Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Gängige Irrtümer beim Laddering

Den Fokus nur auf den nächsten Preissprung zu legen, ist laut Dara O'Kearney der falsche Ansatz, um sich dem Konzept des ICM zu nähern.





Dara O Kearney
Dara O'Kearney 

Wenn Neulinge zum ersten Mal mit dem Konzept des ICM in Berührung kommen, leiten einige manchmal daraus ab, übermäßig tight zu spielen. Dabei verfehlen sie oft die wahre Bedeutung von ICM, indem sie das Konzept fälschlicherweise mit dem ständigen Streben nach dem nächsten Preisgeldsprung gleichsetzen. 

Der Begriff Laddering bedeutet, dass ein Spieler solange inaktiv bleibt, bis der nächste Preissprung eingetütet ist.

In Situationen, in denen ein Shortstack sein Turnierleben riskiert, kann Zurückhaltung Gold wert sein. Denn wenn zwei Spieler sich duellieren und für einen das Ausscheiden droht, sind alle Unbeteiligten Anwärter auf den nächsten Preissprung - und das ganz ohne Risiko.

Spieler legen häufig viel zu viel Wert auf den nächsten Preissprung. Das Problem dabei ist, dass man unausweichlich ausblinden wird, wenn man ständig nur foldet. 

Betrachten wir dazu eine Finaltisch-Konstellation, bestehend aus den Chipstacks und den jeweiligen Auszahlungen für jede Position:

Spieler Chips Möglicher Gewinn
Spieler 1 500.000 $10.000
Spieler 2 300.000 $7.500
Spieler 3 200.000 $5.800
Spieler 4 150.000 $4.000
Spieler 5 40.000 $2.800

Wenn Spieler 5 sein Turnierleben riskiert und Spieler 1 ihn isoliert, wäre es für Spieler 2 strategisch klug, sich mit einer marginalen Hand vornehm zurückzuhalten. Die unbeteiligten Spieler könnten sich hier ohne weiteres Zutun die nächste Auszahlungsstufe von $4.000 sichern.

Spieler 2 sollte jedoch nicht nur diesen einen Preissprung im Blick haben, sondern vielmehr sämtliche potenzielle Endpositionen berücksichtigen.

Für solche Berechnungen ist ICM genau das richtige Werkzeug. Hier sind die prozentualen Wahrscheinlichkeiten für jeden Spieler, in der jeweiligen Position zu landen:

Spieler 1. Platz 2. Platz 3. Platz 4. Platz 5. Platz
Spieler 1 42,0% 30,2% 18,4% 8,1% 1,3%
Spieler 2 25,2% 27,9% 25,3% 17,3% 4,3%
Spieler 3 16,8% 20,9% 26,2% 26,8% 9,3%
Spieler 4 12,6% 16,4% 22,6% 33,5% 14,9%
Spieler 5 3,4% 4,7% 7,4% 14,4% 70,1%

Bei der Entscheidung, ob Spieler 2 callen sollte, geht es nicht allein darum, den vierten Platz zu sichern. Es geht vielmehr darum, die Chancen auf die restlichen Platzierungen zu bewahren. Denn gemäß der Chipverteilung wird Spieler 2 zu 25,2% das Turnier gewinnen, während er zu 27,9% Zweiter und zu 25,3% Dritter wird. Insgesamt liegt die Wahrscheinlichkeit, dass er unter die Top 3 kommt, bei 78,4%. Ein weiteres Argument, sich nicht frühzeitig mit dem Bigstack anzulegen.

Für Spieler 4, der sich momentan auf Platz 4 befindet, ist die Lage weniger eindeutig. Seine Chance auf den Sieg beträgt lediglich 12,6%, während er zu 16,4% Zweiter und zu 22,6% Dritter wird. Insgesamt liegt die Wahrscheinlichkeit, dass er unter die Top 3 kommt, bei 51,6%, was bedeutet, dass er zu knapp 50% auf dem 4. oder 5. Platz ausscheidet. 

Die meisten Spieler überschätzen hier den Wert möglicher Preissprünge für Spieler 4. Meiner Meinung nach sollte Spieler 4 wesentlich größere Risiken eingehen als Spieler 2, da er in Bezug auf den Erwartungswert deutlich weniger zu verlieren hat. 

Während der Bubblephase stehen die Shortstacks unter erheblichem ICM-Druck, weil der Erwartungswert ihres Stacks so nah am Mincash liegt. An einem Final Table hingegen haben die Shortstacks deutlich größeren Anreiz, Risiken einzugehen, da sie viel weniger Equity riskieren als die mittleren Stacks.

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