Mentale Ausdauer für die WSOP aufbauen
Jared Tendler verrät, wie du deinen Geist auf die Strapazen der WSOP vorbereitest, um in mentaler Bestform an den Tischen zu glänzen.

Über einen längeren Zeitraum hinweg auf Sparflamme zu spielen ist wahrlich keine Kunst und sollte eigentlich jedem gelingen.
Dein A-Game abzurufen kann hingegen äußerst anstrengend sein, da du ständig bemüht bist, deine frisch erlernten Fähigkeiten in die Praxis umzusetzen.
Es mag Phasen geben, in denen es sich ganz natürlich anfühlt, sein A-Game zu spielen, doch ich kann euch versichern, dass dazu eine Menge mentaler Energie nötig ist.
Mit Blick auf die bevorstehende WSOP möchte ich Pokerspieler mit diesem Beitrag für das Thema sensibilisieren. Gerade für solch kräftezehrende Turnierserien ist eine ausgeprägte mentale Ausdauer von essenzieller Bedeutung. Dabei ist ein hohes Maß an Kondition erforderlich, um jederzeit auf das Wissen und die Fähigkeiten zugreifen zu können, die in jüngster Zeit verbessert wurden, insbesondere im Hinblick auf die mentalen Hürden, die uns das Spiel in den Weg stellt. In der Endphase solcher Turniere geht es um lebensverändernde Summen. Daher ist es entscheidend, sich bestmöglich vorzubereiten, um nicht durch Erschöpfung ins Straucheln zu geraten.
Das A-Game ist das Ergebnis harter Arbeit

Ohne die nötige mentale Ausdauer fallen wir alle früher oder später in unser C-Game zurück.
In diesem Zustand übernimmt das Unterbewusstsein das Kommando. Entscheidungen werden weitestgehend automatisch getroffen, ohne tiefe Überlegungen anzustellen. Denken bedeutet, dass dein Geist arbeitet, und dabei verbraucht er eine Menge Energie. Solange du noch intensiv nachdenken musst, um Spitzenleistungen zu erzielen, ist das ein Hinweis darauf, dass dein Wissen und deine Fähigkeiten noch nicht automatisch abgerufen werden können.
Dein A-Game hingegen erfordert Anstrengung, Vorbereitung und die richtigen Bedingungen. Es muss verdient werden und darf nicht als selbstverständlich angesehen werden. Ein Verständnis dafür, welche Anforderungen tatsächlich erfüllt sein müssen, um dein A-Game über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten, kann dir dabei helfen, diese Spitzenleistung häufiger abzurufen.
Um häufiger seine Bestform abzuliefern, sollte man zunächst Schritt für Schritt den Zeitraum verlängern, in dem man bei voller Konzentration agiert. Dafür ist mentale Ausdauer entscheidend. Es gilt, in entscheidenden Momenten kompetente Entscheidungen oder zumindest solide Entscheidungen zu treffen, die noch Teil deines B-Games sind.
Denken kostet Kraft

Entscheidungen, die bewusstes Nachdenken erfordern, beanspruchen mehr mentale Energie als Automatismen. Wissen zu vertiefen führt somit nicht nur zu einer Erweiterung der kognitiven Kapazitäten, sondern trägt auch dazu bei, die mentale Erschöpfung zu minimieren.
Gewohnheiten und Routinen sind äußerst effiziente Wege, Energie zu sparen. Da unsere kognitive Kapazität begrenzt ist, erlauben es automatisierte Fähigkeiten oder solche, die durch unbewusste Kompetenz abgerufen werden, schnellere und präzisere Entscheidungen zu treffen, während gleichzeitig weniger mentale Energie verbraucht wird.
Sobald dein Wissen Teil deiner unbewussten Kompetenz ist, wirst du mit deutlich weniger Aufwand Spitzenleistungen erbringen können. Damit spreche ich mich nicht dafür aus, Entscheidungen blind zu treffen, sondern möchte vielmehr betonen, dass automatisiertes Wissen zu energieeffizienteren Entscheidungen führt.
Angesichts dessen ist es bei der Vorbereitung auf die WSOP entscheidend zu wissen, wann man aufhören sollte, neue Dinge zu lernen. Häufig verspürt man den Drang, alles erledigen und sämtliche Punkte abhaken zu wollen, doch wenn man unmittelbar vor Beginn der Serie den Kopf mit zu vielen Informationen überfrachtet, riskiert man, dass dieses Wissen unter Druck nicht sofort abrufbar ist.
Das übermäßige Pauken bringt dich in eine schwierige Lage, denn du musst selektiv entscheiden, welche Bereiche deines Spiels du nicht verbessern möchtest, obwohl du theoretisch dazu in der Lage wärst. Frisch erworbenes Wissen will sorgfältig verdaut werden. Setze also einen klaren Zeitpunkt, an dem du aufhörst, aktiv neue Dinge zu lernen, und halte dich konsequent daran.
Stärkung der mentalen Ausdauer

Dies ist die perfekte Gelegenheit, die mentale Ausdauer für die WSOP aufzubauen, und der Prozess gleicht dem Aufbau physischer Ausdauer. Wenn du beispielsweise einen Marathon laufen möchtest, wirst du vermutlich nicht völlig unvorbereitet beim Lauf erscheinen, ohne dich zuvor an längere Distanzen herangetastet zu haben.
Obwohl die Analogie nicht perfekt ist, können wir das grundlegende Konzept auf das Pokerspiel übertragen, um die mentale Ausdauer schrittweise zu steigern. Folgende Ratschläge haben sich bei meinen Klienten bewährt:
- Beginne mit einer realistischen Selbsteinschätzung. Betrachte dein durchschnittliches Spielvolumen bei der WSOP und evaluiere, ab wann du mit mentalen Einbrüchen zu kämpfen hattest, um einen Spielplan zu erstellen, der für dich zugeschnitten ist.
- Stelle einen Trainingsplan auf und versuche kontinuierlich dein Spielvolumen oder die Spieldauer zu erhöhen, entweder live oder online. Das Ziel besteht darin, deine Grenzen auszuloten und diese schrittweise zu erweitern.
- Nutze Logik-Injektionen, um sicherzustellen, dass du deine emotionale Stabilität bewahrst, während du Spitzenleistungen abrufst.
- Steigere dich kontinuierlich, aber übertreib es nicht. Eine Steigerung von 10% pro Einheit erscheint mir angemessen.
- Vor der WSOP besteht noch Zeit, um kleinere Events als Gelegenheit zur taktischen Feinabstimmung und zum Aufbau mentaler Ausdauer zu nutzen.
Um auf einem hohen Niveau zu bestehen, ist Fleiß und harte Arbeit gefragt. Wenn es einfach wäre, könnte es jeder schaffen und die Belohnung wäre entsprechend geringer.
Ich wünsche euch, dass ihr am Final Table eines großen Events vor Energie nur so strotzt und beobachtet, wie die Konkurrenz vor lauter Erschöpfung zu Fehlern neigt. Auch wenn dadurch der Sieg noch nicht garantiert ist, sollte man beim Poker jeden Vorteil zu schätzen wissen.
Wie bereitet ihr euch auf große Turnierserien vor? Wir freuen uns auf eure Kommentare!