Einsteiger-Experte Paxis im Interview
Unser langjähriger Coach steht heute Frage und Antwort. Im ersten Teil sprechen wir über eine Flucht, die Anfänge und den Höhepunkt seiner Pokerkarriere und wie Paxis zum Coach wurde.

Das letzte Interview mit unserem beliebten Einsteigercoach, Blackmember und Foreninstitution ist bereits viel zu lange her. Umso schöner, dass sich Paxis die Zeit genommen hat, um mit uns über die Anfänge seiner Laufbahn, seinen neuen Einsteiger-Kurs und andere lustige Anekdoten aus den guten alten Zeiten zu sprechen.
Hallo Paxis, vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst. Vielleicht stellst du dich kurz vor für diejenigen, die dich noch nicht kennen.
Paxis: Hallo und danke für die Möglichkeit. Ich bin bereits seit Mai 2008 als Coach für PokerStrategy.com tätig. Mittlerweile betreue ich den aktuellen Einsteigerkurs für die Bigstack-Strategy. Zusammen mit meinem Kollegen und Cash-Profi FaLLout86 haben wir mithilfe der Community die wohl aktuellsten Ranges gebastelt.
Einsteigerstrategie inklusive neuer Preflop Charts und Postflopartikel
Bestimmt hast du einige witzige Anekdoten von früher zu erzählen: Was hast du vor dem Pokerboom gemacht?
Paxis: Puh, das ist schon lange her, und bevor das mit dem Poker bei mir losging, bin ich gerade 18 geworden. Damals habe ich eine Ausbildung zum Softwaretechnologen gemacht und abgeschlossen.
Die wirklich “witzigen” Anekdoten sind aber erst mit meinem Eintauchen in die Pokerwelt entstanden. Wobei mir gerade einfällt, dass ich damals Yu-Gi-Oh gespielt habe und dafür durch Deutschland gefahren bin, um die Turniere zu besuchen. Einmal bin ich mit einer Gruppe von 5 Personen über 500 km nach Bremen gereist. Bei dem Turnier waren, wenn ich mich richtig erinnere, über 1200 Teilnehmer. Weit gekommen bin ich leider nicht.
Da die Community total unterschiedlich vom Alter war, war der Jüngste in unserer Gruppe erst 14. Wir waren schon in der Vergangenheit gemeinsam auf Turnieren, aber mehr in der Nähe unserer Wohnorte. In diesem Fall brauchte er natürlich die Erlaubnis der Eltern, zumal wir mitten in der Nacht losfuhren. 1 Uhr müsste das gewesen sein. Er sagte uns, dass er mitdürfe, aber am Ende hat sich herausgestellt, dass er sich einfach nachts rausgeschlichen hat. Wir waren da wohl etwas naiv und hätten die Eltern selbst fragen sollen.
Ende vom Lied war, dass der damalige Fahrer mein Angebot ausgeschlagen hat, dass ich mit der Rückfahrt starte. Wir hatten uns bereits auf dem Hinweg abgewechselt, damit er schlafen kann. Obwohl er kaum geschlafen hatte und Fahranfänger war, meinte er, er wäre noch fit genug. Also habe ich auf der Fahrt geschlafen und wurde 50 Kilometer hinter Bremen geweckt. Der Fahrer war eingeschlafen, ist erst einmal gegen die rechte und dann zweimal gegen die linke Leitplanke geknallt – Totalschaden. Uns ist aber glücklicherweise nahezu nichts passiert.
"Paxis der Fluchthelfer"
Einer der Mitfahrenden hat in absoluter Dunkelheit und unter Schock seine Mütze auf der Autobahn gesucht. Ich musste ihn dann erstmal hinter die Leitplanke holen. Im Anschluss kam die Polizei, ein Krankenwagen war nicht notwendig. Zu allem Überfluss ist später noch ein Auto in die Absperrung gerast - zum Glück ebenfalls nur ein Blechschaden.
Während wir auf den Abschleppdienst warteten, klagte unser Jüngling über starke Schmerzen und es stellte sich heraus, dass er den Krankenwagen nur abgelehnt hatte, weil seine Eltern nicht wußten, dass er sich davon geschlichen hatte - auch wir hatten keine Ahnung.
Am Ende sind wir dann mit dem Zug zurückgefahren. Da wir kaum noch Geld hatten, konnten wir uns nur ein Ticket für das erste kurze Stück leisten. Den Rest sind wir notgedrungen schwarz gefahren und hatten das Glück, tatsächlich nicht kontrolliert zu werden.
Der 14-jährige “Ausreißer” hat uns im Nachhinein erzählt, dass er zu Hause so getan hat, als ob er einfach bei einem Freund gewesen wäre. Um die Schmerzen zu erklären schnappte er sich sein Fahrrad, verbeulte es und gab vor, einen Unfall gehabt zu haben. Soweit ich mich richtig erinnere, hatte er zwei angebrochene Rippen.
Seit wann bist du auf PokerStrategy.com aktiv und wie haben deine Anfänge ausgesehen?
Paxis: Angefangen, Poker nach Strategie zu spielen, habe ich Ende 2006. Über den TV-Sender DSF bin ich auf PokerStrategy.com gestoßen. Dass man sich offiziell tracken lassen konnte, war noch ganz frisch und es gab damals nur PartyPoker zur Auswahl, also habe ich dort mit der Shortstack-Strategy (SSS-Strategie mit 20 Big Blinds) angefangen.
Allerdings bin ich nach drei Wochen auf Sit and Goes umgestiegen, nur um kurze Zeit später wieder zum Cash-Game zu wechseln. Jetzt konnte man sich auch über TitanPoker tracken lassen, daher habe ich auch direkt diese Plattform ausprobiert. Im Dezember 2007 habe ich der SSS-Strategie dann den Rücken gekehrt und mich intensiv mit der Bigstack-Strategie (BSS) auseinandergesetzt.
Wann war der Höhepunkt deiner Karriere?

Paxis: Ich würde sagen, zwischen 2009 und 2012. Das höchste Limit, das ich regulär gespielt habe, war NL2000 mit der Bigstack-Strategie. Begonnen hatte ich die BSS noch ganz klassisch auf Full Ring (10 Spieler am Tisch), bin dort bis NL1000 gekommen. Da der Traffic allerdings nicht sonderlich gut war, bin ich an Short-Handed-Tische gewechselt. Dort habe ich mich erneut von NL50 bis zu NL1000 hochgearbeitet.
Wann hast du beschlossen selbst als Coach zu fungieren und wie kam es dazu?
Paxis: Coach bei PokerStrategy.com bin ich seit. Mai 2008. Schon im Jahr zuvor stand ich in schriftlichem Kontakt, ganz klassisch auf ICQ, mit dem BSS-Coach Shagg. Wir saßen regelmäßig an denselben Tischen, er als Bigstack, ich als Shortstack, und da ich ihn aus dem Forum kannte, kamen wir auch abseits der Tische ins Gespräch.
Er erzählte mir irgendwann von einem Treffen aller Coaches in Münster, welches einmal im Jahr von PokerStrategy.com ausgerichtet wurde. Das klang nach viel Party und Spaß – aber natürlich stand auch die Weiterentwicklung im Fokus. Das war der Hauptgrund, weshalb ich mich bei PokerStrategy.com als Coach beworben habe.
Im Dezember 2007 hatte ich mich als SSS-Coach für Einsteiger beworben. Selbst war ich zwar schon auf die BSS gewechselt, habe aber als Reg bis NL600 SSS gespielt und später dann bis NL5000.
"NL5000 war das höchste Limit"
Für alle, die die Shortstack-Strategie nicht mehr kennen: Diese ist im Vergleich zur Bigstack-Strategie deutlich einfacher. So konnte ich problemlos NL2000 SSS spielen, obwohl ich mit der BSS nur auf NL400 unterwegs war. Die Varianz war allerdings deutlich höher bei der SSS.
Mein damaliger Ansprechpartner bei PokerStrategy.com meinte, dass sie gerade niemanden suchen würden und ich mich doch in ein paar Monaten wieder melden solle. Ich glaube, es war dann Februar oder März 2008, eben ein paar Monate später, als ich ihn nochmal über Skype angeschrieben hatte und gefragt habe, wie es mittlerweile aussieht.
Er konnte sich nicht mehr an unser Gespräch erinnern und hat gefragt, was ich denn coachen wolle. Nachdem ich sagte, SSS für Einsteiger, zeigte er sich begeistert und meinte, sie würden schon seit Monaten einen Coach dafür suchen – lol.
Danach habe ich ein Video von meinem Spiel erstellt und meine Gedanken dazu geteilt - zusätzlich verfasste ich auch noch einen Strategieartikel. Glücklicherweise war PokerStrategy.com von mir überzeugt und ich startete an der Seite des legendären Karlo123. Ich weiß noch genau, wie extrem aufgeregt ich war und wie wenig ich im ersten Stream gesprochen habe.
Das war der erste Teil mit unserem Experten Paxis. In den Kommentaren könnt ihr unserem beliebten Einsteigercoaching ebenfalls Fragen stellen, die in den weiteren Teilen beantwortet werden.
Im zweiten Teil des Interviews mit unserem Coachingveteran, der in Kürze folgt, geht es dann mit weiteren interessanten Fragen weiter.