Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Drei Exploits gegen typische Fehler am Turn

Manchmal ist es ratsam, die guten GTO-Manieren zu vergessen und bei soften MTT-Feldern auf Exploits zu setzen. Wir haben drei Tipps zu typischen Tendenzen für eure Gelddrucker-Blaupause!





Dara O Kearney
Dara O'Kearney 

Bei Live-Turnieren mit schwächeren Spielern lassen sich gerade auf dem Turn häufig wiederkehrende Fehler beobachten. Daher sollte man wahrscheinlich besonders am Turn eine Strategie vorziehen, die vom GTO abweicht. 

Heute möchte ich auf drei typische Fehler am Turn eingehen und passende Strategien vorstellen, um diese effektiv auszunutzen. 

Zunächst einmal gibt es die sogenannten Betting-Stations. Diese Spieler fallen durch eine enorm hohe Setzfrequenz auf und sind nur durch Raises von ihrem Plan abzubringen. Gegen diesen Spielertyp sollte man von Donktbets gänzlich absehen und mit den starken Händen erst auf dem River raisen. Raises mit Bluffs und Semibluffs eigenen sich hingegen hervorragend, um ihre weite Betting-Range zu attackieren.

Die ewigen Trapper

Dara O Kearney

Dann gibt es solche Spieler, die ihre starken Hände zu selten check/raisen. Dieser Spielertyp check/callt im Schnitt mit stärkeren Händen, als er es theoretisch sollte. Als Folge dessen sollte man auf dünne Valuebets verzichten und seltener bluffen, als man es gegen einen Spieler mit ausgewogener Range tun würde.

Viele Spieler dieser Art halten sich an das alte Motto "Wenn du den Turn callst, musst du auch den River callen", welches nicht ferner von der Wahrheit liegen könnte. Wenn solch ein Spieler also den Turn callt, sollte man nicht versuchen, ihn am River zu bluffen.

Auf der anderen Seite eignen sich Semibluffs am Turn mit starken Draws vorzüglich, um den schwächeren Teil ihrer Range zu attackieren, da diese Spieler vermutlich schwierige Spots am River mit marginalen Händen vermeiden werden. Darüber hinaus bietet solch ein Spielzug enorme Implied Odds, falls sich der starke Draw am River materialisiert. Dieser Spielertyp wird geneigt sein, das Raise am Turn mit seinen starken Händen nur zu callen, um seine scharf gestellte Falle weiterhin zu verbergen.

Das Theorem der Amerikaner

Dara O Kearney
Beim Live-Poker neigen einige zu Fehlern auf dem Turn

Schließlich sind noch diejenigen Spieler zu nennen, die ihre starken Hände zu selten check/callen. Einige sind ganz versessen darauf, ihre Hand zu schützen und scheinen den Gedanken nicht zu ertragen, auf späteren Straßen überholt zu werden. Als Konsequenz check/raisen viele all ihre starken Hände sowohl auf dem Flop als auch auf dem Turn, obwohl ihnen dadurch viele lukrative Spots entgehen.

Das "Theorem der Amerikaner" ist eine Bezeichnung, die auf meinen Freund Niall Farrell zurückgeht und besonders bei amerikanischen Live-Spielern weit verbreitet ist. Aufgrund ihres übermäßigen Bestrebens, starke Hände zu schützen, lässt sich folgern, dass Spieler, die auf ein Check-Raise verzichtet haben, am River mit einer gecappten Range landen. Daher kann man in diesem Szenario profitabel als Bluff All-in gehen und muss lediglich ein zufällig getroffenes Set oder Draw am River fürchten.

Mit dem Wissen, dass der Gegner am River ein eingeschränktes Spektrum von Händen hält, sollte man im Umkehrschluss eine subtile Einsatzhöhe für Valuebets wählen.

Weitere strategische Einblicke von Dara O'Kearney findet ihr jederzeit auch in seinem Buch Endgame Poker Strategy: The ICM Book.