Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Frühere Fehler beim Poker: Setminen

Die Auswertung von Solver-Simulationen zeigen, dass das Setminen in der Vergangenheit überbewertet wurde, so Dara O'Kearney in einer genaueren Analyse.

Zahlreiche Konzepte, die früher gängige Bestandteile moderner Pokertstrategie waren, sind heute nicht mehr zeitgemäß. Solver erlauben uns heutzutage ein tieferes Verständnis der Spieltheorie. In einem früheren Artikel haben wir in diesem Zusammenhang bereits das Thema Domination behandelt. Heute widmen wir uns dem für lange Zeit ebenfalls überbewerteten Setmining.

Sicher ist Setmining auch heute noch eine valide Strategie, besonders gegen callfreudige Gegner. Seine gute Tarnung macht das Set so zu einer extrem starken  Hand. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Solver bei Weitem nicht so viel setminen, wie es in der Vergangenheit empfohlen wurde.

Optimale Strategie mit kleinen Pocket Pairs

Werfen wir einen Blick darauf, wie ein Solver mit kleinen Pocket Pairs agiert. Wir sehen eine optimale 40BB-Range für den Big Blind gegen ein Raise vom Button.

set

In der Ära vor Solvern und GTO war folgende Betrachtungsweise verbreitet: "Die Chance ein Set zu treffen beträgt 8:1, also benötigen wir Implied Odds von 7,5:1, damit der Call profitabel ist." Gegen ein Minraise bei effektiven Stack von 40BB ist diese Bedingung erfüllt, da wir noch mehr als das Zehnfache auf späteren Streets gewinnen können. Der Solver liefert jedoch völlig andere Vorschläge: Mit allen Pocket Pairs werden Raises und All-ins bevorzugt.

In diesem Szenario erzielt ein aggressives Spiel mit kleinen Pocket Pairs laut Solver also einen höheren Profit als ein Call. Selbst gegen die weite Button-Range sind die meisten kleinen Pocket Pairs höchstens ein Coinflip. Durch aggressives Spiel gewinnen wir den Pot oft an Ort und Stelle, wohingegen wir nach einem Call häufig aufgeben müssen.

Betrachten wir jetzt, wie der Big Blind mit einem 40BB-Stack auf ein Raise aus früher Position reagiert:

poker

In solch einem Spot zieht der Solver wiederum einen Call mit allen kleinen Pocket Pairs vor. Da das Raise aus früher Position mit einer starken Range erfolgt, ist die Chance deutlich größer, dass man im Vergleich zur deutlich weiten Button-Range tatsächlich auch ausbezahlt wird, wenn man das Set trifft.

Set-Mining kann also nach wie vor die optimale Strategie sein, jedoch eher in spezifischen Fällen und nicht als Standardansatz wie in früheren Zeiten.

Ohne Set schwierig weiterzuspielen

Folgendes Szenario zeigt die schlechte Spielbarkeit von kleinen Pocket Pairs nach dem Flop. Der Big Blind callt gegen das Raise vom Button, der Flop zeigt K95 und der Big Blind checkt.

Die Grafik illustriert, wie und mit welchen Händen der Button fortfährt.

Late reg
Braun = Bet, Gelb = Check

Konzentrieren wir uns auf den Vergleich von Bottom Pairs (5x-Hände) und kleinen Pocket Pairs (88 und niedriger). Es fällt auf, dass der Solver mit den meisten Bottom Pairs eine Bet spielt, wohingegen mit den meisten kleinen Pocket Pairs ein Check bevorzugt wird. Obwohl 88/77/66 also stärker sind als ein Bottom Pair, zieht der Solver Bets mit genau diesen Bottom Pairs vor.

Der Grund ist, dass sie ein kleines Paar im Niemandsland befindet, wenn man damit den Flop verpasst. Zum einen hat man in dem Fall nur noch zwei Outs um sich zu verbessern, das Bottom Pair jedoch fünf. Zum anderen blockt ein Bottom Pair darüber hinaus auch einige starke Hände des Gegners.

Obwohl beide Handkategorien am unteren Ende der Range angesiedelt sind, zeichnet sich das Bottom Pair laut Solver durch eine bessere Spielbarkeit aus.

In vielen Fällen ist und bleibt Setmining die optimale Strategie. Mithilfe von Solvern verstehen wir nunmehr, in welchen Fällen aggressives Spiel mit kleinen Pocket Pairs profitabler ist.

Weitere hilfreiche Einblicke dieser Art findet ihr auch zuhauf in Dara O'Kearneys neuem Buch GTO Poker Simplified.