High Stakes: Bluff oder Valuebet am River?
Bei einer weiteren spektakulären Hand der Triton Series gelingt es Jonathan Jaffe, seinen Kontrahenten dazu zu bringen, Aces in den Muck zu werfen.
Eine der besten Methoden, um Poker auf höchstem Niveau zu lernen, besteht meiner Meinung nach darin, sich Partien von Elite-Turnieren wie den Triton Series anzusehen und die gespielten Hände anschließend mit einem Solver wie GTO Wizard zu analysieren. Wenn die Entscheidungen der Spieler mit denen des Solvers übereinstimmen, lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Strategie zu werfen. Doch auch wenn sie davon abweichen, tun sie dies vermutlich nicht, ohne Hintergedanken.
Die besagte Hand stammt aus der Anfangsphase des $200.000 Invitational in Monte Carlo. Am ersten Turniertag sind die Profis und die Amateure zunächst noch unter sich, bevor das Teilnehmerfeld am zweiten Tag zusammengelegt wird.
It was almost too much to believe for Triton commentator Brian Rast! The unexpected played out as aces battled queens. pic.twitter.com/VlKhtlqYz9
— Triton Poker (@tritonpoker) November 25, 2024
Roman Hrabec eröffnet aus früher Position mit A♥A♦, während Jonathan Jaffe sich mit Q♦Q♥ für den Flatcall entscheidet. Beide Spieler verfügten zu diesem Zeitpunkt über 200 Big Blinds.
Auf dem Flop erscheint 2♠3♣T♣, und Jaffe check/callt die C-Bet seines Kontrahenten. Auf dem Turn fällt der J♦, woraufhin Hrabec eine Overbet spielt. Jaffe callt erneut, und der River bringt die T♠. Nun stapelt Jaffe seine Chips für eine Donkbet in Höhe des halben Pots und schiebt sie schließlich in die Mitte. Hrabec foldet und lässt die Kommentatoren fassungslos zurück.
Mit A♥A♦ schien ein Call fast selbstverständlich. Doch was sagt der Solver dazu?
Betrachten wir zunächst, wie Jaffe auf das Open-Raise von Hrabec reagieren sollte:

Überraschenderweise wird QQ und selbst KK überwiegend gecallt. Mit Stacksizes von 200 Big Blinds und mehr wäre es ein absolutes Desaster, mit QQ vor dem Flop seinen Stack zu riskieren. Dara O'Kearney hat erst kürzlich auf die Parallelen zwischen Deepstack- und Endgame-Szenarien hingewiesen.
Auf diesem trockenen Flop hat Hrabec als UTG-Raiser einen deutlichen Range-Vorteil. Entsprechend sind sowohl der Check von Jaffe als auch die Bet von Hrabec aus Solver-Sicht Standard.
Jaffes Reaktion auf die C-Bet:
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Obwohl die Range einige Raises enthält, wird QQ in diesem Spot nur selten geraist. Voraussetzung ist die Q♣, um Backdoor-Flushdraws abzudecken.
Der J♦ auf dem Turn bevorzugt die UTG-Range, da diese alle starken J-x-Kombinationen enthält. Die Range des Big Blinds sollte nun zunehmend polarisierter sein und fast ausschließlich aus starken und schwachen Händen bestehen.
Obwohl der Solver einige Leads für den Big Blind vorschlägt, bleibt QQ ein klarer Check, da diese Hand entweder klarer Favorit ist oder deutlich zurückliegt.
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Nach dem Check des Big Blinds wird für UTG folgende Strategie vorgeschlagen:
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Obwohl der Solver zwar keine Overbet vorschlägt, liegt Hrabec mit seiner Tendenz, groß zu setzen, goldrichtig. Der Solver favorisiert auf diesem Turn große Betsizes für Hände wie J-x, die zwar oft vorne liegen, aber anfällig sind. A♥A♦ fällt ebenfalls in diese Kategorie, vor allem, wenn die Asse keinen Kreuz-Blocker enthalten. Auch Wheel-Draws und Flushdraws werden hier aggressiv gespielt.
Jaffes Reaktion auf die große Bet am Turn:
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QQ ist laut Solver ein reiner Call. Ein Raise ist hier keine Option, da man viele Hände wie T-x und A-x aus dem Pot drängen würde.
Am River hat Hrabec eine stark polarisierte Range, während Jaffe laut Solver in dieser Situation zu 100 % checken sollte. Überraschenderweise landen sowohl QQ als auch KK im Muck, wenn Hrabec nach einem Check von Jaffe setzt. Zu Hrabecs Value-Händen zählen in erster Linie KK+ und T-x, während er mit verpassten Wheel- und Flushdraws blufft. Einige dieser potenziellen Bluffs, wie Q-x-Flushdraws, werden jedoch von Jaffes Damen geblockt.
Jaffes Blocker-Bet war vermutlich darauf ausgelegt, Hände wie J-x oder KK+ zu einem Call zu bewegen und gleichzeitig zu verhindern, dass sein Gegner selbst eine größere Bet ansetzt. Stärkere Hände, wie T-x oder besser, würden in diesem Szenario ohnehin raisen.
Bei der Anpassung mithilfe der Node-Lock-Funktion zeigte sich, dass QQ zu den letzten Händen gehört, die in einer solchen Situation leaden würden. Um das Szenario weiter zu analysieren, bin ich von folgender Range ausgegangen:
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Die Reaktion des UTG-Spielers:
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Die Blocker-Bet erfüllt ihren Zweck tadellos: T-x oder bessere Hände raisen ohnehin, während J-x, KK und AA callen. Dadurch wird vermieden, dass Jaffe eine größere Bet seines Gegners callen muss. In der Praxis funktionierte die Blocker-Bet sogar noch besser als erwartet und führte dazu, dass Hrabec die beste Hand ablegte.
Obwohl ich Jaffes Beweggründe im Detail nicht beurteilen kann, scheint es, als habe er die Blocker-Bet gezielt eingesetzt, um von J-x Value zu extrahieren und gleichzeitig seinen Verlust gegen stärkere Hände zu minimieren.
Besonders bemerkenswert ist, wie vorsichtig beide Spieler mit ihren extrem deepen Stacks agieren – insbesondere am River.
Was haltet ihr von dieser Spielweise? Wir freuen uns auf eure Kommentare!