Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Die Kunst des effektiven Lernens

Jared Tendler präsentiert uns pünktlich für die Neujahrsvorsätze den ultimativen Leitfaden, um jede beliebige Fertigkeit schnell und reibungslos zu meistern – natürlich auch Poker!





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Jared Tendler

Die eigene Leistung zu verbessern, ist ein langwieriger Prozess. Dieser Fortschritt lässt sich durch das sogenannte Inchworm-Konzept beschreiben, das ich bereits in der zweiten Hälfte meines Blogs über Perfektionismus ausführlich beschrieben habe. Die Art und Weise, wie sich eine kleine Raupe fortbewegt, veranschaulicht den Fortschritt auf eindrucksvolle Weise und verdeutlicht, dass sich das A-Game nur im Zusammenspiel mit dem C-Game verbessern lässt, um das Leistungsniveau über das gesamte Fähigkeitenrepertoire hinweg zu steigern.

Bei der Leistungssteigerung spielt das Lernen eine entscheidende Rolle. Das A-Game lässt sich nur durch den Erwerb neuer Fähigkeiten verbessern, während es beim C-Game darauf ankommt, gängige Fehler zu korrigieren. Ein harmonisches Zusammenspiel dieser beiden Aspekte ist essenziell, um das mentale Spiel auf ein neues Niveau zu heben.

Die Effizienz des Lernens zu steigern, wirkt sich maßgeblich auf die gesamte persönliche Entwicklung aus. In diesem Zusammenhang möchte ich ein Lernmodell speziell für Erwachsene vorstellen, das wertvolle Einblicke in den Verlauf des Lernprozesses gewähren kann.

Ein Lernmodell für Erwachsene

Beim Erwerb einer Fertigkeit durchläuft man vier klar definierte Stadien. Je genauer man sich seiner eigenen Ziele bewusst wird, desto effektiver gelingt es, mithilfe dieses Modells die generellen Schwächen der eigenen Lernstrategie zu identifizieren. Im Folgenden habe ich diese Stadien anhand eines Beispiels ausführlich beschrieben.

Stadium 1: Unbewusste Inkompetenz

In dieser Phase offenbart sich ein toter Winkel auf einem Bereich, von dem man bislang nicht wusste, dass er Schwächen aufweist. Tatsächlich verfügt man noch nicht einmal über ausreichendes Wissen, um zu erkennen, wo genau diese Schwächen liegen. Dieses Stadium ist durch eine latente Unwissenheit des eigenen Unvermögens gekennzeichnet.

Stadium 2: Bewusste Inkompetenz

Beim Erreichen dieser Phase ist es mittels tiefgehender Reflexion und gründlicher Analyse bereits gelungen, Bereiche zu identifizieren, die es zu verbessern gilt. Doch dieses Bewusstsein allein impliziert noch keine automatische Entwicklung von Fähigkeiten oder Kompetenzen. Ein häufiges Missverständnis besteht darin anzunehmen, dass die reine Identifikation des Problems bereits den Schlüssel zur Lösung mit sich bringt. Auch wenn dies gelegentlich zutreffen mag, ist die Anerkennung der eigenen Schwächen genau der richtige Ausgangspunkt für eine gezielte Weiterentwicklung.

Stadium 3: Bewusste Kompetenz

In diesem Stadium hat man bereits erfolgreiche Fortschritte bei der Bewältigung einer Unzulänglichkeit erzielt. Innerhalb dieses Stadiums gibt es jedoch verschiedene Abstufungen. Das Vertrauen in seine eigenen Kompetenzen erleichtert es einem, die zugrunde liegenden Konzepte zu verinnerlichen und selbstreflektiert Anpassungen vorzunehmen. Sollte man jedoch durch Erschöpfung aus dem Gleichgewicht geraten und in alte Muster zurückfallen, sind weitere Bemühungen nötig, um dieses Stadium nachhaltig abzuschließen und zur nächsten Entwicklungsstufe übergehen zu können.

Stadium 4: Unbewusste Kompetenz

Die in diesem Stadium erworbene Fähigkeit erlaubt es jemandem, selbst unter extremen Bedingungen konsequent und präzise auf sein Wissen zuzugreifen, ganz ohne bewusstes Nachdenken. Die Tragweite dieses Kompetenzniveaus darf nicht unterschätzt werden. Unbewusste Kompetenz stellt gewissermaßen den heiligen Gral der Kompetenzen dar, und all unsere Anstrengungen, sei es auf technischer oder mentaler Ebene, sollten darauf ausgerichtet sein, dieses Ziel zu erreichen.

Gängige Beispiele

Vermutlich erkennt jeder persönliche Lernerfahrungen in diesen Entwicklungsstufen wieder. Ein gängiges Beispiel für einen Lernprozess bei Erwachsenen ist der Erwerb des Führerscheins.

Erinnerst du dich daran, als du dir als kleines Kind vorgestellt hast, ein Auto zu fahren? Damals wusstest du kaum, was ein Auto überhaupt ist, geschweige denn, wie man es steuert. Das entspricht dem Zustand der unbewussten Inkompetenz. Als Teenager fassen die meisten vermutlich zuversichtlich den Entschluss, den Führerschein zu erwerben, nur um sich bei ihren ersten Fahrversuchen schmerzlich ihrer eigenen Inkompetenz bewusst zu werden.

Erinnere dich an deine ersten Fahrversuche: Lenken, Gas geben, die Straße im Blick behalten – all das gleichzeitig, während man stets bereit sein muss, mit unvorhersehbaren Situationen umzugehen. Dabei musstest du bewusst über all diese Dinge nachdenken, um dich selbst und andere nicht zu gefährden. Das ist ein Paradebeispiel für das Abrufen bewusster Kompetenz.

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Nach Jahren des Fahrens denkst du nicht mehr über jede einzelne Handlung nach, die zum Autofahren erforderlich ist. Du kannst das Fahren, das Hören von Musik, das Gespräch mit Passagieren, selbst unter widrigen Wetterbedingungen, mühelos bewältigen – alles ganz natürlich und ohne viel Nachdenken. Das Fahren ist jetzt zu einer Fertigkeit geworden, die auf das Niveau der unbewussten Kompetenz angewachsen ist.

Damit möchte ich keineswegs anraten, mit Autopilot zu pokern. Ein Pokerspieler sollte das Spiel vielmehr wie ein professioneller Rennfahrer angehen, der sein Rennen mit bewusster Präzision bestreitet.

Die unbewusste Kompetenz steigert sämtliche Grundfertigkeiten und bildet das Fundament deines C-Games, da du deinen Geist von der Last befreist, über Fähigkeiten nachdenken zu müssen, die zuvor bewusste Aufmerksamkeit erforderten. Erst dadurch gelingt es, die nötigen Ressourcen bereitzustellen, um auch seine absolute Bestleistung zu steigern.

Typische Fehler

Nachdem ich die verschiedenen Stadien beschrieben habe, möchte ich noch kurz auf unterschiedliche Lernstile eingehen, bevor ich typische Fehlerquellen aufzeige. Einige Lernende erzielen die besten Ergebnisse beim Lesen, während andere lieber zuhören. Manche benötigen auch eine Kombination, weshalb viele Käufer meiner Hörbücher sich zusätzlich das Taschenbuch zulegen. Ein weiterer Unterschied besteht zwischen Videoinhalten und realen Erfahrungen. Doch unabhängig vom bevorzugten Stil bleiben sowohl die Stadien als auch die gängigen Fehler gleich. Die beiden häufigsten Fehler sind zum einen der Versuch, zu viele Dinge gleichzeitig zu bewältigen, und zum anderen eine mangelnde Selbsteinschätzung.

Bestleistungen sind nur mit einem energiegeladenen, klaren und fokussierten Geist zu erzielen. In der Regel ist es nicht ratsam, viele Dinge gleichzeitig zu lernen. Wer versucht, an verschiedenen Aspekten des Spiels gleichzeitig zu arbeiten, wird seinen Fortschritt insgesamt verlangsamen. Die richtige Dosis zu finden, ist essenziell, und das Lernmodell für Erwachsene hilft dir zu verstehen, warum.

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Ein klarer Geist bildet die Grundlage

Wenn man bewusst Fertigkeiten abruft, beansprucht man Ressourcen in seinem Gehirn, die man letztendlich freigeben möchte. Damit sich der Geist unbeschwert einem bestimmten Fachgebiet widmen kann, ist es unerlässlich, frei von mentalen Problemen zu sein. Sobald mentale Anstrengung erforderlich ist, um Emotionen zu bewältigen oder Fertigkeiten abzurufen, fehlen die dafür aufgewendeten Ressourcen an anderer Stelle.

Eine weitere häufige Fehlerquelle besteht darin, sich selbst zu viel abzuverlangen. Dabei offenbart sich ein subtiler Übermut, der auf mangelnde Selbstreflexion zurückzuführen ist. Es wird unterschätzt, welch enorme Wirkung eine gute Vorbereitung und ein klarer Geist auf den mentalen Zustand haben. Obwohl das Gefühl aufkommen mag, die neuen Fähigkeiten seien gefestigt, zeigt sich die wahre Kompetenz erst unter erhöhtem Druck oder nach längeren Unterbrechungen.

Erreichen der unbewussten Kompetenz

Wenn wir von der unbewussten Kompetenz als Nonplusultra des Lernens sprechen, stellt sich die Frage, wie man dieses Ziel am schnellsten erreicht. Die gute Nachricht ist, dass es konzeptuell recht einfach ist, allerdings ist die schiere Menge an Wiederholungen in unterschiedlichen anspruchsvollen Situationen nicht von heute auf morgen zu erreichen.

Für den Aufbau von Expertise ist eine kontinuierliche Anstrengung mit erheblichem Zeitaufwand unumgänglich. Dennoch lässt sich der Prozess durch gezielte Strukturierung signifikant beschleunigen. Die Vorbereitung auf ein hohes Leistungsniveau eröffnet gleichzeitig optimale Bedingungen für effektives Lernen. Ständige Selbstreflexion und Analyse der eigenen Leistungen ermöglichen es, den Fokus auf kommende Herausforderungen gezielt auszurichten und bei Bedarf anzupassen.

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Unbewusste Kompetenz bedeutet, dass Entscheidungen automatisch erfolgen

Den Zustand der unbewussten Kompetenz zu erreichen, könnte auch beschleunigt werden, indem man eine andere Perspektive einnimmt. In meinen Live-Streams Office Hours stelle ich die mentalen Strategien und Konzepte auf leicht abgewandelte Art und Weise vor.

Pausen spielen eine wesentliche Rolle auf dem Weg zur unbewussten Kompetenz. Auf den ersten Blick erscheinen Pausen störend für den Lernprozess, doch das bewusste Vorbereiten einer Auszeit kann Wunder wirken. Mit der Dokumentation der eigenen mentalen Verfassung wird einerseits der Geist geläutert und andererseits ein Leitfaden für die gestärkte Rückkehr geschaffen. Dadurch bleibt der Stand des eigenen Lernprozesses präsent und erinnert einen an die Bereiche, an denen man zukünftig arbeiten sollte.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Lernstadien für jeden gleich sind. Der Unterschied liegt in der Art und Geschwindigkeit, mit der man diese Stadien bewältigt, und genau hier kann man sich einen entscheidenden Vorteil erarbeiten.

Welche Lernmethoden bevorzugt ihr? Wir freuen uns auf eure Kommentare!