"Macht euch nichts aus der Varianz": hasufly ist nicht nur Coach, sondern auch engagiert in den Handbewerterforen am Start. Mit uns sprach er über die Passion zur Analyse, die tragende Säule PokerStrategys und "den tiefen Durst nach bösem Zynismus".
Das Interview führte funmaker
PokerStrategy: Hallo hasufly! Stell Dich doch bitte kurz vor!
hasufly: Kein Problem! Außerhalb des Internets heiße ich Julius und gehe noch ein Jahr zur Schule, genauer gesagt auf ein öffentliches Gymnasium. Neben dem Poker spiele ich Fußball, Billard und gehe zum Fitness. Meistens mit meinen Freunden, mit denen ich auch den Rest der Zeit abhänge.
PokerStrategy: Das erste Geheimnis, was hier gelüftet werden muss: Wie bist Du auf Deinen Nickname gekommen? Gibt es dazu eine kleine Geschichte?
hasufly: Das kann ich in der Tat aufklären. Der Nick stammt aus meiner Warcaft III-Zeit, ein RTS-Game, das ich damals semi-professionell gespielt habe. Da die Asiaten in solchen Spielen so ziemlich alles wegpwnen, fand ich es cool, auch einen Namen mit asiatischem Touch zu wählen.
"hasu" ist das Gegenteil von "gosu" - frei übersetzt aus dem Koreanischen bedeutet es "hohe Hand" und ist ein Synonym für einen sehr guten Spieler. Außerdem ist es eine herablassende, überhebliche Bezeichnung für einen Anfänger - einen Newbie. Frühe Ansätze von Deception quasi. Der zweite Teil des Namens ist dagegen völlig random und hat keinen besonderen Hintergrund.
PokerStrategy: Du bist Coach bei PokerStrategy, und bald erscheint ein Video von
Dir. Was wirst Du in Zukunft coachen, und was können die User
von Dir erwarten?
hasufly: Grundsätzlich coache ich erstmal alle Limits zwischen 1/2 und 5/10 - je nach Bedarf. Es liegt jedoch nicht in meiner Hand, wo ich im Endeffekt eingesetzt werden werde. Erwarten können die User auf jeden Fall eine Menge Motivation und hoffentlich auch recht gute didaktische Fähigkeiten.
PokerStrategy: Wie bist Du eigentlich auf die Idee gekommen, Dich als Coach zu bewerben?
hasufly: Es hat mich schon immer fasziniert, bekannte Inhalte in verbesserter Form aufzubereiten und mit minimiertem Aufwand den gleichen oder einen höheren Lerneffekt zu erzielen. Ich bin niemand, der wissensdurstig nach neuen Erkenntnissen forscht. Vorhandene Dinge maximal zu abstrahieren, das ist meine Stärke. Ich hatte daher schon immer großen Spaß am "Coaching", sei es in der Schule, bei WCIII und nun auch beim Pokern.
Schon vor meiner Zeit bei PokerStrategy habe ich Lehrvideos aufgenommen, diese sind immer noch im Videoforum zu finden. Eine Bewerbung als Coach war daher nur die logische Folge.
PokerStrategy: Wer sich Deine Beiträge im Forum anschaut, wird feststellen, dass Du eine ganz besondere Vorliebe für das Handbewertungsforum hast. Wie kam es dazu, und was fasziniert Dich daran?
hasufly: Was ich an Poker besonders liebe, ist der analytische Approach. Nirgendwo wird diese - meiner Meinung nach wichtigste - Fähigkeit besser trainiert als in den Handbewerterforen. Ich bin bei PokerStrategy, um meine Skills permanent zu erweitern, nicht um über off-topic-Themen zu diskutieren.
Ich kann wirklich jedem Spieler nur dazu raten, mindestens 1/4 bis 1/3 seiner Pokerzeit in diesen entsprechenden Foren zu verbringen! Eine einzelne Hand zu analysieren, bringt mehr als 100 Hände selbst zu spielen, ohne sie so ausführlich zu hinterfragen wie es dort Tag für Tag geschieht. Thumbs up für alle Handbewerter, ihr seid die tragende Säule PokerStrategys!
PokerStrategy: Gibt es auch Tage, wo Du Dir sagst: "Ich kann keine Karten mehr sehen!"?
hasufly: Nein, die gibt es nicht. 😉
PokerStrategy: Stöberst Du auch ab und zu ein bisschen in anderen Foren?
hasufly: Defintiv! Bei PS.de bin ich noch regelmäßig im BBV anzutreffen, wo mein tiefer Durst nach bösem Zynismus zumindest zu einem kleinen Teil gestillt wird. Ansonsten bin ich täglich auf 4chan im /b/, auf readmore.de - mit der esports-Szene bin ich immer noch tief verwurzelt - und in einem weiteren privaten Forum unterwegs.
PokerStrategy: Nun zu Deiner Pokerkarriere: Du bist FL Spieler. Welches Limit spielst Du derzeit? Bei welchem Anbieter spielst Du, und wie läuft es?
hasufly: Momentan spiele ich 10/20 auf PokerStars, meistens 6max, allerdings werde ich in nächster Zeit auch verstärkt heads-up trainieren. Dass es überdurchschnittlich gut läuft, kann ich allerdings nicht behaupten, da ich irgendwie schon meine ganze Pokerkarriere über underperforme 😛 Nur im Casino hab ich regelmäßig die Luckbox an, wobei es mir umgekehrt allerdings definitiv lieber wäre.
PokerStrategy: Du hast ja auch schon einen Ausflug zu NL gemacht. Hast Du dort aufgegeben oder nur eine Pause eingelegt?
hasufly: Diese Weiterbildung in Sachen NL findet auch hauptsächlich wegen meiner Casinobesuche statt, wo ich regelmäßig NL 200 oder 500 spiele - je nach Fischdichte. Ich denke schon, dass ich den Thread in Zukunft nochmal reaktivieren werde, allerdings ist das Projekt No-Limit definitiv nicht das Zentrum meiner Aufmerksamkeit.
PokerStrategy: Dein Aufstieg in den Limits war sehr kontinuierlich. Gab es zwischendurch auch mal eine Durststrecke? Und wenn, wie bist Du damit umgegangen?
hasufly: Ich bin zwar seit 2006 angemeldet, pokern tue ich allerdings in der Tat erst seit dem 1. November 2007, wie auch in meinem Blog nachzulesen ist. Ich habe durchgehend sehr viel Zeit in Theoriearbeit bzw. Handbewertungen gesteckt, um in minimaler Zeit so schnell wie möglich in den Limits aufzusteigen. Dazu fahre ich seit kurzem ein aggressives 400 BB-BRM. Dies kann ich jedoch nur Spielern empfehlen, die immer versuchen ihre komplette Edge auszuspielen und auch kein Problem mit Limitabstiegen haben. Dabei kann es oft passieren, dass ich aufgrund der Swings zwischen den Limits 10/20 und 5/10 schwanke, was jedoch überhaupt kein Problem darstellt, da mein Hauptaugenmerk absolut auf der Skillverbesserung und in keiner Hinsicht auf dem Erspielen einer möglichst großen Bankroll liegt.
Meine bisher größte Durststrecke war ein 600 BB-Downswing auf 5/10, der meine Bankroll mehr als halbiert hat. Wie ich das genau überstanden habe - keine Ahnung. Auf jeden Fall bin ich noch am Leben und besser als zuvor. Vielleicht sollte ich mal wieder in meinem eigenen Blog lesen.
PokerStrategy: Würdest Du sagen, das die hohe Zahl von bewerteten Händen, die Du gesehen hasst, der Schlüssel zum Erfolg für Dich waren bzw. sind?
hasufly: Definitiv! Rückblickend kann ich sagen, dass Videos und Handbewertungen mich am weitesten nach vorne gebracht haben, Pokerbücher am wenigsten. Die einzigen, die ich guten Gewissens weiterempfehlen kann, sind "Winning in tough Holdem Games" und "Middle Limit Holdem Poker", den Rest findet man in besserer Form auch als Artikel auf PokerStrategy.
PokerStrategy: Was macht Pokern für Dich so interessant, und welche Ziele hast Du Dir für Deine Karriere gesetzt?
hasufly: Wie schon zuvor erwähnt, fasziniert mich vor allem der analytische Ansatz des Pokerspiels. Ich bin auch allgemein ein sehr analytisch und strategisch denkender Mensch. Außerdem bin ich ein Spielertyp. Ich könnte mir im Moment nicht vorstellen, mal mit einem gewöhnlichen Beruf mein Geld zu verlieren, wenn dann höchstens in der Wirtschaft oder an der Börse. Aber wie heißt es so schön, jeder wird mal erwachsen und von daher will ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zuviel versprechen.
Meine Ziele sind momentan jedoch ganz klar die Ausmerzung meiner psychologischen Probleme wie Konzentrationsschwäche, leichte Ergebnisorientierung, ein noch nicht 100% rationaler Attempt zum Pokerspiel und parallel natürlich die Verbesserung meiner Edge.
PokerStrategy: Jetzt die Kultfrage, auf die alle schon gewartet haben: Wie bist Du eigentlich damals auf PokerStrategy aufmerksam geworden?
hasufly: Ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr erinnern. Vermutlich hat jedoch jemand Werbung in einem der zahlreichen eSportsforen gemacht. Was ich jedoch noch sehr gut (oder auch schlecht) in Erinnerung habe, ist dass seit dieser Zeit meine Verteilung WCIII 100% zu Poker 0% immer mehr Richtung Poker tendierte. Somit verlor ich ich kurz vor meinem großen Durchbruch inklusive Angebote einiger Topclans jegliche Motivation für das Spiel. Im Nachhinein bereue ich die Entscheidung für Poker jedoch auf keinen Fall!
PokerStrategy: Warum sollte jemand, der mit dem Pokern beginnen will, Deiner Meinung nach seinen Weg mit PokerStrategy gehen?
hasufly: PokerStrategy bietet einem neuen Pokerspieler bis hin zu den hohen Midstakes eine komplette Grundausbildung und ist meiner Meinung nach bis heute ohne Alternative. Das vielseitige Format von Artikeln, Videos über Coachings bis hin zu den Handbewertungs- und Diskussionsforen ist einfach nicht zu überbieten. Andere Videoplattformen können für Highstakesspieler vielleicht ergänzende Funktionen einnehmen, PokerStrategy ersetzen können sie jedoch nicht. Auch wenn es im Moment leider an Highstakes-Videoproduzenten und Coaches mangelt, denke ich, dass PokerStrategy auch dieses Problem lösen wird, um damit seinen Status als unangefochtene Nr.1 im Biz gekonnt zu behaupten.
PokerStrategy: Wir kommen langsam zum Ende. Aber vorher noch ein Hinweis auf Deinen Blog. Was hat Dich dazu bewogen, dort so viel Arbeit und Zeit zu investieren?
hasufly: Ich wollte einfach von Anfang an das Maximum aus mir herauskitzeln, und das geht nur durch ständige Reflexion. Ich musste mich vor meinen Lesern regelmäßig rechtfertigen, Fehltritte waren daher einfach nicht drin, dies hat mich noch mehr angespornt. Es ist außerdem doch schön, zurückblicken zu können und seine eigene Karriere so perfekt dokumentiert aufzufinden, wenn man erstmal auf dem Top of the Pops angekommen ist.
PokerStrategy: Die letzten paar Wochen hatte Dein Blog scheinbar "Sommerpause". Wann gibt es wieder Neuigkeiten?
hasufly: Die wird es definitiv geben. Ich habe meine eigene goldene Regel gebrochen, meinen Blog nicht zu vernachlässigen, und darum werde ich in Zukunft dort wieder aktiver werden. Genauer gesagt war es keine Sommerpause, sondern eine Pause vor dem Sommer. Diesen Sommer werde ich jede freie Minute dem Theoriestudium und dem Pokerspiel allgemein widmen, sofern es die Hobbies zulassen.
PokerStrategy: So, es ist geschafft, nun bist Du also berühmt! Das Interview ist fast zu Ende. Auch für Dich gibt es natürlich zum Schluss noch die Möglichkeit loszuwerden, was unbedingt mal gesagt werden muss!
hasufly: Grüßen möchte ich niemanden, da von meinen Freunden leider sowieso niemand pokert. Allerdings habe ich ein paar Tipps für alle aufstrebenden Pokerspieler: Macht euch nichts aus der Varianz, denn durch Varianz verliert man kein Geld! Wer das verstehen kann, dem stehen auf seinem Weg an die Spitze nur noch eigene Faulheit und mangelnde Disziplin im Wege.
Ein weiterer Tipp ist: Skill ist wichtiger als eine Bankroll. Geld einzahlen oder sich staken lassen kann man immer, Skill aber muss man sich hart erarbeiten! Also macht euch nichts aus monetären Rückschlägen, alles was zählt ist die eigene Edge, und dass ihr permanent an euch arbeitet! Ein Tag, an dem ihr spielt, ohne euer Spiel zu hinterfragen, ist ein verlorener Tag! In dem Sinne: Macht's gut, und hoffentlich bis bald in meinem Coaching!
PokerStrategy: Vielen Dank für die Zeit, die Du Dir genommen hast. Wir sind schon sehr gespannt auf Deine Coachings und wünschen Dir für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg!