere hilfreiche Einblicke dieser Art findet ihr auch zuhauf in Dara O'Kearneys neuem Buch GTO Poker Simplified.