Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Kate: "Ich hab einen Darktunnel-Bluff durchgezogen!"

Kate hat in der heutigen Hand auf allen Straßen geblufft. Ob ihr Gegner am River schließlich weggeschmissen hat und was Jürgen von ihrem waghalsigen Unterfangen hält, erfahrt ihr hier.

Kate No Limit Cash Game

Kate: Hey Jürgen!

Phew, das war eine heftige Hand und ich bin sehr an deiner Meinung interessiert. Vor dem Flop habe ich meinen Big Blind aktiv mit einer 3-Bet verteidigt. Das mache ich im Moment in 12% der Fälle gegen eine so kleine Erhöhung vom Spieler am Button.

Die Strategie wird dabei von Woche zu Woche leicht variiert und im Moment verteidige ich meinen Big Blind wie folgt:

Kate's Range No Limit Cash Game

Mit den blauen Händen gehe ich mit, die grauen Hände werden weggeschmissen und die roten und gelben Hände aktiv mit einer 3-Bet gespielt.

Durch die Variation der exakten roten und gelben Hände von Woche zu Woche ist mein Spiel dann auch nicht zu einfach für meine Gegner einzuschätzen.

Wichtig ist vielleicht noch zu erwähnen, dass gerade auf den höheren Limits viele meiner Gegner die Existenz des Fold-Buttons leugnen. Dann wird zu dieser Strategie gegriffen:

Kate aggressive Defending RangeDie gelben Hände werden gecallt und mit den roten Händen eine 3-Bet gespielt. Diese variablen Strategien im Big Blind machen mir sehr viel Spaß in der Praxis.

Erst mal überfährt man viele Gegner im 3-Bet-Pot mit dieser starken Range und auf der anderen Seite sind die aufmerksamen Gegner oft sehr sehr verwirrt.

In welcher 12% Range befinden sich denn 54s und QTs?! Wenn die Gegner dann hilflos im 3-Bet-Pot agieren, fühlt man sich wie ein echter Pokerfuchs.

Kate aggressive Defending Range PostflopIn der aktuellen Hand hab ich die Situation am Flop folgenderweise eingeschätzt: Es macht wenig Sinn mit meinen Bluffs eine "One and Done" Strategie zu wählen.

Also am Flop zu bluffen und dann am Turn aufzugeben. Der Grund ist, dass man nicht mit vielen Folds am Flop rechnen darf. Mein Gegner hat sooo viele Asse und Könige. Ungefähr so sieht es bei HeinzKetchup wohl aus:

Die kleinen Zahlen unter den Händen sind seine Equity gegen meine Range und darüber sind dann auch die Farben definiert.

Mit so viel Grün wäre die Farbverteilung bereits für einen Salat akzeptabel und wer würde schon gegen einen Salat bluffen, wenn jedes Salatblatt callt? Nun, ich habe aber weiter gedacht und etwas Faszinierendes herausgefunden:

Die meisten seiner Hände haben zwar keine Probleme gegen eine oder zwei Bets, aber wenn ich dreimal setze, dann tanzt die Kuh auf dem Eis und selbst Hände wie A5 müssen wohl wegschmeißen. Mit einer meiner schlechtesten Hände, "6-Hoch", habe ich mich also für den Bluff entschieden und draufgehalten. Was sagst du dazu, Jürgen?

Juergen Kloppo

Jürgen: Hey Kate!

Das hast du wirklich toll analysiert und ich bin froh zu sehen, dass du Fortschritte machst! Einen kleinen Schönheitsfehler habe ich allerdings gefunden.

Du setzt am Flop die Hälfte des Pots. Das ist meist auch richtig im 3-Bet Pot, aber ganz konkret solltest du hier größer setzen. Bedenke einfach, wie sich der EV deiner Bluffs berechnet: Du gewinnst mit einem Riverbluff das Geld, was dein Gegner an Flop und Turn in die Mitte schaufelt.

Das spricht also für große Bets an Flop und Turn. Es ist übrigens auch für deine sehr starken Hände besser. Du gehst ja davon aus, dass die meisten Hände deines Gegners nur an Flop und Turn mitgehen. Die letzte Valuebet läuft damit oft auch ins Leere und du gewinnst nur das Geld, was an Flop und Turn in die Mitte wandert.

Deine Betsize wäre gut, wenn dein Gegner mit vielen Händen am Flop nicht mitgehen kann. Dann gibst du dir mit so einer kleinen Bet einen super Preis auf deine Bluffs. Aber ich will das gar nicht alles schlecht reden! Well done!

Kate curvy ride

Kate: Oh, ich könnte vor Freude im Dreieck springen! 🙂 Das erste Mal, dass ich Theorie und Praxis richtig am Tisch verbunden habe! Am Wochenende mache ich ein kleines Philosophie-Experiment.

Ich binde meiner Katze eine Kamera für 3 Stunden um und schaue mir später die kompletten 3 Stunden auf dem Fernseher an. Ich habe gehört, dass ein Perspektivenwechsel oft inspirierend wirkt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn du dabei bist. Denke, dass dieses Experiment zusammen doppelt Spaß macht!

Jürgen: Am Wochenende ist natürlich Fußball, aber auf der anderen Seite hört sich das echt spannend an. Bin so was von dabei!

Und nun liegt es bei euch liebe PokerStrategen: Stimmt ihr mit Kate und Jürgen in den Lobgesang auf diesen Bluff ein oder habt ihr eure Zweifel an dieser Analyse?

Ihr habt Lust am Pokern mit Strategie bekommen? Dann werft einen Blick auf unsere besten Beginnerstrategien!

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