Mehr als nur Pause vom Spiel
Mit Blick auf die Strapazen der WSOP zeigt Jared Tendler auf, warum Erholungsphasen für Pokerspieler ein wesentlicher Bestandteil des Spiels sind.

Vermutlich würde kaum jemand von euch eine Woche bezahlten Urlaub ausschlagen. Für Angestellte ist dieser Luxus selbstverständlich, doch Pokerspieler arbeiten auf eigene Rechnung und verdienen kein Geld, während sie den Tischen fernbleiben. Oder etwa doch?
Wer mit klarem Geist seine Bestform abruft, trifft bessere Entscheidungen, die wiederum zu besseren Ergebnissen und stabilerem Selbstvertrauen führen.
Auf der anderen Seite sinkt die Performance, wenn man müde ist und in Richtung Burnout treibt. Doch wie wirkt sich die reduzierte Leistungsfähigkeit auf die Rentabilität des Spiels aus?
Die meisten Pokerspieler, mit denen ich arbeite, performen erheblich besser, wenn sie ausgeruht sind. Erschöpfung und Burnout hingegen wirken sich spürbar negativ auf ihre Leistung aus. In gewisser Weise werden sie also dafür bezahlt, sich freizunehmen.
Auch wenn es schwerfallen mag, diesen Leistungsunterschied zu beziffern, empfehle ich stets, darauf zu achten, in Topform zu bleiben.
Fleiß hat seinen Preis

Damit möchte ich keineswegs suggerieren, dass man ausschließlich mit Tunnelblick spielen sollte. Obwohl man sich bis zu einem bestimmten Grad noch am Riemen reißen kann, gibt es einen Punkt, an dem man die Reißleine ziehen sollte.
Vermutlich tolerieren es viele von euch, sich im unteren Bereich dieses Spektrums zu bewegen, wo das Energielevel bereits im Keller ist. Die dadurch sinkende Rentabilität beweist jedoch, dass man durch Pausen tatsächlich Geld verdienen kann.
Auszeiten sind jedem fleißigen, hoch motivierten Menschen ein Dorn im Auge. Doch für Pokerspieler sind Pausen eine besondere Herausforderung, da man scheinbar nur bezahlt wird, wenn man am Tisch sitzt.
Die Tische laufen rund um die Uhr, deshalb mag es sich wie Faulheit anfühlen, wenn man sich eine Auszeit nimmt. Jedoch gehört die gesunde Einschätzung der eigenen Konzentrationsfähigkeit zum Berufsbild. Die Anforderungen an einen Pokerspieler ähneln eher denen professioneller Athleten als denen von Vollzeitangestellten. Zudem führt der ständige Stress, wenn man sein eigenes Geld riskiert oder sich in einem Downswing befindet, schneller zum Burnout.
Das Endergebnis ist, dass ihr weitermacht, um keine Chancen zu verpassen, aber der Verzicht auf Erholung kostet bares Geld. Wenn ihr die Vorteile, ausgeruht zu sein, den Kosten schlechter Entscheidungen, die ihr in ermüdetem Zustand trefft, gegenüberstellt, könnt ihr eine Linie definieren, an der ihr durch Pausen Geld verdient.
Der Preis mangelnder Erholung

Ein Blick auf eure Ergebnisse kann Aufschluss darüber geben, wie sich eure mentale Verfassung auf eure Performance auswirkt. Ich vermute, dass ihr in einer Woche, in der ihr vollständig ausgeruht seid, deutlich besser abschneidet. Wenn ihr durch Ruhephasen die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Woche erhöhen könnt, werdet ihr feststellen, dass sich Pausen nachweislich auszahlen.
Falls euch der finanzielle Aspekt noch nicht motivieren kann, zumindest genauer darauf zu achten, wie ihr eure Auszeiten managt, solltet ihr auch die potenziellen Kosten in Bezug auf eure Lernkurve in Betracht ziehen.
Wer hart an seinem Spiel arbeitet, muss das Gelernte erst verarbeiten. Unter ständigem Stress kann das neu erlangte Wissen nicht gefestigt werden. Wenn ihr erschöpft seid, habt ihr eingeschränkten Zugriff auf kürzlich Gelerntes und lauft Gefahr, es nicht anwenden zu können. Dadurch verlangsamt sich euer Lernprozess sowohl mental als auch emotional.
Geht für einen Moment in euch und achtet auf eure Emotionen, wenn ihr müde oder ausgebrannt seid. Ihr werdet feststellen, dass euch die Fähigkeit entgleitet, mit Emotionen umzugehen. Darüber hinaus fehlt euch im geschwächten Zustand die Stärke und Gelassenheit, Spitzenleistungen abzurufen und Fortschritte zu machen.
Es wird Zeit, den Sommer zu genießen und dabei den Gedanken zu verankern, dass es sich für Profis, die von ihrer Leistung leben, buchstäblich auszahlt, sich auszuruhen.
Verschiedene Formen der Erholung

Für einige von euch können die Vorteile von Auszeiten bereits durch eine bessere tägliche Routine erzielt werden. Es ist nicht immer gleich notwendig, sich längere Zeiträume freizunehmen. Vielleicht schlaft ihr nicht genug, unternehmt zu wenig abseits der Tische oder seid ständig in hoch stimulierende Aktivitäten verwickelt, die eurem Geist keine echte Pause ermöglichen. Sorgt für ausreichende Ruhephasen und messt ihre Effektivität daran, wie viel Energie ihr das nächste Mal an die Tische mitbringt.
Andere wiederum verfolgen bereits sehr effiziente tägliche Routinen, allerdings ist der Energieaufwand so hoch, dass sie wöchentlich, monatlich oder vierteljährlich Urlaub brauchen. Ich kann jedem nur ans Herz legen, sich einmal im Monat ein langes Wochenende zu gönnen und einmal pro Quartal mindestens fünf Tage Urlaub zu machen.
Wer solche Auszeiten aufgrund äußerer Umstände nicht realisieren kann, sollte versuchen, mehr Ruhe und Erholung in den Alltag zu integrieren. Das bedeutet, weniger Zeit in sozialen Medien zu verbringen und für ausreichend Schlaf und Bewegung zu sorgen. Soziale Aktivitäten oder das Lesen eines spannenden Buches können bereits Wunder wirken.
Erholung zahlt sich zweifellos aus, aber letztlich liegt es in eurer Hand, diesen Aspekt des Spiels in die Tat umzusetzen!
Sorgt ihr für ausreichende Erholungsphasen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!