Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

"Fußball mit 100 Leuten auf dem Schlossrasen"

Black Member f4bianG war früher ein waschechter Grinder und berät heute als Rechtsanwalt Pokerspieler in Steuerfragen. Im Interview erzählt er uns von seinem bewegten Werdegang.

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Rechtsanwalt, YouTuber und ehemaliger Pokerspieler - ein Mann vieler Talente

Rechtsanwalt, YouTuber, Blogger, Golfer, Black Member – f4bianG, der im echten Leben Fabian Graske heißt, wird nicht so schnell langweilig. Wir haben den Tausendsassa im ausführlichen Gespräch getroffen.

Hallo Fabian! Du hast vor Kurzem einen Blog bei uns eröffnet, in dem du als Anwalt dein Wissen über die Steuerproblematik bei deutschen Pokerspielern teilst. Beginnen wir aber doch zunächst mit deiner eigenen Laufbahn an den Tischen, schließlich hast du es auch zum Black Member geschafft. Wann ging es für dich los und wie sah dein Einstieg aus?

f4bianG: Die ersten Hände spielte ich 2005 in der Schule. In Cottbus waren wir in der Zeit eine größere Gruppe an Hobbyspielern, die sich alle in dem Zeitraum bei PokerStrategy.com registrierten. Dann habe ich bis Februar 2009 ziemlich erfolglos vor mich hin gespielt und gewann im Jahr maximal 9.000 Euro. Anfang 2009 merkte ich, dass ich vom Mindset zu der Zeit einfach zu schwach war. Ich war kein klassischer Tilter, habe aber in Downswing-Phasen deutlich unter meinem Niveau gespielt. Da erkannte ich, ich kann mit Poker nur Geld verdienen, wenn ich einfach grinde und den Kopf ausschalte. Zu der Zeit gab es bei PokerStrategy.com noch die Top 250. Der Erstplatzierte, meist Caber, bekam für die meisten erspielten StrategyPoints im Monat $10.000. Als Jurastudent verfügte ich über 500 Euro im Monat von meinen Eltern plus etwa 500 bis 1.000 Euro an monatlichen Pokergewinnen. Also beschloss ich mich ein Semester nur aufs Grinden zu fokussieren, um mein Studium zu finanzieren. Ich wollte einfach nicht als klassischer Student von 500 Euro im Monat leben bzw. einen Nebenjob machen. Somit schloss ich mich mit zwei Freunden im März 2007 im Keller meiner Eltern ein und spielte knapp zehn Stunden am Tag.

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Meine Session sah so aus: Zwei 19" Röhrenmonitore, von denen einer unfassbar unscharf war, mit 24 Tischen NL200 befüllt, Film angemacht und los gegrindet. Hätte ich mich mehr aufs Spiel konzentriert, hätte ich wahrscheinlich nicht ausschließlich vom Rakeback leben müssen.

Am 25. des Monats war ich dann broke, lief aber auch etwa $10.000 unter EV. Also lieh ich mir von einem Freund $500 und setzte darauf, dass das "Glück" schon zurückkommt bzw. es einfach nur breakeven läuft, immerhin gab es ja Rakeback. Fünf Tage später verfügte ich wieder über eine Bankroll von knapp $4.000. Da ich im März aufgrund des Downswings zu großen Teilen nur NL50 spielte, machte ich kaum Punkte bei PokerStrategy.com und Stars. Ich wusste aber, wenn ich das noch einen Monat durchziehe und nur breakeven runne, sollte ich im April realistische Chancen auf fünfstellige Gewinne haben. Im April 2009 kam dann alles anders. Ich erlebte in den ersten 15 Tagen den Upswing meines Lebens. Ich spielte laut Hold‘em Manager über 30 Tage hinweg 10 Stunden am Tag, wurde Dritter oder Vierter in der Top 250 und verdiente nie wieder mehr Geld mit Poker als in diesem Monat. Das Studium war finanziert. Die restlichen Monate des Semesters spielte ich solide runter und studierte ab dem Wintersemester 2009 wieder ganz normal.

Fußball mit 100 Leuten auf dem Schlossrasen

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Hast du damals auch Diamond- oder Black-Member-Events von PokerStrategy.com besucht?

f4bianG: Meine erste Black-Member-Party müsste im Dezember 2009 in München gewesen sein. Dort lernte ich einige Leute kennen, insbesondere Zeegro, der mein weiteres Leben als Anwalt prägen sollte. Geile Party, aber es war nur der Anfang. Ich besuchte in der Folge alle Black-Member-Partys und war auch Teil der Party in Bensberg. Wer dabei war: Unfassbar! Um die einhundert 20-Jährigen spielten Fußball auf dem Schlossrasen vom Hotel. Ein Bild, das ich nie vergessen werde. Und auch sonst war die Party nicht die schlechteste in meinem Leben. Danach waren wir kaum noch auf Black-Member-Events in Deutschland, sondern hatten uns der russischen Community angeschlossen. So konnten wir an Partys in St. Petersburg, Kiew und Odessa teilnehmen. Allesamt waren spektakulär. An dieser Stelle, falls es die beiden noch gibt: Grüße an Boris, Marina und unsere Schneider Jörg und Jörg! Das Lebensgefühl, dass PokerStrategy.com damals durch die Partys geschaffen hat, war unfassbar. Ich profitiere noch heute stark von dieser Zeit.

Werft einen Blick auf den YouTube-Kanal von Fabian

Vom Pokertisch in den Gerichtssaal

Wann und wieso hast du mit Poker aufgehört?

f4bianG: So richtig professionell im Sinne des Einkommensteuerrechts habe ich nur in 2009 gepokert. Auch wenn ich davor und danach Geld verdient habe. Aber letztendlich musste ich mich ein Jahr vor meinem Examen entscheiden, ob ich Poker spielen oder Jura abschließen möchte. Beides hätte nicht funktioniert. Insbesondere die Tatsache, dass Poker ein schnelllebiges Geschäft ist und die theoretische Weiterentwicklung essenziell ist, zeigte mir schnell, dass ein wenig "grinden" nebenher bald nicht mehr funktionieren wird. Da ich mir nicht vorstellen konnte, dauerhaft Poker als Berufspieler zu spielen, entschloss ich mich dazu, Jura abzuschließen. Im Prinzip spielte ich danach bis heute nie wieder richtig professionell Poker. Aktuell plane ich nach Beendigung der diesjährigen Golfsaison die Sonntage zu nutzen, um ein paar Turniere mitzunehmen. Für Cashgame habe ich einfach zu wenig Zeit. Auch wenn ich nicht aus Geldgründen den Wiedereinstieg wage, sehe ich mit meinem Zeiteinsatz auf den Midstakes keine Chance auf realistische Gewinne. Als Turnierspieler könnte es zumindest auf einen Lucky Bink hinauslaufen. Schauen wir mal...

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Wieso hast du dich gerade für den Berufsweg des Anwalts entschieden und spielten deine Erfahrungen aus deiner Pokerlaufbahn dabei eine Rolle?

f4bianG: Ursprünglich wollte ich BWL studieren. Meine Mutter meinte jedoch, mit einem BWL-Abschluss kannst du nichts machen, was du nicht auch mit einem Jura-Abschluss machen kannst. Im Nachhinein eine großartige Entscheidung. Ich wollte immer etwas Klassisches studieren. Jura bietet einfach unfassbare Möglichkeiten. Dass ich mal Anwalt werde, hätte ich noch vor zehn Jahren niemals gedacht. Mittlerweile liebe ich es. Auch wenn ich mich mehr als Unternehmer sehe, empfand ich es als richtig und wichtig, einige Jahre klassische anwaltliche Mandate zu bearbeiten. Als guter Anwalt lernt man insbesondere einen Skill: Wie setze ich meine bzw. die Interessen meiner Mandanten durch. Dieser Skill hilft mir in allen Lebenslagen. Insgesamt muss ich sagen, zehre ich aus der Pokerzeit bis heute unfassbar. Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, was mir diese Zeit unabhängig vom Geld gebracht hat. Die größte Gemeinsamkeit zu meinem heutigen Beruf ist wohl die Tatsache, dass der Ausgang einer Hand, der Ausgang eines Verfahrens auch immer ein Stück weit vom Glück abhängig ist, aber auf Dauer setzt sich Qualität eben durch. Der größte Mehrwert ist aber die Community. Die meisten erfolgreichen Pokerspieler haben ein ähnliches Mindset. Auch wenn ich nur zu wenigen noch Kontakt habe, sind diese Personen bis heute prägend für mich.

Das war es mit dem ersten Teil unsere Interviews mit Fabian. Beim nächsten Mal geht es mit dieser interessanten Frage weiter:

Mittlerweile bietest du auf deiner Website auch ein spezielles Beratungspaket für Pokerspieler an. Was beinhaltet dieses und für welchen Typ Pokerspieler ist das interessant?

Hier geht es zu Website von Fabian

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