Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Kommt es etwa doch auf die Größe an?!

Laut Phil Galfond ist das Ziel beim Poker nicht viele Pötte zu gewinnen, sondern die größten. Barry Carter stellt die Aussage mit dem Solver auf die Probe...

Dass Phil Galfond bei Twitter regelmäßig einen Denkanstoß teilt, um seine Follower auf den richtigen Pfad zu leiten, ist hinlänglich bekannt. Ein Tweet hatte mich dabei besonders zum Grübeln gebracht:

Diese Aussage traf mich duchaus wie ein Schlag, denn ich vermute, dass mein Spiel genau in diesem Bereich ein paar deutliche Schwachstellen hat. Bei der Recherche zu unserem neuen Buch haben Dara O'Kearney und ich erst kürzlich Spots zu diesem Thema unter die Lupe genommen. 

Dabei haben wir Solverergebnisse ausgewertet, um bestimmte Exploits zu finden, wenn ein Spieler den River zu häufig foldet. Es war spannend herauszufinden, welche Spielzüge der Solver vorschlägt, falls der Gegner das All-in auf dem River nur mit Two Pair oder besser callt. Wie würdet ihr die Nuts spielen, wenn ihr genau diesen Read auf einen Kontrahenten habt? 

Die meisten würden vermutlich eine kleinere Betsize wählen, um den Gegner zu einem Crying Call zu verleiten. Aus dem Bauch heraus wäre das auch unsere Antwort gewesen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, der Solver zieht ein All-in mit seiner gesamten Range vor, auch mit den Nuts. 

Dadurch, dass der Gegner mit einer sehr tighten Range callt, werden Bluffs äußerst profitabel. Zwar haben wir in einem vorherigen Artikel gezeigt, warum Bluffen überbewertet wird, doch in diesem Szenario verzichten nur Geld-Allergiker auf den Bluff. Bei unserer Simulation erzielt ein Bluff mit 88 gegen eine GTO-Range nur einen Profit von 4,5 BBs. Gegen einen Spieler, der nur mit Two Pair oder besser callt, wirft der Bluff jedoch ganze 48 BBs ab. 

Die großen Pötte für die Bank, die kleinen fürs Gewissen

poker
Ein großer Pot zählt mehr als viele kleine

Wenn der Gegner hier mit einer solch tighten Range callt, warum sollte man dann auch mit den Nuts den ganzen Stack reinschieben? Schlicht und einfach deshalb, weil das All-in insgesamt profitabler ist, als zu versuchen, eine kleine Bet abzumelken. Dazu haben wir eine simple Berechnung durchgeführt, um zu vergleichen, wie hoch die Erwartungswerte verschiedener Betsizes ausfallen, wenn wir mit den Nuts am River setzen. 

Hierfür vergleichen wir das Produkt aus Betsize und Häufigkeit, mit der ein Gegner vermutlich callt. Die effektiven Stacks betragen hier 68,1 BBs. Die Erwartungswerte errechnen sich wie folgt:

  • Setzten wir 68,1 BBs mit den Nuts und der Gegner callt zu 20%, ergibt sich ein Erwartungswert von 13,62 BBs
  • Setzten wir 60% vom Pot, also 38,46 BBs und der Gegner callt zu 33%, ergibt sich ein Erwartungswert von 12,69 BBs
  • Setzten wir 25% vom Pot, also 16,03 BBs, und der Gegner callt zu 75%, ergibt sich ein Erwartungswert von 12,02 BBs

Das All-in auf dem River birgt offensichtlich den höchsten Erwartungswert. In 20% aller Fälle den gesamten Stack zu gewinnen, führt langfristig zu einem größeren Profit als dem Gegner in 75% aller Fälle eine kleinere Bet abzuluchsen. Die meisten Spieler scheinen genau mit dieser Erkenntnis Probleme zu haben, wahrscheinlich fühlt es sich einfach besser an, häufig kleinere Gewinne zu sichern. Stattdessen sollte das Ziel sein, sich die größtmöglichen Pötte einzuheimsen.

Scheinbar sind wir alle in diesen Spots etwas voreingenommen, denn es widerspricht unserem Bauchgefühl, mit den Nuts All-in zu gehen und zu 80% Folds zu erhalten. Doch die 20% der Fälle, in denen wir dem Gegner den gesamten Stack abnehmen, machen den Unterschied. Wenn wir das nächste Mal in Erwägung ziehen, mit Quads behindzuchecken, sollten wir genau das im Hinterkopf behalten. 

Liegt auch bei euch ein solches Leak vor? Wir freuen uns auf eure Kommentare!