Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

In Zeitlupe zum Pokertisch

Bei der WSOP kamen Beschwerden auf, dass einige Spieler nach der Late-Reg zusätzlich Zeit schinden. Werfen wir einen Blick auf die Zahlen, die verraten, warum dieses Verhalten problematisch ist.





Letzte Woche wurde bei der WSOP mal wieder hitzig über die späte Registrierung diskutiert. Den Stein ins Rollen brachte High Roller Chris Brewer, der sich darüber beschwerte, dass einige Spieler es seiner Meinung nach zu weit trieben. Das Problem: Einige Spieler, die sich erst kurz vor Ende der Anmeldefrist registriert hatten, verzögerten den Spielbeginn absichtlich noch weiter, um den anrollenden Blinds so lange wie möglich zu entgehen. 

Seit dem Tweet wurde eine Änderung eingeführt: Spieler, die kurz vor Ablauf der späten Registrierungsfrist ausscheiden, haben nun Zugang zu einem "FasTrac"-Kiosk. Dort können sie ihre Karten und Quittungen direkt ausdrucken, um möglichst schnell wieder ins Spiel einsteigen zu können. 

Als kleiner Nerd möchte ich nun herausfinden, wie sich der potenzielle Vorteil durch Zeitspiel bei der späten Registrierung beziffern lässt.

Ein EV-Gewinn durch strategische Verzögerung

Für die Analyse habe ich den ICM-Rechner von Holdem Resources verwendet. Grundlage der Simulation war das aktuelle $25.000 8-Max Event mit insgesamt 317 Teilnehmern. Gegen Ende der Registrierungsphase waren noch 129 Spieler im Rennen, unter denen ich die ursprünglichen 317 Startstacks zufällig verteilt habe.

Im ersten Beispiel habe ich untersucht, wie sich die späte Registrierung auf den EV auswirkt, wenn der Spieler sofort am Tisch Platz nimmt. Danach habe ich verglichen, wie sich der EV verhält, wenn derselbe Spieler erst einsteigt, nachdem drei bzw. zehn andere ausgeschieden sind. Die genauen Berechnungen findet ihr hier.

Szenario ICM-Wert EV-Gewinn
Spieler nimmt sofort Platz $25.302 $302
Spieler nimmt Platz, nachdem drei weitere ausgeschieden sind $25.390 $390
Spieler nimmt Platz, nachdem zehn weitere ausgeschieden sind $25.631 $631

Im gegebenen Szenario zeigt sich, dass die späte Registrierung in jedem Fall sofort profitabel ist, besonders jedoch, wenn man wartet, bis zehn Spieler ausgeschieden sind, bevor man Platz nimmt. Je näher die Geldränge rücken, desto ausgeprägter ist der EV-Gewinn. Bei kleineren Teilnehmerfeldern wird dieser Effekt noch deutlicher spürbar. 

Zusätzliche $300 mögen in einem $25.000-Event unbedeutend erscheinen, doch Brewer argumentiert zu Recht, dass diese Praktik den EV der anderen Spieler mindert. Mit Blick auf den Stundenlohn wird der Vorteil noch deutlicher: Wenn die Verzögerung lediglich 15 Minuten dauert, ergibt sich daraus ein stolzer Stundenlohn von $1.200.

Nicht nur aus Fairness gegenüber den bereits im Turnier befindlichen Spielern ist die späte Registrierung problematisch. Obwohl sich viele von uns kaum vorstellen können, mit einem Shortstack in ein $25.000 Event einzusteigen, ist diese Strategie für schwächere Spieler tatsächlich von Vorteil. Wenn ich beispielsweise mit 30 BBs einsteige und neben Chris Brewer sitze, könnte er seinen spielerischen Vorteil effektiv ausnutzen. Mit einem 8-BB-Stack wäre dieser Vorteil wesentlich geringer. Kleinere Stacks bieten weniger Raum für Fehler und erschweren es Profis, schwächere Spieler auszuspielen.

Obwohl man in beiden Szenarien Chips akkumulieren muss, um das Turnier zu gewinnen, birgt die späte Registrierung ein geringeres finanzielles Risiko. Zu diesem Zeitpunkt sind die Geldränge bereits in Reichweite – ein durchaus lukrativer Spot, selbst wenn man seinen Shortstack bereits in der ersten Runde in die Mitte schieben muss. 

Bei welchen Events würdet ihr von dieser Praktik Gebrauch machen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!