Ist die Einsteigerstrategie die beste Lösung?
PokerStratege Mart74 steht im 3-Bet-Pot vor einer heiklen Entscheidung. Wohin führt der optimale Weg – und lohnt sich in diesem Spot überhaupt eine Abweichung von der Einsteigerstrategie?
Im Bereich für Handanalysen werden kontinuierlich interessante Spots beleuchtet und unterschiedliche Ansätze miteinander diskutiert. Dabei bringen auch unsere Coaches Paxis und FaLLout86 regelmäßig ihre Expertise ein, prüfen die eingereichten sorgfältig sorgfältig und geben präzise, gut begründete Einschätzungen ab.
Bereits im letzten Spot ging es darum, wie man Ass König in einer kniffligen Situation am besten spielt - auch heute findet sich ein PokerStratege in einem 3Bet-Pot mit AKs.

{communitylink=Mart74+level} sieht die Lage folgendermaßen: "Der Flop wurde laut Einsteigerstrategie nicht korrekt gespielt – gegen zwei Gegner hätte die Continuation Bet etwa zwei Drittel der Potsize betragen sollen, gegen einen Gegner die Hälfte. Ich wollte jedoch den Turn möglichst günstig sehen, qußerdem war ich der Meinung, dass jedes Set auf diesem drawlastigen Board ohnehin raisen würde.
Der Turn entwickelte sich günstig: Der vermeintliche Fisch foldet, der Regular callt. Da ich hier einen Nut-Advantage habe, kann ich überzeugend ein Overpair repräsentieren. Entsprechend wähle ich eine Bet von zwei Dritteln des Pots."
PokerStratege Mart74 mit Ass König
Die Überlegungen von Paxis zum Spot
Unser Coach Paxis hat sich umgehend und sehr ausführlich zu Wort gemeldet. Daher werden an dieser Stelle nur ausgewählte Auszüge präsentiert. Hier geht es zum vollständigen Beitrag.
Preflop & Flop: Dass der Flop nicht nach Einsteigerstrategie gespielt wurde, hast du bereits erwähnt und eine Bet von einem Drittel des Pots ist hier tatsächlich nicht sinnvoll. Es gibt es im Grunde zwei Optionen: zwei Drittel Pot setzen oder checken. Ich bevorzuge klar die Linie der Einsteigerstrategie.
Zuerst zur Range des Big Blinds: Klassischerweise coldcallt er gegen eine 3-Bet Hände wie AQ und JJ, gelegentlich AJs, KQs oder TT, in looserer Auslegung auch KJs, QJs oder JTs. Gegen diese Range spricht nichts dagegen, zwei Drittel Pot zu betten und einen möglichen Push zu callen. Mit zwei Overcards und Flushdraw haben wir ausreichend Equity.
Die Range des Button ist deutlich weiter, da er hier stealt und in Position gegen zwei Spieler im 3-Bet-Pot callt – wahrscheinlich ähnlich wie nach den Charts, tendenziell etwas looser wegen des schwächeren Cold Callers.
Geschlagen werden wir nur von 99 und 88; 22 als Set ist möglich, aber unwahrscheinlicher. Selbst gegen ein Set halten wir rund 25% Equity. Wenn wir 22 Big Blind setzen und der Button All-In geht, müssten wir 67 BB nachzahlen, um 211 BB zu gewinnen – etwa 33% notwendige Equity inklusive Rake.
Wichtig: Der Button pusht nicht nur Monster. JTs etwa wird häufig All-In gestellt, da ein reiner Call den Pot stark aufbläht. Dazu kommen gelegentlich TT/JJ, 67s und verschiedene Flushdraws. Selbst wenn er nur Sets und JTs pusht, liegen wir bereits bei rund 37,7 Prozent Equity – also klar profitabel.
Turn: Da du den Flop nur für ein Drittel des Pots bettest, verändert sich die Callingrange deines Gegners. Die Wahrscheinlichkeit, dass er Sets am Flop raist, steigt – der kleinere Pot macht ein Raise für ihn attraktiver und mit starken Händen möchte er gegen die vielen möglichen Draws ohnehin Action. Seine Draws hingegen kann er gegen deine kleine Bet weniger profitabel All-In pushen. Dadurch bleiben mehr OESDs, Flushdraws, 8x-Kombinationen sowie JJ/TT in seiner Callingrange.
Der Vorteil für dich: Gegen diese Range, die nun kaum noch echte Monster enthalten sollte, kannst du auf dem Turn problemlos zwei Drittel Pot setzen und auf ein mögliches All-In broke gehen. Du müsstest nur noch 44 BB nachzahlen, um einen Pot von 211 BB zu gewinnen – dafür reichen rund 20 Prozent Equity. Selbst wenn er lediglich vier Bluffkombinationen und sonst nur seine 9x-Hände pusht, kommst du immer noch auf etwa 28 Prozent Gewinnwahrscheinlichkeit.
Fazit: Hier ist schlicht die Einsteigerstrategie die beste Wahl. Entscheidend ist zu erkennen, dass sich der Spot am Flop problemlos mit einer Bet von zwei Dritteln des Pots und anschließendem All-In spielen lässt – und nicht mit Bet/Call, falls der Gegner nicht selbst pusht, sondern klein raist.
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Wie seht ihr den Spot und wie hättet ihr ihn womöglich anders gespielt? Wir freuen uns auf eure Kommentare!