Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Ist Battle Royale von GGPoker ein Gamechanger?

Erleben wir die Zukunft von Online-Poker oder lediglich einen kurzzeitigen Hype? Wir werfen einen detaillierten Blick auf das neue Format des innovativsten Pokerraums.

Vergangene Woche hat GGPoker "Dan Bilzerians Battle Royale" vorgestellt und veröffentlicht, ein temporeiches Pokerformat in Anlehnung an den bei Videospielen angesagten Battle-Royale-Modus, bei dem sich ein Spieler gegen bis zu 100 weitere in Schlachten aller Art durchsetzt.

Im Kern handelt es sich um ein PKO-SNG für 100 Spieler, bei dem zunächst Fast-Fold-Poker gespielt wird, bis nur noch 50 Spieler verbleiben und es im Shootout-Format weitergeht, bis jeder Tisch einen Gewinner hervorgebracht hat. Entschieden wird das Turnier dann an einem zehnköpfigen Final Table im Standard-Turnierformat.

Zunächst einmal muss man feststellen, dass es ein schnelles Format ist und ich bin seit jeher überzeugt, dass es beim Online-Poker in diese Richtung gehen muss. Hobbyspieler wollen nicht sieben Stunden lang am Tisch sitzen, um am Ende doch nur einen Mincash mitzunehmen. Und sie wollen auch nicht minutenlang auf die nächste Hand warten. Das Schöne am neuen Format von GGPoker ist, dass es schnell und unterhaltsam ist, gleichzeitig aber auch schwierig zu lösen, sodass es Hobbyspielern und Profis gleichermaßen einen Anreiz bieten kann.

GGPoker Battle Royale stage 2 - Fast fold stage
Die Fast-Fold-Phase

Zahlreiche Stellschrauben

Bei einem PKO sollte man zu Beginn den loosesten Spielstil wählen, weil man dort im Vergleich zu späteren Turnierphase die meiste Equity beim Gewinn von Kopfgeldern einsacken kann. Das macht die Fast-Fold-Phase beim Battle Royale von GGPoker zur perfekten Wahl für den Turnierstart, weil sie Action garantiert, wenn sie am meisten gebraucht wird.

Phase 2 ist interessant, weil es sich an jedem einzelnen Tisch um ein Shootout handelt, an dessen Ende nur ein Gewinner pro Tisch verbleiben wird. Das ICM hat für gewöhnlich Einfluss auf alle Turnierphasen, in diesem Fall erwartet uns jedoch inmitten eines Turniers eine Phase, in der es um reinen Chip-EV geht und es nur einen Gewinner geben kann. Dadurch wird garantiert, dass jeder Spieler ein attraktives Kopfgeld angehäuft hat und man sich am Final Table mit ähnlich hohen Stacks begegnen wird. Das ICM hat derweil kurz vor dem Turnierfinale keine Relevanz, obwohl der Einfluss des Modells dort eigentlich für gewöhnlich am höchsten ist.

GGPoker Battle Royale stage 2 - Shootout stage
Die Shootout-Phase

Es gibt dafür aber eine bizarre ICM-Dynamik in Phase 1, wenn noch mehr als 50 Spieler verbleiben, da die Spieler außerhalb der Top 50 automatisch nach 15 Minuten aus dem Turnier fliegen. Das macht die erste Phase zu einem Pseudo-Satellite: Es macht zwar nach wie vor Sinn, selbst in den finalen Händen dieser Phase sein Spiel auf den Gewinn von Kopfgeldern auszurichten, es wird jedoch auch Momente geben, in denen Verzögerung der eigenen Aktion und tighte Folds angebracht sind, um ein Erreichen der nächsten Runde sicherzustellen.

Die meiste Zeit über wird dieser Ansatz jedoch theoretisch bleiben, da im Großteil der Fälle 50 Spieler bereits vor Ablauf der 15 Minuten ihren Hut genommen haben.

Niedrige Stacks, aber Skill erforderlich

Die Stacks sind beim Format niedrig gehalten, was man als Anlass nehmen könnte zu denken, dass es einem Crapshoot ähnelt. Es gibt beim Battle Royale aber derart viele Stellschrauben, dass ein vielfältiges Skillset vonnöten ist, um zu bestehen. Es wird 5-handed, 6-handed und 10-handed gespielt, mit einer bunten Mischung von Fast-Fold-Poker und PKO-Kopfgeldern, garniert mit einer bizarren Bubbledynamik in Phase 1, einem Winner-takes-All-Ansatz samt Heads-up-Anteil in Phase 2, während am Final Table wiederum die bekannten ICM-Skills eines normalen Turnierfinales gefragt sind.

PKOs sind bereits ein schwer zu lösendes Format und entsprechend schwierig optimal zu spielen, die schiere Anzahl an Stellschrauben beim Battle Royale macht das innovative Format unterhaltsam für Hobbyspieler und anspruchsvoll für Profis. Zudem wurde das Format mit einem relativ niedrigen Rake von 5% oder weniger versehen.

GGPoker Battle Royale stage 3 - Final Table
Die Final-Table-Phase

Auch für Live-Streamübertragungen ist es als Pokerformat perfekt geeignet und bei zahlreichen Gamern dürfte es allein aufgrund der Anlehnung an das angesagte Videospiel-Format Interesse wecken. Es gibt kein Warten zwischen den Händen und die Partien wurden mit vielen kleinen Features versehen, die es noch attraktiver machen, darunter ein Pop-up, das einem zeigt, wenn an einem anderen Tisch ein Spieler einem anderen Spieler zum Opfer gefallen ist. So bekommt man es hautnah mit, wenn der Kumpel abseits des eigenen Geschehens den Hut nehmen musste oder wenn ein Spieler im Turnier aufdreht und einen Gegner nach dem anderen hinauswirft.

Zu kompliziert die einzige Sorge

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Ich habe kein Geheimnis daraus gemacht, dass ich die Verpflichtung von Dan Bilzerian als Markenbotschafter für GGPoker für einen Fehler halte. Das Battle-Royale-Format ist aber zweifellos der am wenigsten kontroverse Ansatz, um aus seinem martialischen Image Kapital zu schlagen.

Wenn ich etwas Negatives feststellen müsste, dann vielleicht nur, dass es etwas zu schnell und zu kompliziert verläuft. Das liegt jedoch daran, dass mir die einzelnen Phasen derart viel Spaß machen, dass ich sie eigentlich noch ein bisschen länger spielen will. Dass jede Partie jedoch maximal eine Stunde dauert, ist mit Blick auf Hobbyspieler zweifellos aber auch ein großer Anreiz. Ich bin jedoch überzeugt, dass dem Final Table etwas mehr Spieldauer guttun würde. Aktuell beginnt das Turnierfinale meistens mit effektiven Stacks von 10 Big Blinds, GGPoker hat jedoch ein Feature, bei dem die Blinds zurückgestuft werden können, was meiner Meinung nach hier zum Einsatz kommen sollte, damit jeder Spieler im Finale mit etwa 25BB starten kann.

Ich hoffe entsprechend, dass man diese Anpassung vornehmen wird und natürlich auch eine breitere Auswahl an Stakes verfügbar macht, da nicht zuletzt auch Streamer Partien um höhere Buy-ins deutlich besser vermarkten könnten.

Eine Zeit lang habe ich in Erwägung gezogen, Flip & Go von GGPoker zur Variante meiner Wahl zu machen, wenn ich auf der Suche nach kurzweiligen Partien bin. Und auch wenn mir die Partien nach wie vor gefallen, laufen sie bei Weitem nicht häufig genug, als dass ich sie als Regular spielen könnte. Nachdem nun aber Battle Royale von GGPoker gelauncht wurde, habe ich einen Teil meiner Bankroll dorthin verschoben und werde mich regelmäßig in den Battles blicken lassen – und vielleicht auch schon bald im nächsten verrückten Format, das man sich bei GGPoker einfallen lässt.

Was haltet ihr von Battle Royale bei GGPoker? Wir freuen uns auf eure Meinung!