Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Kann man Barry die Multiway-Flausen austreiben?

Bewaffnet mit der Pocket Rocket hat Barry versucht zwei Gegner vor dem Flop zu trappen, Dara und David vom Chip Race Podcast zeigen ihm, wie er auf einem Wet Board in der Folge agieren sollte...

Die folgende Hand war Teil des Chip Race Podcasts unserer Kollegen Dara O'Kearney und David Lappin. Dabei standen die beiden unserem Redakteur BarryCarter insbesondere mit Blick auf Multiway-Pötte mit Rat und Tat zur Seite, damit Barry nicht immer alles in den großen Family-Pötten verdonkt! Für die Analyse wurde als Solver PokerSnowie genutzt – das vollständige Video findet ihr weiter unten.

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Der Spot stammt aus der frühen Phase eines €10-Rebuy-Turniers bei der Unibet Online Serie. Der Spieler UTG raist und Barry blickt als UTG+1 auf A A. In solchen Events geht es zu diesem Zeitpunkt häufig sehr wild zu, daher entschied ich mich dafür, die Hand nur zu callen um eine Squeeze zu provozieren – der Big Blind wollte aber offenbar nur callen.

David Lappin: In der Theorie kann man sowohl callen als auch eine 3-Bet auspacken, aber es gibt einige Gründe, warum es Sinn ergibt, deine Linie zu wählen.

Dara O'Kearney: Sicherlich kann man so vorgehen, aber um ehrlich zu sein, würde ich 3-betten – weil viele Spieler in einem Rebuy-Turnier gerade zu Beginn häufig ihre kompletten Chips sehr loose in die Mitte bringen. Zudem könnte es auch passieren, dass du von einem Kontrahenten mit zum Beispiel 40BB eine 4-Bet kassierst.

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Der Flop ist QK8. Der Pot beträgt 8BB und UTG entscheidet sich, 2,5 Big Blinds anzuspielen. Ich hatte das Gefühl, dass es entweder ein ziemlich guter oder schlechter Flop für mich ist, da es viele Hände wie Kx gibt, die mich auszahlen könnten, aber es ist ein schwieriger Flop, um zu erhöhen. Daher habe ich mich für einen Call entschieden – genau wie der Spieler im Big Blind.

David Lappin: Die Stärke unserer Hand ist gut verschleiert, daher würde ich auf Flop, Turn und River vorsichtig agieren. Es gibt einige Gründe dafür, passiv weiterzuspielen und die Gegner in eine Falle zu locken – auch wenn das eigentlich nicht Plan A war.

Dara O'Kearney: Nach dem Flatcall preflop haben wir nun ein Problem: Der Flop ist nicht sonderlich gut für uns und alle involvierten Spieler haben sehr viele Big Blinds. Sollten nun alle Chips in die Mitte wandern, wäre ich nicht übermäßig begeistert. Mit einer 3-Bet vor dem Flop wäre das Verhältnis zwischen den Stacks und den Chips im Pot ungefähr bei vier und ich wäre glücklich, um all meine BB zu spielen. Daher mag ich deinen Call. Und ja, das schockiert mich genauso, wie vermutlich dich selbst!

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Dara O'Kearney: PokerSnowie callt hier übrigens ebenfalls. Generell wird aber deutlich, dass es bessere Strategien gegeben hätte, da der Call nur 2,53 Big Blinds einbringt – der Spot ist durchaus unangenehm.

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Der Turn bringt die 6 und damit aus meiner Sicht eine sehr gute Karte für mich, denn sie ändert nicht wirklich etwas. Der Spieler in UTG entscheidet sich erneut anzuspielen und setzt 7,8 BB in einen Pot von 15,6 BB. Ich denke nur zu callen ist alternativlos – der Big Blind ging ebenfalls erneut mit.

David Lappin: Ich denke, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt eine stärkere Hand haben als der Spieler in UTG. Die 6 am Turn verändert ändert mit Blick auf ihn tatsächlich nichts, allerdings ist sie sehr gut für den Big Blind. Es ist also Vorsicht geboten, sollte er hier zum großen Schlag ausholen.

Dara O'Kearney: Ich stimme zu, dass die Turnkarte nichts verändert. Wie David sagt, würde ich am River ebenfalls sehr häufig eine Bet callen.

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Dara O'Kearney: Wow, Snowie entscheidet sich am Turn zu folden!

David Lappin: Snowie entscheidet sich für einen sehr nittigen Fold, weil unsere Position zwischen den beiden Spielern sehr schlecht ist und wir die die Action im Sandwich nicht abschließen können – der Spot ist extrem interessant.

Dara O'Kearney: In der Theorie verlieren wir mit dem Call nur 0,11 Big Blinds. Die Entscheidung ist wirklich knapp und in der Realität sollte ein Call durchaus vertretbar sein. Es ist wirklich spannend, dass Snowie erkannt hat, dass zwei weitere Spieler Interesse am Pot gezeigt haben. Insbesondere der Call des Big Blinds führt dazu, dass Asse hier nicht mehr wirklich gut aussehen. Es gibt kaum eine gute Riverkarte, selbst ein Ass könnte uns hier nicht mehr helfen.

Es liegt mir als absooluter Donk natürlich fern, das Resultat eines Solvers in Frage zu stellen, aber irgendwie wirkt die Einschätzung auf mich nicht richtig...

Dara O'Kearney: Ich finde sie durchaus nachvollziehbar, denn in Multiway-Pötten kommt es häufiger dazu, dass die beste Hand gefoldet werden muss. Auch wenn man am Turn die beste Hand hat, ist die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch, dass man am River das Nachsehen hat. Und es geht letztlich nicht darum, die beste Hand zu haben, sondern darum, profitable Situationen zu erkennen und auszunutzen. Wenn man jetzt das beste Blatt hat, werden am River wahrscheinlich keine weiteren Chips mehr in die Mitte wandern. Dazu kommt, dass man am River mit Assen wahrscheinlich immer callt, obwohl man sehr häufig die schlechtere Hand hat – was dazu führt, dass man noch mehr Geld verliert. In Multiway-Spots ist es deutlich wichtiger, profitable Situationen zu erkennen, anstatt zu wissen, was womöglich die beste Hand ist.

David Lappin: Ich denke, dass die meisten Spieler hier zwar callen würden, aber sicherlich nicht begeistert sind. Wenn man zusätzlich in Betracht zieht, dass sich das Turnier noch in der Rebuy-Phase befindet und die Ranges weiter als üblich ausfallen, wird der Call aus meiner Sicht maximal breakeven.

Dara O'Kearney: Wichtig ist zu erkennen, dass der Call am Turn nicht so gut ist, wie man auf den ersten Blick denkt.

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Die 9 auf dem River ist keine gute abschließende Karte. Der Spieler im Big Blind spielt ohne großartige Bedenkzeit eine Pot-Bet. Für mich ist das ein glasklarer Fold, egal wie der Spieler in UTG darauf reagiert.

David Lappin: Für mich sieht es so aus, als hätte der Big Blind am River sehr oft eine Straight getroffen und ein Fold ist die logische Konsequenz. Möglicherweise ist es auch ein Set Achter und der Spieler hat sich entschieden selbst anzuspielen, da womöglich beide Kontrahenten checken könnten.

Dara O'Kearney: K9 wäre ebenfalls denkbar.

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Dara O'Kearney: Zieht man Snowie zu Rate, ist der Fold sehr knapp, denn der Solver gibt dem Big Blind auch einige Bluffs, wie beispielsweise TT. In der Realität sieht die Sache aber meist ganz anders aus und kaum ein Spieler blufft in diesem Spot gegen zwei Spieler in solch einem Pot.

Wie hat sich Barry aus eurer Sicht geschlagen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!