Konti im Kampf gegen Jetlag, Guten-Morgen-Regs & Mojitos
An dieses Szenario musste ich mich gewöhnen: Kaum hatte ich ein Auge auf, war die Nacht vorbei. Am zweiten Morgen in Las Vegas war dies um 05:30 Uhr der Fall, aber da der Rest der Stadt niemals schläft, konnte ich mich umgehend in den erbitterten Kampf gegen Regs, Drinks und Müdigkeit begeben.
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| Seltenheit im Aria Resort & Casino: ein leerer Craps-Tisch |
Schlaftrunken schleppte ich mich in den Aufzug und drückte den dicken Knopf mit der Aufschrift "Casino Floor". Wenige Sekunden später war ich unten angekommen, die Tür öffnete sich und mich traf es wie ein Schlag von Mike Tyson:
Der Batman vs Joker-Automat mit progressive Jackpot bimmelte und blinkte, als ob Gotham City kurz vorm Explodieren stünde, eine Hundertschaft von Hotelmitarbeitern wirbelte durch das Cafe Vettro wie ein riesiger Meister Propper-Hurrikan, und quer durch den Saal hörte man Hotelgäste an den Craps-Tischen jubeln wie die Dortmunder Südtribüne kurz vor dem Gewinn der Meisterschaft. Ich konnte nicht glauben, dass es gerade einmal kurz vor sechs Uhr morgens war.
Guten Morgen Guten-Morgen-Regs
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| Der Poker Room am Morgen. Noch ahnte ich nicht, welche Spezies zu dieser Zeit ihr Revier verteidigt. |
Nachdem die ganzen Lichter und Leute meinen Adrenalin-Pegel von 0 auf 100 pushten, entschloss ich mich, erst einmal einen Rundgang durch die Casino-Ebene zu machen, um das Frühstücks-Sortiment gründlich unter die Lupe zu nehmen. Als Frau würde ich bei der Vielzahl an Angeboten jetzt noch hungernd inmitten des Casinos stehen und zwischen Joghurt-Früchte-Sorbet, frischem Mozarella-Tomate-Baguette und französischem Croissant mit Cranberry-Marmelade hin- und hergerissen sein.
Pragmatisch wie ich bin, landete ich _zufällig_ an der Bar neben dem Poker Room, bestellte mir einen Joghurtbecher und machte eine prägende Las Vegas-Erfahrung: Zum Becher voller Joghurt, Müsli, Erdbeeren, Ananas, Trauben, Himbeeren und Melone wurde mir ein edler, silberner Löffel gereicht wie ihn sonst nur die Queen zum Zuckern ihres Tees verwenden würde. Ich wollte gerade fragen, ob ich den Löffel nach dem Verzehr wieder abgeben solle, als ich ihn in die Hand nahm und feststellte: Alles in Vegas ist aus Plastik.
Ein wenig irritiert schlenderte ich mit meinem Fake-Besteck zum Poker Room und nahm an einem NL $1/$3 Tisch platz, an dem ich mich nackt fühlte: Auf den ersten Blick schien ich der Einzige zu sein, der weder Beats by Dr. Dre-Kopfhörer über den Kopf geklemmt noch seinen Hoodie fester zugeschnürrt als Phil Laak bei einem WSOP Heads-up hatte. Wo war ich denn hier gelandet, fragte ich mich?
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| Amurtiger, vom Aussterben bedroht. Diese seltenen Raubtiere haben mich an die Guten-Morgen-Regs erinnert. |
Nach wenigen Orbits an diesem Tisch wurde mir aber klar, womit ich es zu tun hatte: Ich hatte die seltene Spezies der Guten-Morgen-Regulars kennen gelernt. Jeden lieben Morgen versammelten sich tapfere Mini-Iveys an den Pokertischen, um ihre Beute – nichts ahnende, reiche, müde, vom Feiern kommende Menschen – brutal auszunehmen und blutend zurück zu lassen.
Ich schien dabei irgendwie nicht in ihr Beuteschema zu fallen: Ich hatte bereits geschlafen, war nicht betrunken und kannte zu allem Überfluss auch noch die Regeln dieses Kartenspiels. Damit hatten die Guten-Morgen-Regs wohl nicht gerechnet und ich fragte mich: War ich etwa der erste Spieler überhaupt, der sich morgens in ihr Revier begab und erkannte, dass sie mehr Leaks als Spongebob Schwammkopf hatten?
So kam es mir jedenfalls vor, denn die lieben Regulars blieben artig sitzen und gaben Pot für Pot und Chip für Chip ab. Ihre einzige Regung war unterdessen, die Lautstärke an ihren Kopfhörern den lauter werdenen Automaten neben dem Poker Room anzupassen. Diese Spezies gefiel mir!
Guten Tag Pool & Drinks
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| Diese Kellnerin war nur ein Grund, warum der Pool im Aria einen Besuch wert ist |
Den Großteil des Tages verbrachte ich mit dasmee am Pool: Pralle Sonne, sommerliche Temperaturen, kühles Wasser, nette Bikinis und entsprechende Besitzerinnen, Ausblick auf die Fassaden des City Centers beziehungsweise in die Ausschnitte der Bedienungen und eine Bier-Flatrate auf Zimmerrechnung. Das hat mir irgendwie so gar nicht gefallen, wie ihr sicher anhand des Fotos nachvollziehen könnt.
Anschließend legten wir eine Session im Fitnessraum des Hotels ein, um abends ausgepowert unsere Reise ins benachbarte Bellagio anzutreten. Dass es nicht unsere einzige Reise ins Bellagio sein würde, wussten wir schon vorher, jedoch waren wir auf Anhieb begeistert von diesem luxuriösen Hotel, das den perfekten Kontrast zum modernen Aria darstellt: Prunkvolle Hallen, edle Shops, vergoldete Decken und klassische Musik – die Zielgruppe dieses Hotels könnte nicht klarer definiert sein.
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| DaSmee in der wunderschönen Eingangshalle des Bellagio |
Und, welch Wunder, im Poker Room lernten wir eben diese Zielgruppe kennen. Gemeinsam nahmen DaSmee und ich an einem NL $1/$2 Tisch platz und verbrachten zweieinhalb amüsante Stunden mit Joe, einem Mid-Siebziger, der laut seinen Aussagen auch schon Mitte der Siebziger in Vegas gamblete, John, einem ebenso alten Herren, der in seinem Armani-Anzug einen etwas dekadenteren Eindruck machte und weiteren Leuten, an die ich mich aufgrund der im Viertelstunden-Takt anrollenden Mojito nicht mehr so präzise erinnern kann.
An das Ende der Session kann ich mich aber umso besser erinnern. Obwohl ich mit meinem höchst profitablen 60/20-Spielstil zwischenzeitlich über $400 im Plus war, holte mich eine Hand auf den Boden der Tatsachen zurück.
Gegen den einzigen Spieler mit mehr als $300 im Stack ging ich mit auf einem
-Flop gegen
broke und zu allem Überfluss war auch noch mein Mojito leer. Zeit für mich, meine verbliebenen $125 Gewinn einzutüten, bevor ich im Minz-Wahn meiner Cocktails noch mehr Chips an die Gucci-Fraktion verteile.
Poker Room-Review 2: Bellagio
Komfort wird in diesem Casino überall großgeschrieben. Die Stühle des Poker Rooms sind sehr bequem und lassen sich dank der Rollen gut bewegen. Insgesamt ist das Ambiente schick und lädt zu langen Sessions ein. Die Größe ist ebenfalls Spitzenklasse, nicht unbedingt aufgrund der Tischanzahl, sondern eher aufgrund der angebotenen Partien und Limits. So ist das Bellagio das einzige Casino, in dem täglich bis NL $10/$20 gespielt wurde. Zudem finden Fixed-Limit-Spieler hier stets passende Tische für ihr Portmonee.
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Ambiente:
Größe:
Action:
Dealer:
Service:
Die Action geht mit der Größe einher: Mehrere NL $5/$10-Tische, teilweise noch größere NL-Partien, FL für jedermann und die Lowstakes ebenfalls ein Paradies. Fünf Sterne sind hoch verdient, auch weil die Stimmung am Tisch oft gelassener war als beim Kampf gegen Guten-Morgen-Regs im Aria. Die Dealer machen ihren Job solide, sind fast ausschließlich asiatischer Abstammung und haben daher teils Probleme, sich vernünftig zu artikulieren. Darunter hatten nicht nur Nicht-Amerikaner zu leiden. Der Service war zwar nicht so freizügig wie im Aria, aber wusste dennoch, wo durstige Mojito-Kontis mit Trinkgeldern um sich schmeißen.
Alles in allem hat mir persönlich der Poker Room im Bellagio am besten gefallen. Das könnte aber auch an meiner Bilanz in diesem Raum liegen, auf die ich den kommenden Kolumen noch zu sprechen kommen werde.
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von konti23





